, der Greis und der Jüngling , ihr die Hand reichten , um sie in die Chöre der Bräute Christi einzuführen . Ihrer Ängste und Versuchungen achtete sie seit jenem Gespräch mit Levin nicht mehr , als der Wandersmann , der einen hohen Berg ersteigen will , der Nebel achtet , die sich zuweilen um ihn zusammenziehen ; er schreitet rüstig weiter . Wer » dem Lamme folgen will , wohin immer es geht , « muß die Siegespalme tragen , sprach sie bei sich selbst ; und sie hatte Uriel mit der klaren Stille empfangen , die ihm deutlicher als tausend Worte sagte : Solo Dios basta . Das heilige Opfer war dargebracht und der fromme Gebrauch vorüber , nach welchem sich die Andächtigen den Segen des Priesters , der seine Primiz gefeiert hat , geben lassen . Sie knien vor ihm nieder und er spricht , indem er ihnen die Hände auf das Haupt legt : » Durch die Auflegung meiner Hände segne dich der Vater und der Sohn und der heilige Geist ; « und macht das Kreuzzeichen über sie . Frommer und lieblicher , aus tiefer Andacht zum heiligsten Fronleichnam entspringender Gebrauch ! wie sollen die Hände nicht segensreich sein , die zum erstenmal so glücklich waren , daß sich unter ihrer Segnung die gnadenvolle Wandlung vollzog ! Graf Damian , der sich noch nie um eine Primiz bekümmert hatte , weit weniger je dabei anwesend war , kannte den Gebrauch nicht und wußte nicht , was geschehen solle , als seine Töchter , die Baronin und die übrigen Damen zum Altare vorgingen und dort niederknieten . Als er es aber gewahr wurde und die schlichten Worte hörte - und Hyazinth so demütig in seiner priesterlichen Würde - und die knienden Frauen so würdig in ihrer demütigen Unterwerfung sah : so ging ihm der Anblick dermaßen zu Herzen , daß er ebenfalls aufstand und vor Hyazinth niederkniete , vor dem Jüngling , den er sonst gar nicht anders , als mit einem gewissen Gefühl von Mitleid und Protektion zu betrachten pflegte . Orest tat dasselbe - keineswegs aus Andacht oder Ehrfurcht , sondern weil er glaubte , das gehöre mit zu einer Primiz . Uriel verließ nicht seinen Platz ; er war zu einem starren Abschluß mit Herz und Leben , nicht zu frommer Ergebung in den Willen Gottes gelangt ; deshalb ging er auf keine Äußerung froher und gerührter Andacht ein . Er hielt sich knapp auf der Grenze des Schicklichen . Allein Hyazinth schien zu ahnen , was in seinem geliebten Bruder vorgehe , und er ging zu Uriel , legte ihm die Hände auf und sprach den Segen über ihn . Am Abend ließ der Graf den Garten illuminieren und auf der unteren Terrasse ein prächtiges Feuerwerk abbrennen , welches Raketten und Leuchtkugeln wie fliegende Sterne zum Himmel hinaufschickte und in dem stillen Main das Rosen- und Silberlicht des bengalischen Feuers abspiegelte . Tausende von Menschen waren zusammengeströmt , um in Nachen oder von den Ufern aus an dem prächtigen Schauspiel sich zu ergötzen . Die Meisten dachten gar nichts dabei ; sie gafften nur . Einige freuten sich aufrichtig , daß einer der Windecker Grafen geistlich geworden sei und daß all ' der Jubel zu Ehren seiner Primiz stattfinde ; und andere fanden es unbegreiflich , daß man für eine Primiz solche Freudenbezeugungen verschwende , da sie ja den jungen Mann zu einem beklagenswerten Leben und zu einer beständigen Heuchelei verdamme . Ja , wenn ' s eine Hochzeitsfeier gewesen wäre - daran könnte man teilnehmen ! aber eine Primiz ! ! - Regina sagte zu Hyazinth : » Da Deinetwegen heute auf Erden schon solch Frohlocken ist , wie mag dann erst der Himmel jubilieren ! « » O Regina ! « rief Hyazinth sehr bewegt , » nach ein paar Tagen oder Jahren kommt ein Stündlein , da ist alles ganz still auf Erden , denn ich liege auf dem Sterbebett und alle Freudenfeuer sind erloschen und es brennt nur meine Sterbekerze , die Brautfackel für ' s ewige Leben . Bitte für mich , daß alsdann im Himmel ein Jubilieren sei . « Corona sagte , als man auseinander ging : » Ach , wie schade , daß solche Tage ein Ende haben und daß man zuletzt äußerst prosaisch schlafen geht . « » Ich meinesteils , « rief Orest , » fühle mich von der vierundzwanzigstündigen Rührung dermaßen erschöpft , daß mir jene Prosa höchst willkommen ist . « Als nach einigen Tagen die gewohnte Ruhe und Ordnung wieder eingetreten war , begab sich Uriel zum Grafen und bat ihn , den Onkel Levin rufen zu lassen , da er ihnen beiden etwas mitzuteilen habe . Uriel war in dieser Zeit so ernst und abgeschlossen gewesen , daß der Graf ganz betroffen sagte : » Onkel Levin ? ja , sehr gern ! aber Du wirst doch kein wunderlicher Kauz sein und uns ankündigen , Du wollest geistlich oder Ordensmann oder dergleichen werden . « » Sei ruhig , lieber Onkel , so hochfliegende Ideen hab ' ich nicht , « entgegnete Uriel mit Bitterkeit . » Ich müßte sie mir auch recht sehr verbitten und Onkel Levin würde gleichfalls keine Freude daran haben . Nun komm ' zu ihm ! « sagte der Graf und nahm vergnügt Uriel unter den Arm , denn er zweifelte nicht , daß es jetzt ein Brautpaar geben werde . » Uriel will uns eine gute Nachricht bringen , lieber Onkel ! « rief er , bei Levin eintretend . Levin warf einen fragenden Blick auf Uriel und sagte liebreich : » Möge sie zur Ehre Gottes gereichen . « Uriel nahm das Wort und sagte zum Grafen : » Im vorigen Spätjahr machtest Du mir auf Stamberg einen Vorschlag , den ich in Erwägung zu ziehen versprach . Er betraf meine Verehelichung mit Corona , welche zur Erbtochter eingesetzt werden , während Regina die Freiheit erhalten sollte , ins Kloster zu