einzigs Wörtl ! « Dem Alten kollerten zwei Zähren über die bleichen Backen . » Die ganzen Tag her such ich schon allweil . Is a harter Weg gwesen , da auffi . Aber a Vater ! Was tut a Vater net alles ? « Graf Egge bewegte die Schultern unter der Joppe . » Ich werde nicht klug aus deinem Gerede . Dir ist im Gebirg ' ein Bub verunglückt ? « » Verunglück ? « Der Bauer starrte zu Boden . » Wenn der gnädig Herr Graf belieben , sagen wir halt , verunglückt . Und so viel druckt ' s mich , daß er kei christliche Ruhstatt net haben soll . « » Du tust mir leid , Alter ! Aber ich begreife nicht , warum du zu mir kommst ? « » Nur a Wörtl ! Belieben , gnädiger Herr Graf , bloß an einzigs ! Von die Brävern is er keiner gwesen . Vielleicht bin ich selber schuld dran . Ich , der Vater ! Weil ich ' s ihm net wehren hab können , wann er in der Nacht davongschlichen is , mit ' m Büxl unter der Joppen . Aber so viel Straf hat er net verdient , daß ihn kein christlicher Gruß und kein Vaterunser nimmer findt ! « Die Stimme des Alten erstickte . » Drum tät ich halt recht schön bitten - nur an einzigs Wörtl , belieben , gnädiger Herr Graf - daß ich mein Buben find . « Graf Egge begann ungeduldig zu werden , bekämpfte aber noch immer seine wachsende Erregung . » Ich will nicht hart sein gegen dich . Aber du redest mir da einen Verdacht ins Gesicht , den ich mir verbitten muß . Sei vernünftig , Alter , und geh deiner Wege ! Ich weiß nichts von deinem Buben . « Der Bauer griff mit seiner Zitterhand nach Graf Egges Joppe . » Er ist mein Einziger gwesen - belieben , gnädiger Herr Graf ! « » Laß deine Hände von mir ! « Da klangen Schritte auf dem nahen Steig . Graf Egge sah den Zauner-Wastl auf die Hütte zukommen und fand in diesem unerwarteten Besuch eine willkommene Ausrede . » Ich will meine Leute beauftragen , daß sie Nachfrag ' halten . Jetzt muß ich dich fortschicken . Da kommt einer , mit dem ich wichtige Dinge zu besprechen habe ! « Er wandte sich von dem Alten ab , der noch immer die Hand streckte , einen flehentlichen Blick in den heißen Augen . » Grüß ' dich Gott , Wastl ! « rief Graf Egge ein bißchen unsicher . » Gut , daß du endlich kommst ! Nur gleich herein in die Stube ! « Da sah er den Ausdruck ratloser Angst in Meister Zauners Gesicht ; er stutzte , und eine Frage schien ihm auf der Zunge zu liegen , aber mit unbehaglichem Blick streifte er den alten Bauer , schüttelte den Kopf und trat in die Hütte . Auf dem Herd der Küchenstube , neben dem flackernden Feuer , saß Patscheider , regungslos , die Fäuste auf den Knien . Er hörte den Grafen in die Stube treten und hörte einen anderen kommen , der an der Hüttenschwelle den Kot von seinen Schuhen stieß . Dann klang aus der Herrenstube die laute Stimme des Grafen und ein Gestammel des anderen . Graf Egges Stimme dämpfte sich , verstummte , und nur noch ein Gemurmel des anderen war zu vernehmen . In der Stube schienen Dinge verhandelt zu werden , die jedes fremde Ohr zu scheuen hatten . Patscheider war ohne Neugier ; er lauschte wohl - nicht gegen die Herrenstube , sondern gegen die Tür , die ins Freie führte . Da draußen war manchmal ein müder Seufzer zu hören , ein leises Ächzen der Bank . Jetzt klang aus der Herrenstube ein röchelnder Schrei , das Gepolter eines fallenden Sessels und ein dumpfer Schlag , als wäre ein Mensch zu Boden gefallen . Erschrocken sprang der Jäger auf die Tür zu . Er hatte sie noch nicht erreicht , als sie von innen aufgerissen wurde und Graf Egge mit verzerrtem Gesicht und verstörten Augen über die Schwelle taumelte ; wie ein Erstickender atmend , streckte er die Arme nach freier Luft ; doch beim ersten Schritt , den er über die Hüttenschwelle tat , stand er wie gelähmt und stierte den Bauer an , der sich zitternd von der Hausbank erhob . » An einzigs Wörtl - belieben , gnädiger Herr Graf ! Schauen S ' mich an , wie ich dasteh - a Vater , der sein ' Buben sucht ! « Graf Egge machte mit der Hand eine sinnlose Bewegung . Tief gebeugt , wie unter drückender Last , wankte er in die Hütte zurück . » Herr Graf ! « stotterte Patscheider . » Um Gotts willen , was haben S ' denn ? « Ohne zu antworten , trat Graf Egge in die Stube und drückte hinter sich die Tür zu . Im Ofenwinkel stand der Zauner-Wastl , kreidebleich . Er wagte sich nicht zu rühren , als Graf Egge auf die Holzbank fiel , die Arme über den Tisch warf und das Gesicht vergrub . Einmal rückte Meister Zauner kaum merklich von der Stelle , und dabei streifte sein Ellbogen die Ofenkante . Graf Egge fuhr auf ; seine trockenen Augen waren rot gerändert , wie von einer Entzündung ; er maß den stummen Gast hinter dem Ofen , und an seinen Schläfen schwollen die Adern ; dann griff er an seine Stirn , als müßte er sich auf irgend etwas besinnen , und erhob sich mühsam ; nach Atem ringend , riß er den Hemdkragen auf und machte einen Gang durch die Stube . Vor dem Zauner blieb er stehen und sagte mit zerdrückter Stimme : » Es war gut so , wie du es gemacht hast . Dich trifft keine Schuld . Du bist ein treuer Kerl und hängst