neue Uhr in die Tasche steckt , wenn man sich auf die alte nicht mehr verlassen kann , weil sie nichts mehr taugt ! « Da lächelte Tsi , der bei uns saß , den lieben Alten von der Seite an und fragte : » Ist Ihnen vielleicht die chinesische Erzählung von der Taucherinsel Ti bekannt , Mylord ? « » Nein , « antwortete der Governor , welcher nicht wußte , daß Ti das chinesische Wort für Erde ist . » Was ist das für eine Insel ? Kenne sie nicht . Können ihre Bewohner etwa ihre Geister wechseln und ersetzen wie wir unsere Uhren ? « » Nein ; ebenso wenig wie wir . Ob gewechselt werden soll , darüber haben natürlich nicht die Körper , sondern die Geister zu bestimmen . Ich will mich ganz und gar populär ausdrücken : Hat etwa die Uniform zu befehlen , wer sie anlegen soll und wer nicht ? « » Nein ! « » Nun , diese Uniform ist der Menschenkörper ! Wenn er glaubt , dem Geiste Vorschriften machen zu dürfen , so irrt er sich . Die Insel Ti liegt mitten im großen Weltenmeere . Sie wird von einem Fürsten regiert , welcher jedem seiner Untertanen eine bestimmte Lebensaufgabe stellt , die er zu lösen hat . Diese Untertanen sind Taucher , welche in die Fluten zu steigen haben , um die verschiedenen Schätze des Meeres an das Tageslicht zu heben . Zu diesem Zwecke gibt es eine unzählige Menge von Taucherrüstungen , welche menschliche Gestalt besitzen . Jede dieser Rüstungen wird von einer in ihr wohnenden , sogenannten Anima in Stand gehalten , welche mit ihr entstanden ist und mit ihr wieder untergeht . Die eine Rüstung eignet sich mehr für diese , die andere mehr für jene Arbeit . Mit der einen können edle Perlen , mit der anderen nur Schwämme , mit der dritten gar nur Algen oder gemeiner Tang der Flut entrissen werden . Jede von ihnen wird demjenigen Taucher anvertraut , für dessen Aufgabe sie geeignet ist . Die Arbeit wird überwacht , sehr streng , viel strenger , als die Taucher meinen , obgleich die Regierung eine Regierung der allergrößten Liebe ist . Aber grad weil diese Liebe Alle umfaßt und sich nicht nur auf Einzelne richtet , ist diese Strenge geboten , sobald die Liebe versagt . Zeigt sich ein Taucher seiner Rüstung nicht wert , bringt er Schwämme oder Tang anstatt der Perlen , so wird sie ihm genommen und einem Würdigeren gegeben . Bringt dieser zwar Perlen , aber mit Schmutz und Algen vermischt , so hat ein noch Besserer anzutreten . Und so kommt es , daß es wohl keine einzige Rüstung gibt , von der man sagen könnte , daß sie stets nur im Dienste eines und desselben Tauchers gestanden habe . Es kommt sogar sehr häufig vor , daß ein höherer Taucher sich die Rüstung eines niederen leiht , um ihn zu unterrichten , auf welche Weise er bessere Erfolge erzielen und dadurch zu ihm emporsteigen könne . - - - Haben Sie dieses Bild verstanden , Mylord ? « » Hm ! « brummte der Governor . » Die Insel ist natürlich die Erde ; die Meeresflut ist das Leben ; die Rüstungen sind die beseelten Menschenkörper , und die Taucher sind die unsichtbaren , geheimnisvollen Intelligenzen , welche wir als Geister bezeichnen . Ich habe jetzt keine Zeit , denn ich bin nicht allein ; aber ich werde mir diese Insel Ti merken und über sie nachdenken . « » Tun Sie das ! Aber denken Sie ja nicht so tief nach , daß Ihnen dabei die Sinne vergehen . Sie haben nämlich nebenbei auch aufzupassen ! Merken Sie zum Beispiel auf , wenn Sie im Traveller-Klub mit guten , lustigen Freunden Billard spielen ; merken Sie auf , wenn Sie am Sarge eines geliebten Verwandten stehen ; merken Sie auf , wenn Sie sich auf der Fuchsjagd befinden ; merken Sie auf , wenn Sie mit Ihrem Bankier Ihr letztes Jahreseinkommen berechnen , und merken Sie auf , wenn Ihr Freund , der Heidenpriester , seine Hand auf das Haupt Miß Marys legt , um sie zu segnen ! Und dann sagen Sie mir , ob - - - « » Ja , ja , « unterbrach ihn der Governor ; » in jedem dieser Fälle bin ich natürlich ganz , ganz anders gestimmt ! « » Gestimmt ! Allerdings ein leider sehr gebräuchliches , aber außerordentlich falsches Bild ! Uebrigens sprach ich von Taucherrüstungen , nicht aber von Klavieren . Aber ich will auf diesen Ihren Vergleich eingehen . Ihr Körper sei also das Klavier ; die Nerven seien die Saiten , und vom Gehirn aus werde es gespielt . Ich brachte Ihnen fünf verschiedene Fälle , in denen Sie sich beobachten sollen , und Sie geben zu , daß Sie jedesmal anders klingen . Sie erklären das damit , daß Sie anders gestimmt worden seien . Mein Freund , welches Klavier würde es wohl aushalten , täglich zehn- bis zwanzigmal umgestimmt zu werden ? Und Sie sind jetzt wohl sechzig Jahre alt . Das ergibt , daß Ihr Klavier in dieser Zeit wohl eine halbe Million mal umgestimmt worden ist . Welcher Körper , welche Nerven , welches Gehirn würde das wohl aushalten ! Der totalste Irr- oder gar Blödsinn müßte die baldige Folge sein ! « » Richtig ! Ganz verteufelt richtig ! « rief da der Uncle aus . » Aber das ist noch das Wenigste dabei ! « fuhr Tsi fort . » An die Hauptsache haben Sie gar nicht gedacht . Nämlich wer ist denn eigentlich das geradezu diabolisch gequälte , arme Wesen , welches dazu verdammt worden ist , die unzähligen Nerven Ihres Körpers in jedem Jahre weit über siebentausendmal umzustimmen ? Sind Sie das etwa selbst ? « » Ich danke ! Fällt mir gar nicht ein ! « » Also nicht Sie selbst ?