, ihn zu fördern , will ich nicht entscheiden . Daß aber die Zellen unseres Ordens nach dem Statut unseres erhabenen Begründers , des heiligen Dominikus de Guzman , nicht dazu bestimmt sind , daß wir darin junge Juden zu Schauspielern ausbilden , dies weiß ich ganz genau . Aber andererseits kenne ich Sie und weiß , Sie können nichts Unedles gewollt haben . Durch das Vergangene also ziehen wir einen dicken Strich , aber die Fortdauer des Unterrichts muß ich verbieten . Das braucht ja Sie und ihn nicht gar so sehr zu kränken , da er ohnehin in vierzehn Tagen fort will . Damit ich ihn aber unter allen Umständen los werde , so will ich mir in den nächsten Tagen den Wolczynski und den Strus ins Gebet nehmen . Sie sind ja beide meine Beichtkinder , und namentlich der Strus , der Heuchler , schmilzt , wenn man ihm die Hölle heiß macht . Ich hoffe , die alte Jüdin behält die Pachtung . « Er kratzte sich an der Tonsur . » Ach ja , um was alles sich ein Prior kümmern muß .... Und noch eins ! Sie haben ja diesen Sender so lange unterrichtet , da werden Sie auch Abschied von ihm nehmen wollen ? Nun , zum Abschiednehmen darf er noch zu Ihnen kommen , meinetwegen jeden Tag , wo er noch hier bleibt .... So - dies ist meine Entscheidung . Verzeihen Sie , ich bin ein dummer Mönch ... « Der Greis faßte seine Hand und drückte sie . » O « , rief er . » Sie sind der Weiseste der Menschen ! « » Schmeicheln Sie mir nicht ! « brauste der Prior auf . » Sonst glaube ich , unrecht getan zu haben , und ich habe mich doch streng ans Statut gehalten - nicht wahr ? « Siebenundzwanzigstes Kapitel So trat von all den Schrecknissen , die Fedko vorausgesehen , nur eines ein : mit dem Slibowitz des Ökonomen war es wirklich zu Ende . Im übrigen verzieh ihm der Prior , und Sender entschädigte ihn reichlich . Dem jungen Manne war ' s , seit er die Entscheidung des Priors erfahren , als wären ihm Flügel gewachsen , und die Welt erschien ihm von ewigem Sonnenglanz überflutet . Nun war er endlich frei , frei - am einunddreißigsten Januar bekam die Mutter die Pacht wieder zugesprochen , am folgenden Tage wollte er nach Lemberg aufbrechen . Freilich bangte es ihm ein wenig vor der großen Stadt , den wildfremden Menschen , indes - das mußte eben überwunden werden . Aber ein gütiges Schicksal schien ihn auch dieser Sorge überheben zu wollen . Wenige Tage nach jener Überraschung durch den Prior überreichte ihm Fedko einen Brief . Er trug den Poststempel Hermannstadt in Siebenbürgen und Nadlers Handschrift auf der Adresse . Vor Aufregung zitternd las Sender die Zeilen . Der Direktor schrieb , er habe zwar seit jenem Dankbrief , der ihn sehr erfreut , obwohl da noch der Briefsteller etwas zu ausgiebig benützt gewesen , nichts von Sender gehört , hoffe aber , daß ihn dies Schreiben gesund und seinem Vorsatz getreu finde . Auch habe er hoffentlich die Bücher fleißig studiert . » Da ich im vorigen Jahr in Czernowitz gute Geschäfte gemacht habe - nur hatte ich da viel Verdruß , weil mir einige , gottlob untergeordnete Mitglieder , unter Führung meines zweiten Komikers Stickler , durchbrannten , um sich , wie ich höre , in Galizien herumzutreiben - , so gedenke ich auch dieses Jahr am 1. März dort einzutreffen . Willst Du kommen , so erwarte ich Dich also zu diesem Termin und möchte Dir raten , Dich , falls Du überhaupt noch Schauspieler werden willst , nun durch keine äußeren Hindernisse abhalten zu lassen . Denn da Du nun bald zweiundzwanzig Jahre alt bist , so ist ' s die höchste Zeit . « Unumwunden - schrieb er ferner und auf die Gefahr hin , in Senders Augen an Autorität einzubüßen - wolle er gestehen , daß ihm Zweifel gekommen , ob sein erster Rat , noch zwei Jahre in Barnow zu verbringen , ein guter gewesen . » Es sprach ja vieles dafür , aber ich bereue es doch , Du wärest , wenn ich Dich damals gleich mitgenommen hätte , wahrscheinlich viel weiter . Denn fast alle Kollegen , denen ich von Dir erzählt habe , waren dieser Meinung , darunter namentlich Dein großer Landsmann Bogumil Dawison , den ich in diesem Sommer in Dresden gesprochen habe . Meine Erzählung Deiner Schicksale hat ihn auf das lebhafteste interessiert und an seine eigene Jugendzeit erinnert . Hoffentlich triffst Du einmal , wenn auch Du ein tüchtiger Schauspieler geworden bist , mit ihm zusammen und Ihr könnt dann beide von Euch sagen , daß Euch die frühen Kämpfe und Entbehrungen nicht gebrochen , sondern gestählt haben . Dawison also war es vornehmlich , der mir sagte : Sie kennen das polnische Ghetto nicht , wohl aber ich . Sie hätten den armen Jungen sofort befreien müssen . Auch wird man nur durch Spielen ein Schauspieler , nur auf der Bühne und nicht aus Büchern . Hätte Ihr Schützling , wenn er ein Talent ist - und das bist Du , Sender - auf der letzten Schmiere zwei Jahre lang Bediente gespielt , so würde ihm das mehr genützt haben , als wenn er inzwischen eine ganze Bibliothek durchstudiert hat . Wie gesagt , lieber Sender , ich wollte Dir dies nicht verschwiegen haben , obwohl es gegen mich spricht , weil ich Dich nun wenigstens vor längerem Zögern bewahren möchte . « Der Brief schloß mit dem Rat , Wäsche , aber so wenig Kleider wie möglich mitzunehmen . » Denn Deinen Kaftan wirst Du bei mir nicht tragen . Was Geld betrifft , hast Du keins , so mach ' Dir nichts draus . Also auf Wiedersehen am 1. März . « Sender las und las immer wieder . »