, Du könntest wieder wach werden . « Herr Gottfried schnappte nach Luft . » Wie ein tiefer Brunnen bist Du , in dem ein klarer Quell zu Tage strebte , und die Sonne und die Sterne spiegelten sich drein , aber die Wände waren nicht fest gezimmert und gemauert , und mit jedem Jahre fiel mehr Sand und Erde hinab , bis der Quell verschüttet ist . In dem Brunnen spiegeln sich nicht mehr die Gestirne und der Zieheimer schöpft kein Wasser mehr . Aber der pflichtgetreue Brunnenwärter läßt doch den Eimer hinab und schöpft , bis er den Lebenstrank findet . So will ich schöpfen , Ohm , in Deiner Brust . « Herr Götz rief alle guten Geister und seinen Schutzpatron an ; das gläserne Auge des Kranken schien wirklich ihm durch Brust , Magen und Bauch zu dringen . » Du hältst Dich für einen Lebendigen und bist doch ein Gestorbener . Du athmest , aber Dein Athem ist der Hauch der Stockung und die Stockung ist der Tod . O betrachte Deinen Leib , wie er groß ist , wie riesenhaft die Glieder , und wo findest Du die Seele ; die ist verschwunden wie das Körnlein Salz , das man in einen Kessel mit Brei wirft . Daß Du ohne Sünde wärst , möchtest Du Dich rühmen , aber thue es nicht , denn die Sünde ist besser als das Nichtsein . Du hast nicht Witwen und Waisen beraubt , nicht Gott gelästert und seine Heiligen , kein falsch Zeugniß abgelegt und nicht auf der Straße gelegen . O hättest Du ' s gethan , es wäre Dir besser , als daß Du nichts thatest , dann konntest Du ' s büßen , und je ärger die Sünde , so größer die Gnade . Dann führe vielleicht sein Blitzstrahl zündend in Deine Eingeweide , und aus der Zerschmetterung erhöbest Du Dich als ein Heiliger . « Herr Gottfried ein Heiliger ! Immerhin , er hätte versprochen zu sein , was die Erscheinung von ihm verlangte , wenn er nur aus den Händen des Fieberkranken erlöst war . » Oheim , Oheim ! aber auch die Sünde floh Dich . Wie die Flamme am Steine fand sie ja nichts Lebendiges an Dir . Ach , hineingelebt hast Du in den Tag , bis die Sonne umsonst Dir aufging , die Vögel umsonst Dir zwitscherten , die Glocken umsonst tönten ; der Donner Gottes rollte über Deinem Haupte und fand Dich schlafend . Richte Dich auf , schau Dich an und frage Dich : Was bist Du ? Ein Klumpen Erde , gehüllt in menschliche Form . Du fühlst den Schmerz ; auch der Wurm krümmt sich . Du lächelst ; auch mein Hund springt mich an . Aber wo ist sie geblieben , Deine unsterbliche Seele ? Du issest , Du trinkst , Du sprichst , Du schlägst um Dich , Du wehrst Dich Deiner Haut , aber die Seele schläft dabei . Unglückseliger , wie lang ist Dein Lebensfaden schon , und wo sind die Gedanken , an die Du Dich halten kannst , wenn der Leib in Staub zerfällt ? Greife sie doch wie ich , die Flämmchen in der nächtlichen Wüste . Drei , vier schon griff ich . Ach , welche unermeßliche Wüste hinter Dir , und ich sah auch kein einzig Flämmchen . Wenn Dich der Posaunenschall weckt , schlägst Du ja umsonst die Augen auf . Dein Sinn zerfällt in Nichts ; es sind keine Führer für Dich da , keine Gedanken , die Dich zur Ewigkeit leiten . Ich will Dich wecken , mein armer Ohm , schöpfen , bohren , schneiden , bis das Messer in der todten Masse - « » Jesu ! Maria ! Joseph ! « schrie der Burgherr , als der Fieberkranke beide Arme nach ihm ausstreckte . Und er saß fest geklemmt zwischen Tisch und Stuhl ; nicht einmal sein Schwert konnte er ablangen ; und wer braucht ein Schwert gegen den , der unsere Seele fordert ! Aber die heiligen Namen , die er anrief , mußten doch dem Ritter geholfen haben . Neben dem weißen Plagegeist stand plötzlich ein schwarzer . Mit rußigem Gesicht , die Haare herabhängend , wie ein Kobold , der aus der Erde aufgeschossen , die noch von seinen Gliedern rollt , umfaßte den Fieberkranken eine kräftige Gestalt mit zwei starken Armen : » Junker , Ihr seid noch krank , Ihr müßt zu Bett . « Im nächsten Augenblick war die weiße und die schwarze Erscheinung aus des Ritters dämmernden Augen verschwinden . Die Mittagssonne schien freundlich durch die offene Thür . Das Federvieh gackerte auf dem Hofe und eine Gans steckte neugierig ihren Hals über die Schwelle , als sich die Zwei ansahen , die jetzt allein da waren . Die Zwei waren Herr Götz von Ziatz und sein Knecht Kaspar . Da keiner ihn erlösen kam , hatte er sich selbst erlöst aus der Schmiede . Die Thür , die seine Herrin verschlossen , nein , die durfte der treue Knecht nicht aufbrechen . Aber er hatte sich unter der Thüre durchgewühlt . Vielleicht hätte er es schneller thun können , denn er war rüstig , wo es galt ; aber er mußte wohl Gründe dafür haben , daß er nicht schneller war . » Nu sage mal , Kaspar , was das ist , « sprach sein Herr , als er die letzte Erde von den Schultern schüttelte . » Ja , ja « , sagte der Knecht und kraute sich hinter ' m Ohr . » Hat mich ordentlich erschreckt . - Es wäre zu spät , « sagte er . » Ich glaub ' s auch Herr , nun ist ' s zu spät . « Der Burgherr ward blaß . Hätte das der Knecht vorausgedacht , er würde es nimmer gesagt haben . » Wenn Ihr Euch recht zusammen nehmt und die Sporen nicht schont , dann könnt Ihr