der Ohnmacht um den zarten Mund , während der tiefe Ausdruck des Leidens in der schmerzlich gezogenen Stirn ausgedrückt lag und die herbstliche Sonne , mit blassen Lichtern eindringend , in leichten Goldstreifen das blasse Heiligenbild verklärte . Bald schien es dem Lord , die Ohnmacht habe sie verlassen . Ruhig , wie bei einer Schlafenden , hob sich der Athem ihrer Brust immer süßer ward das Lächeln ihres Mundes , und aus den sanftgeschlossenen Augenliedern drangen einzelne Tropfen und fielen wie Perlen auf den Schooß ; aber sie öffnete sie nicht , und Ormond blieb , gefesselt von Erwartung , ihr stumm gegenüber . Fürchten konnte er ihren Zustand nicht , denn auch die Stirn begann sich jetzt zu lichten , Engel schienen mit ihr zu spielen , so süß ward jeder Zug des lächelnden Gesichtes . Gewaltsam hatten Ormonds Worte das Geheimniß ihrer Brust entschleiert und durch diesen Namen ihm ein so mächtiges Recht verliehen , daß sie dem schnellen Bewußtsein unterlag . Kaum war ' s eine Ohnmacht zu nennen , was sie überkam , seltsam war Traum und Bewußtsein in ihrer Seele jetzt verschwistert . Sie wußte wohl , sie ruhte , sanft von der Sonne Strahl bespielt , im Fenstersitze , sie nahm es wahr , daß Ormond gütig schützend ihr zur Seite stand ; doch eben so ohne Erstaunen , ohne einen Uebergang von Vorstellungen , die sie der Wirklichkeit entfremdeten , schaute sie , wie die Bogen des Fensters vor ihr sich auseinander schoben und ihr ein freier Blick in die herrlichste Natur ward . Auf einer weiten Höhe schien ihr Sitz zu stehen , sie blickte in ein blühend Land , reich an schönen Städten , mächtigen Schlössern und hohen Thürmen und Kathedralen . Weit ins Land hinein sah sie mit klaren Augen das bunte Treiben eines reichen , weit verbreiteten Volkes , doch der vergangenen Zeit gehörend . Ein Festtag schien für Alle angebrochen ; denn festlich glänzend zog die Bevölkerung nach einer Richtung hin , und aus der weiten Ferne hatte sie Begriff von rauschendem Getöne , von Musik , von Menschenstimmen , vom Geräusch der Waffen und vom Jubelruf der Freude . Ein schmelzend Grün bedeckte die Höhe , auf der sie ruhte , und einsam schien es hier , als reiche der Fuß des Hügels nicht zur Erde hin . Sie fühlte ein seliges Genügen , ein himmlisches Erlöstsein von aller irdischen Sorge ; nichts schien ihr obzuliegen , als selig lächelnd zuzuschauen , wie schön gestaltet Alles um sie war . Da sah sie eben näher nun am Rand des Hügels einen Eichenwald , die Sonne schien hinein , der Boden schimmerte vom saftigen Grün des Mooses , und Blätterschatten tanzten wie dunkle Blumen drüber hin ; da hörte sie den Chorgesang der Geistlichen , ein Agnus Dei sangen sie , und bald erschienen in den breiten Wegen sie paarweis mit dem Allerheiligsten , mit holden Knaben , die aus Silberbecken die leichte blaue Wolke des Räucherwerks um sich kräuselten . Die Ritter folgten im goldenen Harnisch und mit langen wehenden Federn ; auf ihren Schultern trugen Andere den hellen Silbersarg mit goldener Krone , und die Zipfel des königlichen Purpurmantels hielten Knaben in Gold und düsterer Seide . Viele waren , die in hoher Trauerpracht noch folgten , dann war der breite Weg des Waldes wieder leer , und nur die Sonne spielte mit den Blättern auf dem frischen Grunde . Doch liebliche Töne klangen jetzt ; der Wald verhüllte noch die neue frohe Mähr , nur Hörnerharmonien in heiterer Weise , zu einem Hochzeitsreigen wohlgeschickt , eilten froh voran , dann kam der Zug in bunter Pracht . Wie spielten nun im Glanz der Sonne die bunten goldenen Stoffe der Herren und Frauen , der Edelsteine , der bunten Federn zauberisch Farbenspiel . Der leichte Schritt der schön geschmückten Rosse schien mehr begeistert von den Hörnerklängen , als gelenkt vom leichten Druck des goldenen , Zügels taktmäßig hinzuschreiten . Die Schönheit ziert hier die Pracht , und Glück und Lust entsproß in zarter Harmonie , und endlich bot der Mittelpunkt des Zugs sich dar . Zwei schöne Knaben führten den milchweißen Zelter , auf dem die junge Schönheit lächelnd ruhte , die , in dem Schmuck der Königin , wie eine Nymphe des Waldes mit Blatt und Moos und Blumen zu tändeln schien , und einer langen Ranke zarte Fäden um einen schönen , königlichen Mann geschlungen hatte , der innig ihr ergeben , gefesselt schon an ihren Augen hing . Der Zug schien sich zu nahen , den Hügel zu ersteigen ; die holde Frau nickte nach Maria hin , sie hob die zarte weiße Hand empor und steckte fünf kleine Finger in den goldenen Reifen einer Krone , die sich hoch dann ihr entgegen streckte . Da hob der Mann an ihrer Seite sein Angesicht und sah Maria zärtlich an . Mein Oheim ! rief sie . Verschwunden war das Bild , der ganze süße Traum . Sie stand plötzlich aufgerichtet vor Lord Ormond , der zu ihren Füßen lag , und flehend sie beschwor , zum Bewußtsein zu erwachen . Sie sah ihn an mit dem holdesten Lächeln , ihre Augen leuchteten , wie von einem tiefen innern Lichte erhellt , und sanfte Röthe ergoß sich um ihr Angesicht . Ja , sprach sie , als ob Lord Ormond jetzt erst das verhängnißvolle Wort gesprochen , Ihr habt es mir gesagt , jetzt weiß ich es , ich liebe ihn ! Dies angstvolle Geheimniß ist nun fort aus meiner Seele , ja , ich liebe ihn ! - Sie hatte die Hände auf ihre Brust gedrückt , als wollte sie sich das Eigenthumsrecht an dieser Ueberzeugung sichern . Sie hatte , wie es schien , vergessen , was Lord Ormond über sich selbst ihr gesagt , und war jetzt nur bemüht , ihn zum Vertrauten ihres nun erst verstandenen Gefühls zu machen . Ormond senkte , noch immer kniend , sein Gesicht