antwortete ich . » Ich bitte dich , Schakara , sei verschwiegen ! Ehe ich Etwas sage , muß ich Syrr vollständig kennengelernt haben , und das hat heimlich zu geschehen . Es ist vielleicht zu kühn , aber ich denke hierbei auch an das Rennen . Wenn Syrr das ist , was ich von ihm erwarte , so lache ich über jeden Gegner , den man ihm zu stellen wagt . « Hierauf begann die Wäsche . Schakara hätte wohl gern mitgeholfen , doch gab ich es nicht zu . Der Glanzrappe mußte erfahren , daß ich nicht nur sein Herr sein wollte , sondern auch gern mit eigenen Händen für ihn sorgte . Dieses Waschen war kein rücksichtsloses Begießen , Reiben und Scheuern ; es geschah genau so vorsichtig und schonend wie das vorhergehende Streicheln . Als Syrr abgetrocknet war , machte ich eine weitere Probe . Zu den Ausdrücken , welche er verstand , gehörte auch , wie der Stallknecht mir gesagt hatte , das Wörtchen » komm « ! » Ta ' al72 ! « sagte ich darum und ging vom Wasser fort . Er kam zu meiner Freude sogleich hinter mir her . Ich führte ihn nach der Weide , doch nicht geraden Weges . Um ihn zu prüfen , wich ich einige Male scharf ab , nach rechts oder links . Er machte diese Schwenkungen mit und blieb eng hinter mir , bis ich endlich stehen blieb . Zum Lohne hierfür holte ich ihm dann noch einige Aepfel und gab ihm auch selbst seine Abendgerste , worauf ich ihn mit der Ueberzeugung verlassen konnte , daß wir gute Freunde geworden seien . Als ich in den Hof trat , stand Hanneh oben auf der Halle und winkte mir , hinaufzukommen . Ich tat es gern . Halef lag nicht , sondern er saß , im Rücken gestützt von einigen Polstern . Das » Feierkleid « war vor ihm ausgebreitet . Auf seinem Gesichte glänzte die Freude und mit ihr neue Lebensfarbe . » Sihdi , mir ist ein großes , großes Heil widerfahren , « sagte er . » Dschafar Mirza , der Abgesandte des Schah-in-Schah , war bei mir , um mir dieses Geschenk der Ehrung zu überbringen . Ich weiß gar wohl , ich verdanke es nicht mir , sondern nur dem Umstande , daß ich dein Begleiter bin . Aber ich freue mich doch unendlich darüber und werde mich , so oft ich es trage , nach seinen ernsten Farben richten ! « Diese letzte Wendung kam mir nicht ganz unerwartet . Krankheiten machen eben ernst , und Genesungsfreude und Besserungsfreude sind zwei liebe Schwestern . Es war ihm anzusehen , daß dieses Geschenk ihn wieder einen bedeutenden Schritt vorwärts gebracht hatte . Hierauf ging ich zum Abendessen mit Dschafar , dem Pedehr und dem Chodj , den ich dazu geladen hatte . Dieser Mann war es wert , daß man ihn nicht bloß arbeiten sondern auch mit beraten ließ . Nach Tische nahm ich Dschafar mit hinauf zu mir . Wir saßen im Freien und erzählten . Von dem Mordanschlag auf ihn sagte ich ihm noch nichts . Die Gefahr war jetzt noch nicht da , und ich wollte ihm den Aufenthalt bei uns nicht gleich am ersten Tage mit Sorgen vergällen . Daß er wenigstens bis zum Rennen bleiben werde , verstand sich ganz von selbst . Er hatte zwar behauptet , von der Reise nicht ermüdet zu sein ; aber trotz der Lebendigkeit unserer Unterhaltung erklärte er gegen Mitternacht doch , nun schlafen gehen zu müssen . Ich begleitete ihn bis hinunter an seinen Wartturm und kehrte dann zu mir zurück , um mich auch niederzulegen . Der Mond schien hell , und ich sah von meiner hohen Plattform aus , daß die Pferde alle lagen , das eine etwas abseits von den andern ; das war Syrr . Als ich mich niederlegte , fiel mir ein , daß heut vor einer Woche , am Freitag , zum ersten Male vom » Feste der fünfzig Jahre « und von dem Rennen zu mir gesprochen worden war . Was hatte sich in dieser Woche Alles ereignet , und wie unerwartet schnell war es während dieser Zeit mit meiner Genesung vorwärts gegangen ! Wie vortrefflich war die Anstrengung des Sonntages und des hierauf folgenden Nachtgespräches überstanden worden ! Ich hatte dann allerdings volle vierundzwanzig Stunden fest geschlafen , aber wundersam war diese schnelle Erholung nach einer so langen Krankheit jedenfalls . Als ich früh aufstand , schlief Dschafar noch . Ich besuchte zunächst die Pferde . Die drei andern begrüßten mich von Weitem . Assil kam schnell heran zu mir , um sich an mir zu reiben . Syrr war zurückhaltender . Seine noch nassen Vorderbeine bewiesen mir , daß er trinken gewesen und dabei direkt in die Quelle gestiegen war . Ich holte ihm einige Aepfel , die er langsam und bedächtig verzehrte . Dann leckte er mir die Hand . War das , weil sie noch nach den Aepfeln rochen ? Oder war es Dankbarkeit , vielleicht schon Liebe ? Ich brachte ihm nun seine Morgengerste und suchte dann den Pedehr auf , um mit ihm über die Sicherheitsmaßregeln zu sprechen , welche wir in Beziehung auf Dschafar zu treffen hatten . Wir mußten umso besorgter sein , als er jetzt noch nichts erfahren sollte . Die Wächter des Duars hatten ihre Aufmerksamkeit von jetzt an zu verdoppeln , zumal die Zeit des Rennens immer näher rückte und der Fremdenzufluß nun bald beginnen würde . Dies brachte ihn auf die Wege , welche zum Duar führten , und auch auf den , auf welchem wir nach dem Sprunge über den Abgrund nach dem hohen Hause gebracht worden waren . » Bist du schon wieder dortgewesen , Effendi ? « fragte er . » Nein , « antwortete ich . » Wie weit ist es bis hin ? « » Nur eine Viertelstunde . « » Nur ? Hast