lassen . Er verliert so dadurch , daß uns Gott ein Kind bescheert hat , aber wenn er sich nach etlichen Jahren ordentlich aufführt , so kann er mein Schwiegersohn werden mit der Zeit , und dann bekommt er mehr , als ohne mich der alte Mann , sein Oheim , nachgelassen haben würde , nicht einmal das zu rechnen , setzte sie mit einer stolzen Bewegung des Kopfes hinzu , was ich hier noch erbe . Frau Base , Ihre Güte - - stammelte der Arzt Na , na , das ist nur so in ' s Blaue gesprochen , unterbrach ihn diese . Meine Marie hat noch lange Zeit , das braucht Ihn nicht zu binden und mich auch nicht . Die schlanke Marie , ein Kind von dreizehn Jahren , betrachtete neugierig den Arzt , den ihre Mutter so ohne Umstände als den künftigen Bräutigam bezeichnete , indeß dieser , verlegen erröthend , an seinem Busenstreif zupfte . Es flogen ihm alle Vortheile dieser Verbindung schnell durch den Kopf , aber auch die ihm höchst anstößige Verwandtschaft mit Bauern , die daraus entspringen müsse . Er richtete die halb zugedrückten Augen scharf auf das junge Mädchen , deren feine Gestalt nichts Bäuerisches hatte , aus deren blassem Gesicht ihn die große Aehnlichkeit mit dem verstorbenen Oheim rührend ansprach . Er beschloß also zu überlegen , zu prüfen und dann wie ein Mann sein Schicksal zu bestimmen . Daß er selbst seiner vermuthlichen Braut mißfallen könne , fiel ihm gar nicht einmal ein . Die Base hatte durch den Gedanken an eine mögliche nähere Verbindung mit dem Vetter eine noch lebhaftere Theilnahme für diesen gewonnen , und fragte ohne Umstände nach allen seinen Verhältnissen , worauf sie lauter befriedigende Antworten erhielt . Der Prediger mischte sich in dieß Gespräch und hoffte durch die nun anwesende ehemalige Dienerin der Gräfin Vieles über deren frühere Verhältnisse zu erfahren . Er sagte also : Da Sie , meine werthe Frau Professorin , in Ihrer Jugend die Baronin Schlebach und ihre Tochter auf Reisen begleitet haben , so werden Sie sich ja freuen , die Letztere hier wieder zu begrüßen . Was ! rief die Angeredete , indem sie aus großer Ueberraschung von ihrem Sitze aufsprang , ist die Frau von Blainville hier ? Frau von Blainville , wiederholte der Prediger verwundert , ich meine die Gräfin Hohenthal , die Gemahlin des hiesigen Gutsherrn . So lebt sie also und hat sich wieder verheirathet ? fragte die Wittwe des Professors . Nun , setzte sie mit Rührung hinzu , ich muß die Gnade Gottes preisen , daß er mir auch diesen Wunsch gewähren will , sie vor meinem Ende wieder zu sehen ; ich habe mir vergebliche Mühe genug gegeben , sie wieder aufzufinden . Also war die Gräfin schon ein Mal verehelicht , sagte der Prediger , der sich von seinem Erstaunen nicht erholen konnte . Haben Sie das nicht gewußt ? fragte die Fremde mit einem scharfen Seitenblicke . Nein , erwiederte der Geistliche , es ist mir überhaupt Manches auffallend gewesen ; die Familie scheint Vieles zu verschweigen , und selbst die vertraute Dienerschaft theilt das geheimnißvolle Wesen , denn der Haushofmeister Dübois ist eben so zurückhaltend wie seine Herrschaft . So ist der gute alte Dübois auch hier , rief die Fremde in freudiger Ueberraschung . Sie kennen ihn also ? fragte der Prediger auf ' s Neue . Wie sollte ich nicht , rief mit Thränen in den Augen die Frau Professorin , indem sie vor Verwunderung die Hände zusammen schlug . Du große Güte ! morgen am Tage gehe ich auf ' s Schloß , sie alle zu besuchen ; Du mein Heiland ! das hätte ich nicht gehofft , auch den guten Alten wieder zu finden nach so vielem Unglück , er war ja schon damals alt . Sie werden uns ja vieles Interessante mittheilen können , Frau Professorin , sagte der Geistliche sehr freundlich . Sie äußerten sich verwundert darüber , die Gräfin lebend zu wissen , Sie drückten sich so aus , als ob sie Ihnen verloren gegangen wäre ; das klingt ja Alles recht sonderbar und könnte wohl die Neugierde erregen . Die Befragte richtete abermals einen scharfen Blick auf den Geistlichen und erwiederte mit der Frage : Hat Ihnen denn die Gräfin das nicht alles selbst erzählt ? Keine Sylbe , erwiederte der Pfarrer , und auch hier unserm Freunde , der doch der Arzt des Hauses ist , sind alle Verhältnisse desselben fremd . So , erwiederte die Frau Professorin trocken , wenn das ist , so ist es ein . Zeichen , daß die Frau Gräfin darüber nichts sprechen will ; denn Sie , mein lieber Herr Prediger , haben eine so dreiste Art zu fragen , daß man es sich schon recht fest vornehmen muß , wenn man ein Geheimniß bei sich behalten und Ihnen verbergen will . Ich will nun gerade nicht damit sagen , daß sich das für einen protestantischen Geistlichen schickt . Wenn Sie katholisch wären , so wäre es was Anders , denn die haben ihren Götzendienst und ihre Ohrenbeichte , aber wir guten Christen brauchen Gottlob unsern Priestern nicht Alles zu sagen . Verlegen und empfindlich erwiederte der Pfarrer : Nach Ihrer Antwort muß ich glauben , daß Sie mir eine recht böse Absicht zutrauen , wenn ich aus Theilnahme mich nach den Verhältnissen der Gräfin erkundige . Nehmen Sie es mir nicht übel , erwiederte die Base des Schulzen , ich bin mein Lebelang treu gewesen , und was die Gräfin für gut gefunden hat Ihnen zu verschweigen , werden Sie von mir auch nicht erfahren . Der Geistliche war auf ' s Aeußerste verletzt , daß diese Frau mit bäuerischer Gradheit ihm seinen Fehler so treuherzig vorrückte ; zugleich mußte er sich tadeln , daß er sie für zu einfältig gehalten , da er vermuthlich alles , was er wissen wollte , hätte erfahren können , wenn er nicht geglaubt hätte