, Orestes , ist der Träger des Fluches . Er wird von den züngelnden Furien gepeitscht , die nur in der Nähe des Heiligthums , wo der reine Gedanke , der Geist des Gottes herrscht , vor dem Zerrissenen weichen . Er ist geflohen von der Blutstätte , von den heimatlichen Gestaden , wo jeder Stein an die Geschichte seiner Ahnen mahnt , über Meere und Berge . Aber wie der Psalmist sagt : und nähme er Flügel der Morgenröthe , und flöge aus äußerste Meer , die Erinnyen folgen ihm . Da tritt Iphigenia auf , die , zum Opfer bestimmt , die Göttin schon früh mit gnädiger Hand aus dem Gräuelhause forttrug und zur Priesterin sich weihte . Sie ist das außerordentliche Weib , das den Fluch ihrer Geburt überwunden hat . Selbst längst entsühnt , ist sie bestimmt als versöhnende Priesterin zu walten . Schon hat die Macht der reinen , edlen Weiblichkeit sogar die Sitte der Barbaren gemildert und Thoas muß von ihr sagen : - es fehlt , seitdem du bei uns wohnst , Und eines frommen Gastes Recht genießest , An Segen nicht , der uns von oben kommt . Aber diesen Segen soll sie auch dem verlornen Bruder mittheilen . Der Athem ihrer reinen Brust soll den Wahnsinn auf seiner glühenden Stirne kühlen , die wüsten Bilder aus seiner zerrissenen Brust vertreiben . Er bekennt ihr den ganzen , vollen , entsetzlichen Fluch , der auf ihm lastet , er stürzt vor ihr nieder , als er sie erkennt - « Walter musste inne halten . Adelheid hatte plötzlich die Hand zurückgezogen und hielt sich die Brust . Dann fuhr sie sich über die Stirn . » Ist Ihnen wieder unwohl ? « » Nichts , lieber Walter . - Fahren Sie nur fort , Sie erzählen so schön . « » Es ist doch wohl besser , wir setzen heut noch die Stunde aus . « » Nein , um Gottes Willen nein , heute muß es sein . Nichts bis Morgen wieder verschoben . Ich werde gewiß Muth bekommen . Es war nur die Vorstellung der Furien - ich möchte das Stück nie auf dem Theater sehen , so schön es ist . « » Aber Orest wird ja geheilt . « » Wer seine Mutter todt schlug ! « » Lesen Sie liebe Adelheid , irgend eine heitere Rede der Iphigenia . Sie kann wie Balsam wirken . « Adelheid las , was sie zufällig aufschlug : » Das ist ' s , warum mein blutend Herz nicht heilt . In erster Jugend , da sich kaum die Seele An Vater , Mutter und Geschwister band ; Die neuen Schösslinge , gesellt und lieblich , Vom Fuß der alten Stämme himmelwärts Zu dringen strebten ; leider fasste da Ein fremder Fluch mich an und trennte mich Von den Geliebten . - Selbst gerettet , war Ich nur ein Schatten mir , und frische Lust Des Lebens blüht in mir nicht wieder auf . « Er nahm das Buch und schlug eine andre Stelle auf . Er suchte nicht viel , die Situation war ihm peinlich , er nahm die erste beste dithyrambische und sie las den Anfang des vierten Aktes : » Denken die Himmlischen , Einem der Erdgebornen Viele Verirrungen zu , Und bereiten sie ihm Von der Freude zu Schmerzen Und den Schmerzen zur Freude Tief erschütternden Uebergang : Dann erziehen sie ihm In der Nähe der Stadt , Oder am fernen Gestade , Daß in Stunden der Noth Auch die Hülfe bereit sei , Einen ruhigen Freund . « Sie hatte das Buch fallen lassen , sie war aufgestanden . An der Tischecke schwankte sie , sie wandte sich ab , dann rasch auf Walter zueilend , ergriff sie seine Hand : » Ich habe den Freund gefunden . Walter , Sie haben mich lieb ? « Er umfasste , aufspringend , ihre Hand , er bog den Kopf zurück , er starrte sie wie eine Erscheinung an : » Ist ' s Traum oder Wahrheit ? « » Walter , Walter , sprechen Sie , sonst wird ' s ein Traum , und mein Muth verlässt mich . « Er presste die Hand heftig an seine Brust : » Ja - um Gottes Willen . Adelheid , Du - « Er erdrückte den tiefen Seufzer , den er zu hören glaubte , indem er sie an die Brust schloß . Ihr Herz schlug an seinem , sie weinte an seinem Halse , aber still , nicht wie die Leidenschaft , nicht wie die Seligkeit der Liebe weint . Er sank auf den Stuhl zurück , er hielt ihre Hände gefasst . So beschaute er sie . » Es ist des Glücks zu viel , zu viel auf einmal . Laß mich Dir ins Gesicht sehen , ob es nicht doch nur ein Traum ist ? « » Jetzt nicht , es könnte aussehen wie Lüge , « sagte sie , » nicht bis ich alles gesagt . Das Schwerste ist heraus , - - Sie müssten ja roth werden über mich , wenn - wenn nicht alles so gekommen wäre , wie es ist . « » Wie es ist ! « wiederholte er . » Du sahst in mein Herz . Du erbarmtest Dich meiner , um mich nicht länger in Hangen und Bangen zu lassen . « Sie schüttelte den Kopf : » Nein , Walter . Sie müssen sich nicht anklagen , um mich zu entschuldigen . Sie waren nicht in Hangen und Bangen , Sie sind ein Mann . « » Nun fort das kalte Sie , « rief er . » Ich nehme Besitz von meier Eroberung . « » Du wusstest recht gut , daß wenn Du mich fragtest , ich nicht nein sagen könne . Und , weiß Gott , nicht um Dir das Herz zu erleichtern , habe ich gesprochen . « Er wollte sie noch einmal an