zurückgeschlagen ; der helle Teppich glänzt heraus ; mein Hündchen sitzt darauf . Im Nebenzelte bäckt man Brot . Ich sehe den dünnen Rauch , und ich rieche - - - ja , Sihdi , ich rieche , daß der Teig sich schon zu bräunen beginnt . Ich rieche es wirklich , gewiß , wahrhaftig ! Ist das nicht sonderbar ? « » Nein , gar nicht sonderbar ! Deine Seele war jetzt dort ! Wer das nicht begreift , der nennt es Phantasie . « » So war diese meine Seele jetzt nicht hier bei mir ? « » Doch ! « » Und sie soll zu gleicher Zeit auch dort im fernen Lager der Haddedihn gewesen sein ? Das begreife ich nicht ! « » Ich will es dir erklären . Schau durch den mittlern Bogen , zum See und bis zum letzten Hause des Duar . Was siehst du dort ? « » Ein Mann steigt von dem Hause hinunter nach dem Wasser . « » Steig mit ihm hinab ! « » Ich thue es . Jetzt ist er unten . Er wirft das Obergewand ab , um sich zu waschen . « » Wo bist du jetzt , Hanneh ? « » Hier . « » Warst du nicht soeben auch dort bei diesem Mann ? « » Ja , das war ich , doch aber mit dem Körper nicht . Es war mein Blick . « » Nur dein Blick ? Hast du nicht zu ganz derselben Zeit gesehen und zugleich gedacht ? « » Allerdings ! « » Wer war es , der sah ? Wer war es , der dachte ? Wo wurde gesehen ? Hier oder am See ? Wo wurde gedacht ? Dort oder in dieser Halle ? Wer ging mit dem Manne hinab ? Wer zählte vielleicht sogar die Schritte und die Stufen ? Wer fühlte es leise mit , wenn sein Fuß sie berührte ? « » Ich ! « » Aber du dachtest doch soeben , daß du nur hier , nicht aber dort gewesen seist ! « » Maschallah ! Ich war auch dort , wirklich dort ! Wenn ich die Augen offen habe , kann meine Seele nur so weit gehen , wie mein Blick reicht . Aber wenn ich sie schließe , so ist sie frei und kann so weit gehen , wie es ihr beliebt . Wie ist das zu erklären ? « » Denke selbst darüber nach ! Es giebt Dinge , über welche man nur mit sich selbst fertig zu werden hat . Ich kann dir ebensowenig helfen , sie zu begreifen , wie ich dir behilflich sein kann , daß sich dein Körper aus den Speisen bilde , welche du genießest . So gebe ich dir Nahrung für den Geist und für die Seele ; verdauen aber kannst du sie nur selbst . Du bist eine einsichtsvolle , kluge , wißbegierige Frau , meine gute Hanneh . Mit einer andern würden ich niemals über diesen schwierigen Gegenstand sprechen . Und es giebt auch noch einen andern , viel , viel triftigeren Grund , daß ich es thue . « » Welcher ist das , Effendi ? « » Errätst du ihn nicht ? « » Nein . « » Das wundert mich . « » Sage ihn nur ! « » Denke an das , worüber du mich zuletzt fragtest , ehe ich mit deinem Hadschi Halef Omar diese Reise antrat ! « » Erlaube , daß ich mich besinne ! « Sie dachte nach . Dann blickte sie schnell und überrascht zu mir her und sagte : » Jetzt weiß ich es ! Ich war betrübt über die angebliche Seelenlosigkeit der Frauen und wendete mich mit der Bitte um Auskunft an dich . Ist es das ? « » Ja . « » Halef war trotz seiner Liebe zu mir stets überzeugt , daß die Frauen keine Seelen haben und also auf die Himmel Allahs verzichten müssen . Das betrübte mich . Du aber gabst mir Trost . Ich werde dir das nie vergessen ! « » Damals gab ich dir Trost . Was aber heut ? « » Mehr , viel mehr , nämlich Ueberzeugung ! « » Sogar den Beweis ! « » Ich sagte damals , daß du mir die Seele gegeben habest . Jetzt aber hast du noch mehr gethan : du hast sie mir gezeigt . Ich weiß jetzt , daß sie da ist , in mir oder außer mir , vielleicht auch beides . Sie kann mit meinen Augen sehen ; sie kann auch sehen ohne sie . Ich bin diese meine Seele , aber ich bin sie doch nicht ganz . Und hinwiederum ist diese meine Seele Hanneh , aber sie ist es auch nicht ganz . Sie ist etwas , was ich bin , und sie ist noch etwas , was ich nicht bin . Was und wo ist das aber , was sie ohne mich ist ? Du siehst mich so verwundert an , Effendi . Warum ? « » Wegen dieser deiner Gedanken . « » Sind sie falsch ? « » Oh nein ! Aber ich habe solche Worte noch nie aus dem Munde einer Frau gehört ? « » Weil euern Frauen nicht gesagt wird , daß sie keine Seelen haben . Sie sind also nicht gezwungen , sich zu grämen und über diesen angeblichen Mangel nachzudenken . Mich aber hat die Trauer darüber , daß mir die Seele abgesprochen wurde , veranlaßt , über sie nachzudenken . Und auch dann noch , als du mich getröstet und beruhigt hattest , habe ich in jeder ungestörten Stunde und gar manche ganze Nacht hindurch in mir gesucht , ob sie sich wohl offenbaren werde . Es geschah aber nicht . Dann kam ich hierher . Mein armer , kranker Halef liegt vor mir , bald wach und bald wieder ohne Bewußtsein . Ich beobachte ihn . Ich suche