ungestümen Gelüsten des Vaters , hatte die Natur in Aurel einen höchst glücklichen Menschen gebildet , der mit genialem Leichtsinn die ganze Welt an sein Herz drückte . Durch seine Verheirathung war Magnus mit mehreren sehr wohlhabenden englischen Adelsfamilien in verwandtschaftliche Verhältnisse gekommen . Einer von diesen alten derben Northumberländern hatte bei Aurels Taufe Pathenstelle vertreten , und als der junge Graf von Boberstein sich dem Jünglingsalter näherte , ließ er ihn nach England kommen , um seinen Pathen auch persönlich kennen zu lernen . Aurel gewann sich sogleich das ganze Vertrauen , die vollste Liebe des alten Mannes . Er blieb gern bei dem Earl , der in früherer Zeit zur See gedient und sich viel in der Welt umgesehen hatte . Aufgereizt durch die abenteuerlichen Erzählungen des lebhaften Engländers erwachte eine unaussprechliche Lust zu gleichen Abenteuern in der Seele Aurels . Er machte kein Hehl aus seinen Neigungen und Wünschen und hocherfreut versprach der Engländer , diese Wünsche des Pathen begünstigen zu helfen . Er that die erforderlichen Schritte und binnen zwei Monaten war Aurel als Seekadet in englische Dienste getreten . Der junge Deutsche zeichnete sich bald aus , machte verschiedene große Seereisen nach Südamerika , Ostindien und China und als er nach mehreren Jahren zurückkehrte nach Europa , bekleidete er bereits die Stelle eines ersten Schiffslieutenants . Ohne Zweifel hätte Aurel , an die großartigen und gefahrvollen Reize eines fortwährenden Lebens zur See gewöhnt , seinem Geburtslande für immer den Rücken gekehrt , wären ihm nicht Briefe seiner Brüder eingehändigt worden , die in höchstem Grade seine Theilnahme erweckten . Die Brüder zeigten ihm nämlich an daß sie entschlossen seien , die Trümmer des väterlichen Vermögens in nutzbarer Weise anzulegen , und daß sie hofften , Aurel würde ihre Pläne nicht nur nicht kreuzen , sondern dieselben durch persönliche Betheiligung wesentlich mit fördern helfen . Nach dieser Einleitung entwickelten sie dem Seemanne , wie sie auf den Trümmern ihrer Stammburg eine Baumwollenspinnerei anlegen und in Hamburg ein Handlungshaus gründen wollten , das unmittelbar mit Amerika in Verbindung treten und von den dortigen anerkannt besten Pflanzungen die rohe Baumwolle beziehen , an die Spinnerei weiter befördern und die verarbeitete wieder an Manufactoreien absetzen solle . Um möglichst größten Gewinn von ihren Speculationen zu ziehen , die ohne Aufnahme bedeutender Capitalien nicht auszuführen waren , schlugen die kaufmännisch klugen Brüder vor , Aurel solle eine Brigg ausrüsten und diese mit Linnenwaaren befrachtet , nach irgend einem Hafen Nordamerika ' s steuern . Nach glücklichem Absatz der deutschen Linnen in der transatlantischen Welt solle er wo möglich mit Pflanzern in Louisiana dauernde Verbindungen anknüpfen , sein Schiff mit Baumwolle belasten , und alsdann mit diesem rohen Naturproducte nach Hamburg zurückkehren . Im Falle bei dieser ersten Expedition etwas gewonnen werde , könne man in spätern Jahren die Schiffsladungen verdoppeln und verdreifachen , doch immer vorausgesetzt , daß Aurel entschieden und für immer die Leitung des ersten Schiffes übernehme . Der Gewinn dieses großartigen kaufmännischen Geschäftes falle zu gleichen Theilen den Gebrüdern Boberstein zu . Sollte derselbe zu anderweiten Zwecken , etwa zur Wiedererlangung verkaufter Ländereien , verwendet werden , so sei die unbedingte Einwilligung aller Brüder dazu erforderlich . Ohne eine solche bleibe der baare Gewinn als Betriebscapital im Handelsgeschäft angelegt . Aurel schwankte keinen Augenblick . Den weitaussehenden Plan seiner Brüder vollkommen billigend , ging er darauf ein . Auch der alte lustige Pathe konnte nicht umhin , den Gedanken seiner deutschen Verwandten höchst pfiffig und zeitgemäß zu finden . Er segnete seinen Pathen , übergab ihm zur Ausrüstung des ersten Schiffes eine ansehnliche Summe , Aurel reiste ab und binnen Jahresfrist war das Handelshaus in Hamburg bereits accreditirt und Aurel mit einem tüchtigen Dreimaster , » die gute Hoffnung « genannt , nach Philadelphia , New-Orleans und andern großen Stapelplätzen Nordamerika ' s unter Segel gegangen . Gleich seinen Brüdern in Deutschland nannte sich der kühne Seekapitän in seiner Eigenschaft als Handelsschiffsführer Aurel am Stein . Aus früheren Mittheilungen wissen wir , daß Adrians Speculationen mit großem Erfolge gekrönt worden waren . Diese Erfolge erstreckten sich auf alle Zweige des Unternehmens . Nicht allein die Spinnerei auf den Ruinen der alten Burg gedieh und blühte nach Wunsch , auch das Haus in Hamburg » Stein und Compagnie « ließ sich in großartige Geschäfte ein , die über Erwartung rentirten , und die ursprüngliche Spedition der rohen und verarbeiteten Producte der Firma selbst bald nur als Nebensache besorgte . Schon nach drei Jahren kaufte die Firma ein Haus nebst geräumigen Speichern am Rödingsmarkt . Ein höchst zuverlässiger , erfahrener und geschickter Kaufmann von tüchtiger Gesinnung stand an der Spitze dieses neuen Etablissements , das von Zeit zu Zeit einer der drei Brüder besuchte , um sich persönlich über die Chancen des Geschäfts und etwa neu einzuschlagende Wege mit dem verständigen Geschäftsführer zu besprechen . Man konnte annehmen , daß Aurel regelmäßig zweimal des Jahres in Hamburg eintraf und jedes Mal eine Schiffsladung der feinsten Baumwolle in die Speicher lieferte . Diese ward jetzt bereits auf der eigenen Pflanzung der Brüder am Red River in Arkansas gebaut , wodurch der Gevinn des Geschäftes sich unglaublich steigerte . So oft nun der muntere , lebenslustige Kapitän die deutsche Welthandelsstadt an der Elbe betrat , wohnte er in seinem eigenen Hause , doch kümmerte er sich wenig um den Fortgang des eigentlichen Fabrikgeschäftes , da er davon nichts verstand und es ihm auch zu kleinlich erschien , Buch und Rechnung über Maß und Gewicht zu führen . Aurel war kein Handelsmann , in seinen Adern brauste noch unverfälschtes altritterliches Blut , immer bereit , auf Abenteuer auszugehen , Gefahren aufzusuchen und mit ihnen zu ringen wie ein Held . So sehr er sich über den Gewinn freute , den seine speculirenden Brüder aus dem Betrieb der verschiedenen Geschäfte zogen , so wenig gab er sich selbst mit dem eigentlich kaufmännischen Theile desselben ab . Aurel fühlte sich nur als Seemann . Als solcher wäre es ihm ganz recht gewesen , wenn