, in welches sich Skrzynecki am Nachmittage des 26. Mai einließ . Ein tosender Lärm brach unter den Polen aus , die sich in der nachlässigsten Situation überfallen sahen und sich nun rüsteten mit aller Schnelle und Unerschrockenheit , welche ihre Heere charakterisiert . Skrzynecki flog auf seinem hohen Pferde hin und her und befahl und ordnete mit fester , starker Stimme . Die Kugeln vom andern Ufer schlugen links und rechts neben ihm ein , aber sie störten ihn nicht ; ein wunderliches Feuer brannte in seinen Augen , die blassen Wangen waren leicht gerötet , und auf den Lippen lag der tapfere Trotz , welcher zu sagen schien : Ich verlasse den Platz nicht , oder ihr begrabt mich hier . Valerius , der ihn in diesen Augenblicken sah , erschrak vor dem Anblick . Er wußte nicht , war es etwas Schwärmerisches , war es etwas Dämonisches oder gar ein Heiliges , das aus dem erregten , gespannten Antlitz schaute . Die Puritanergestalten Balfour und Cromwell mit den ehernen Fanatismuszügen kamen ihm in den Sinn ; nimmer hätte er die sanften Züge Skrzyneckis dieses Ausdrucks fähig geglaubt . Wirklich weiß man das ganze hartnäckige , todesverachtende Benehmen des Feldherrn an jenem Tage nur aus einer solchen überspannten Stimmung zu erklären . Er verteidigte die Narewbrücke mit einer solchen Berserkerwut , als ob das Schicksal des Landes vom Besitz derselben abgehangen hätte . Im Rücken des polnischen Heeres erhoben sich Sandhügel , welche ihm die beste Position gewährt hätten , um den Übergang des Feindes , wenn nicht zu hindern , doch auf das blutigste und nachteiligste für diesen zu stören . Er sah aber nichts als die Brücke und den Feind auf der Brücke . Die unterlassene Schlacht gegen die Garden schien wie ein Dämon in ihm zu wüten ; noch in keinem Zeitraume war die polnische Armee so zahlreich , so gewaltig gewesen als jetzt , er wollte nicht nach Warschau zurückkommen , ohne geschlagen zu haben , das Gewissen drängte ihn zu Taten , die bis jetzt verabsäumt worden waren . Kuriere flogen nach den Truppen , welche schon nach Warschau hin abmarschiert waren ; die Bataillone schritten mit gefälltem Bajonett nach der Brücke , auf welcher sich die dichten schwarzen Massen der Russen herüberwälzten . Ein Morden und Schlachten ohnegleichen begann . Die Kartätschen und Kanonenkugeln schlugen mörderisch dazwischen in den Menschenknäuel , Feind und Freund treffend . Niemand wich dem menschlichen Gegner , was in dem Defilee vor der Brücke und auf der Brücke selbst erschien , das erlag nur dem Tode . Hügel von Leichnamen versperrten den Weg ; wo der Boden einen Augenblick leer wurde , da sah man ihn gepflastert mit Kugeln groß und klein . Und immer neue Scharen drängten sich zu dem Opferplatze ; schauerlich einsam ragten die Generale zu Pferde aus den dunklen Massen . Sie hatten die Säbel gezogen und halfen schlachten wie die gemeinen Soldaten . Vorn , dicht an der Brücke , erblickte man den General Kaminski , den Säbel hielt er hoch in der Hand , und rückwärts sich wendend , schrie er Befehl auf Befehl ; Valerius sah in geringer Entfernung nur seinen geöffneten Mund , das brüllende Getose der Schlacht ließ die donnerndste Stimme eines einzelnen nicht vernehmen . Plötzlich sank er vom Pferde und verschwand in der dunkeln Masse . Wie ein Kriegsgott hoch zu Roß flog der schöne Kicki herbei und verschwand ebenfalls wie ein schimmerndes Meteor , rasende Kugeln hatten die ritterlichen Helden daniedergerissen . » Kicki ist gefallen , Kicki ist gefallen ! « flog es in dem Toben von Mund zu Munde . Aber man hatte keine Zeit zur Trauer , der Tod dieses Helden erfüllte die Soldaten nur mit größerer Wut , und die Wut sieht keine Gefahren , sie ist blind . Wie rasend stürzten die nächsten Scharen auf den Feind ; das Defilee vor der Brücke , in welches die Russen vorgedrungen waren , wurde wieder genommen , aber dicht wie Wolken quollen immer neue russische Massen aus der Stadt heraus , über die Toten hinwegschreitend . Das alte Reiterregiment , das Kicki früher geführt hatte , stand ohnmächtig in der Nähe des Schlachtfeldes , der enge Raum gestattete der Reiterei wenig oder gar keine Mitwirkung . Valerius sah und hörte , wie die Ulanen in Tränen und Heulen ausbrachen um ihren vergötterten Helden , um das rings mähende Unglück , und über die peinigende Qual , gefesselt stehen zu müssen , ihren alten Führer nicht rächen zu können . Eine Pause der Erschöpfung trat vor der Brücke ein , die Russen warfen Tote und Verwundete in den Fluß , um Raum zu erhalten , von der polnischen Seite rasselte eine weitere Batterie an das Ufer herbei . General Bem führte sie , und im Nu flog ein hagelndes Feuer gegen die Brücke . Jeder Schuß traf bei der großen Nähe , und die Kartätschen wühlten sich in die Menge hinein , viele Getroffene wälzten sich unter dem Geländer in die Narew hinab . Aber auch die russischen Batterien vom andern Ufer verdoppelten ihr gefährliches Feuer - Skrzynecki , der mit düsterem Gesicht vorn im dichtesten Kugelregen gehalten hatte , stieg vom Pferde , stellte sich an die Spitze einer Kolonne und marschierte mit ihr im Sturmschritt hinein in den Feind . Die Flintenkugeln zischten wie tausend Schlangen um ihn , schlugen in seine Mütze , zerrissen ihm die Uniform , vorwärts , immer vorwärts ging es . Er nahm die durchlöcherte Mütze vom Kopfe und wies seinen Grenadieren den Punkt , wo sie angreifen sollten ; ein leichter Wind hob seine dünnen dunklen Haare in die Höhe , deren Spitzen schon ergraut waren unter den Kriegssorgen . Er glich einem rüstigen Vater , der in der Verzweiflung seines Herzens die letzte Anstrengung macht , seine bedrohten Kinder zu retten . - Die Sonne ging glühend rot unter , wenige Minuten lang glänzten zitternd ihre Strahlen über den blutgetränkten Fluß , und eine