sein , weil sie lebendig ist und frei und auch nur das Lebendige und Freie berührt , nicht den gebundnen Geist , der alles fürchtet , weil er es nicht faßt . Erkenntnis hebt jede Gegenmacht auf . Ich will Dir sagen , wie es ist beim Sterben , ich hab ' s auf der alten Warte gelernt . - Unten mit schwebender Angst hinauf geklettert , - die innerliche Wahrheitsstimme half mir die Einbildung , die so frech selbst mit Erscheinungen mich bedrängte , bezwingen , ein paarmal zagte ich zwischen Erd und Himmel auf der morschen Leiter , aber die Luft hauchte schon herab , so erhob ich mich plötzlich , und von allen Seiten atmete mich Freiheit an , so grad ist ' s beim Sterben ; je weniger das Leben Licht erstritten hat , Geist geworden ist , je mehr scheut es den Geist , je mehr drängt sich am Lebensende die Einbildung ihm auf und beschränkt den Lichtkreis des Lebendigen , der Wahrheit . Der Mensch ist Sklave der Einbildung , die ihm sein Inneres leugnet , aber die göttliche Wahrheit haucht schon in den dunklen baufälligen Turm zu ihm nieder , daß er die morschgewordne Leiter , die zur Freiheit führt , mit doppelter Kühnheit erschwingt , und unmöglich kann diese im finstern Turm mit dem Aufschwung ins Freie fortdauern , denn sie war Einbildung . - Man könnt vielleicht das , was ich vom Sterben sag , gering achten , weil ' s so einfältig ist und so fabelmäßig und vielleicht schon oft gesagt , ja es war mir selbst nichts Neues , aber doch ist ' s was anders , weil ich ' s erlebt hab und nicht bloß mit den äußeren Sinnen erfaßt , der freie Sternenhimmel hat mich ' s gelehrt , und ich war so vergnügt da bei der Sterbelektion , und ich werd noch mehr lernen da oben . Am Dienstag Heut hab ich Dir was Lustiges zu erzählen , es war Studentenkomödie , und wir waren drin , unter dem Schutz von einer großen Begleitung ; das Stück war eine Selbsterfindung der Studenten , worin drei Duelle vorkamen von Schuß , Stich und Hieb ; wie der Schuß vorkam , war der Meline schon nicht wohl zumut , wie der Stich vorkam , ward uns grün und blau vor den Augen , wie aber der Hieb kam , gab ' s ein Lärm und Gepolter , und man sprang übers Orchester hinüber , über die Öllampen weg hinauf aufs Theater , die Öllampen gingen zum Teil aus , und aus der bisherigen Dämmerung entwickelte sich Finsternis , unsre Begleitung umstellte uns auf den Bänken und hielt uns in ihrer Mitte , um uns vor jedem Unfall zu schützen , bis wir wagen konnten , aus dieser Konfusion und dem Ölqualm herauszukommen , und auf freier Straße wieder Luft schöpften , die Verwirrung war daher entstanden , daß der Pedell dem Rektor , der inmitten des Saals auf einem Ehrensessel zusah , steckte , das Duell mit dem Hieber sei ein wirkliches , er wollte es erlauscht haben , auch sah es sehr gefährlich aus in ihrer Studentenarmatur ; der Rektor hielt für seine Pflicht , in grader Linie auf dies Wagnis loszuschreiten , er bahnte sich einen Weg durch die Mitte des Orchesters , wo die Baßgeige angelehnt war , vor dem Rektor umfiel und einen schauerlichen Ton von sich gab , die Gesellschaft schreckte auf , der Dekan und wie die hohen Universitätschargen alle heißen , drängten sich über alle Hindernisse weg ihrem Rektor nach , wo denn den Pauken und Baß noch mancher unwillkürliche Ton entlockt wurde . - Viel lautes Hin- und Herreden unter den Damen , die bald das Unglück verhüten , bald es nicht mit ansehen wollten , viel Gelächter unter den Studenten , die ihre Freude an der Verwirrung hatten , am interessantesten war die Szene auf dem Theater ; der Rektor mit Beistand uns en face ganz feierlich ; ein Student , der eine Dame vorgestellt mit langer Schleppe und schon früher beim Stichduell die Hälfte davon verloren hatte , wendete jetzt , wahrscheinlich aus Mutwill , dem Publikum den Rücken , man sah große Kanonenstiefel , einen Hieber an der Seite , der die halbe Schleppe trug , und einen großen Florschleier , der den Rücken hinabwallte und mit jeder Bewegung bald die paar Lampen zu erlöschen , bald sich zu entzünden drohte , so daß mehrere Stimmen riefen , der Schleier brennt . - Es war bald ausgemacht , alles sei nur blinder Lärm gewesen , indessen konnte das Stück nicht weiter spielen , die Lampen waren aus und die Honoratioren fort , eine Masse Straßengesindel hatte sich der Bänke bemächtigt , um zu sehen , was es gab . Am andern Tag hörten wir von unserm Professor Weiß den Ausgang der Tragikomödie ; es sei in dubio geblieben , ob wirklich ein ernstlich Duell habe sein sollen , die Studenten haben es geleugnet , der Pedell aber beschworen , daß er ihre Unterredung auf dem Gang mit angehört habe , und daß der eine , der die Dame vorstellte , der eine Sekundant und mein getreuer Hauptmann der andre sein sollen , und daß sie vor der Tür ihre Klingen gemessen , und daß er gehört habe , auf wieviel Gänge und wie sie ihre Halsbinden , ihre Stürmer und ihre Faustbinden besichtigt hätten . Die Studenten blieben dabei , sie hätten nur ihre Rollen repetiert und das habe alles sollen auf dem Theater vorgestellt werden ; es war nichts zu machen , man mußte sie laufen lassen , sie gaben dem Rektor ihr Ehrenwort , keine Händel anzufangen , hielten noch einen Kommers und jubelten bis spät in die Nacht . - Der Gang des Stücks hatte noch kein Licht auf seinen Inhalt geworfen , die eigentliche Pointe des Ereignisses war , daß sie die mangelnde Katastrophe desselben ersetzen wollten , und daher in Gegenwart des