ihrer Triumphe feierte , soll wiederholt werden . Du fehltest damals ; sei heute da . Dein T. « Lewin legte das Blatt aus der Hand , das ihn verstimmt hatte . Während der Fahrt war er geschäftig gewesen , sich diesen ersten Abend als ein häusliches Idyll auszumalen , alles hell und licht , in dem Frau Hulens weiße Haube , die weiße Teekanne und viele quadratisch gefaltete weiße Blätter ( von denen er jedes zu beschreiben hoffte ) die seinem Auge sich einschmeichelndsten Punkte waren , und nun zerrann dieser Traum in demselben Augenblicke , in dem er ihn zu verwirklichen dachte . Er hatte weder Lust zu tanzen noch tanzen zu sehen , am wenigsten Kathinka , deren Mazurkapartner , wie er sich aus begeisterten Schilderungen der Freunde sehr wohl entsann , Graf Bninski gewesen war . Und doch war die Einladung nicht zu umgehen . Er hatte noch zwei Stunden , und müde von der Fahrt , überwand er mit Hilfe seiner Ermattung seine Mißstimmung , drückte sich in das seegrasharte Sofakissen und schlief ein . Als er erwachte , war alles dunkel im Zimmer , die kurzen Lichter niedergebrannt . Er wickelte sich aus einer Decke heraus , mit der ihn Frau Hulen , während er schlief , zugedeckt hatte ; aber es kostete ihn Mühe , sich zurechtzufinden . Wo war er ? Er tappte sich auf das Fenster zu und sah auf die Straße hinunter . Da waren die Laternen , die in trübem Lichte brannten ; drüben der Schatten mit den zwei kleinen Türmen , das war die Klosterkirche . Was war es doch damit ? Wer hatte doch davon erzählt ? Richtig , die Hulen . Da war ja die Girlande ; und Johanna Susemihl und das Würmchen ; und er fühlte nun , daß eine stickige Luft in dem Zimmer war und daß der betäubende Geruch des Efeus und der Lichterblak ihm einen dumpfen Kopfschmerz zugezogen hatten . Was tun ? Er öffnete den Fensterflügel , an dessen einem Riegel er sich mechanisch gehalten hatte , und atmete erst wieder freier , als die kalte Nachtluft in sein Zimmer zog . Dann klopfte er , und Frau Hulen kam . » Wie spät ist es ? « » Acht Uhr . « » Ei , da hab ich mich verschlafen . Und dies Kopfweh . Ein Glas Wasser , Frau Hulen , und Licht . Ich muß mich eilen . « Die Alte lief hin und her ; die Kommodenkästen flogen auf und zu , und eine Stunde später stieg Lewin die breite Steintreppe hinauf , die an Nischen mit drei , vier Perücken-Kurfürsten vorüber in das erste Stock des Ladalinskischen Hauses führte . Er warf den Mantel ab , hörte , während er in dem Garderobezimmer seine Toilette ordnete , den gedämpften Strich der Geigen und schritt dann über den mit Orangerie besetzten Vorflur in das offenstehende Entree , das , zwischen den beiden großen Gesellschaftssälen gelegen , gerade die Mitte der ganzen Zimmerflucht bildete . Es war im übrigen ein Entree wie andere mehr , schmucklos , mit einem einzigen hohen , zugleich als Balkontür dienenden Fenster , und zeichnete sich durch nichts aus als durch sein Deckenbild : Venus bei dem Untergange Trojas ohnmächtig in die Arme des Zeus sinkend . Es war das beste der alten Plafondgemälde und zugleich das wohlerhaltenste . Unser Freund , wenig heimisch in der Welt der bildenden Künste , würde zu keiner Zeit ein begeistertes Auge für die Linien dieser Komposition gehabt haben , am wenigsten hatte er es heute , wo Kopfweh , Mißstimmung und ein gerade an dieser Stelle stattfindendes Gedränge ohnehin an einer eingehenden Beobachtung hinderten . Nach links hin lag der Tanzsaal . Lewin sah hinein und bemerkte , daß zwölf oder vierzehn Paare zu einer Anglaise angetreten waren ; aber Kathinka fehlte . Wo war sie ? Und bei dieser Frage stürmten Bilder und Gedanken auf ihn ein , die dem Versuche , sie als töricht zu verbannen , nur zögernd und widerstrebend nachgaben . Er ließ nun sein Auge die Sitzreihen niedergleiten , auf der an der Längswand des Saales hin die älteren Damen Platz genommen hatten ; aber auch hier vergebens . In der Mitte dieser Reihe saß die alte Gräfin Reale , Oberhofmeisterin der Prinzessin Ferdinand , eine Dame von Siebzig oder darüber , mit einer gebogenen und doch spitz auslaufenden Nase . Alles an ihr war grau : die Robe , der Shawl , das hochaufgetürmte Haar , und sie glich einem bösen Kakadu , besonders als sie jetzt ein schwarzes Lorgnon mit zwei großen Kristallgläsern aufsetzte und Lewin , dessen hastiges Suchen ihr aufgefallen sein mochte , verwundert und beinahe strafend ansah . Dieser schlug die Augen nieder und richtete sie ziemlich verwirrt auf die Nachbarin der alten Gräfin . Dies war ein Fräulein von Bischofswerder , Tochter des ehemaligen Ministers und Dame d ' atour der Königinwitwe . Sie trug das wenige blonde Haar , das sie hatte , in zwei Locken gelegt , die jetzt aber von der Hitze des Saales ihre ohnehin spärliche Federkraft verloren hatten und in dünner , ungebührlicher Länge bis an den Gürtel hinunterhingen . Überhaupt war alles lang an ihr , der Hals und die dänischen Handschuhe , die bis zum Ellbogen hinaufreichten , und inmitten all seiner Mißstimmung überkam ihn ein Lächeln . » Mamsell Laacke ! « sagte er vor sich hin . Er gab endlich alles weitere Suchen und Forschen auf und schritt in den nach rechts hin gelegenen Saal hinüber , in dem Erfrischungen gereicht und in dicht umherstehenden Gruppen die Neuigkeiten des Tages ausgetauscht wurden . Es waren meist ältere Herren : Adjutanten und Kammerherren der verschiedenen prinzlichen , damals sehr zahlreichen Hofstaaten , Gesandte kleinerer Höfe , Exzellenzen aus dem Auswärtigen Departement und Abteilungschefs des Oberfinanzdirektoriums wie der Kriegs- und Domänenkammer . Einige davon spezielle Freunde des Hauses , so der Intendant der königlichen Schlösser und Gärten ,