gefällt mir nicht , hier sind keine Höhen , von denen man in die Ferne schauen könnte . Am 18. Ich stieg einmal auf einen Berg . - Ach ! - was mein Herz beschwert ? - sind Kleinigkeiten , sagen die Menschen . - Zusammenhängend schreiben ? Ich könnte meiner Lebtag die Wahrheit nicht hervorbringen ; seitdem wir in Töplitz zusammengesessen haben , was soll ich Dir noch lang schreiben , was der Tag mit sich bringt , das Leben ist nur schön , wenn ich mit Dir bin . - Nein , ich kann Dir nichts Zusammenhängendes erzählen , buchstabier Dich durch wie damals durch mein Geschwätz . Schreib ich denn nicht immer , was ich schon hunderttausendmal gesagt habe ? - Die da von Dresden kamen , erzählten mir viel von Deinen Wegen und Stegen , grad als wollten sie sagen : » Dein Hausgott war auf anderer Leute Herd zu Gast und hat sich da gefallen . « Z ... hat Dein Bild überkommen und hat es wider sein graubraunes Konterfei gestützt ; ich seh in die Welt , und in diesem tausendfältigen Narrenspiegel seh ich häufig Dein Bild , das von Narren geliebkost wird . Du kannst doch wohl denken , daß dies mir nicht erfreulich ist . Du und Schiller , Ihr wart Freunde , und Eure Freundschaft hatte eine Basis im Geisterreich ; aber Goethe , diese nachkömmlichen Bündnisse , die gemahnen mich grad wie die Trauerschleppe einer erhabenen vergangenen Zeit , die durch allen Schmutz des gemeinen Lebens nachschleppt . - Wenn ich mich bereite , Dir zu schreiben , und denke so in mich hinein , da fallen mir allemal die einzelnen Momente meines Lebens ein , die so ruhig , so auffaßlich in mich hereingeklungen haben , wie allenfalls einem Maler ähnliche Momente in der Natur wieder erscheinen , wenn er mit Lust etwas malt ; so gedenke ich jetzt der Abenddämmerung im heißen Monat August , wie Du am Fenster saßest und ich vor Dir stand , und wie wir die Rede wechselten , ich hatte meinen Blick wie ein Pfeil scharf Dir ins Auge gedrückt , und so blieb ich drin haften und bohrte mich immer tiefer und tiefer ein , und wir waren beide stille , und Du zogst meine aufgelösten Haare durch die Finger . Ach Goethe , da fragtest Du , ob ich künftig Deiner gedenken werde beim Licht der Sterne , und ich hab es Dir versprochen ; jetzt haben wir Mitte Oktober , und schon oft hab ich nach den Sternen gesehen und habe Deiner gedacht , es überläuft mich kalter Schauer , und Du , der meinen Blick dahin gebannt hat , denke doch , wie oft ich noch hinaufblicken werde , so schreib es denn auch täglich neu in die Sterne , daß Du mich liebst , damit ich nicht verzweifeln muß , sondern daß mir Trost von den Sternen niederleuchtet , jetzt , wo wir nicht beieinander sind . Vorm Jahr um diese Zeit , da ging ich an einem Tag weit spazieren und blieb auf einem Berg sitzen , da oben spielte ich mit dem glitzernden Sand , den die Sonne beschien und knipste den Samen aus den verdorrten Stäudchen , bei mit Nebel kämpfender Abendröte ging ich und übersah alle Lande , ich war frei im Herzen ; denn meine Liebe zu Dir macht mich frei . - So was beengt mich zuweilen , wie damals die erfrischende Luft mich kräftig , ja beinah gescheut machte , daß ich nicht immer geh , immer wandre unter freiem Himmel und mit der Natur spreche . Ein Sturmwind nimmt in größter Schnelle ganze Täler ein , alles berührt er , alles bewegt er , und der es empfindet , wird von Begeistrung ergriffen . Die gewaltige Natur läßt keinen Raum und bedarf keinen Raum , was sie mit ihrem Zauberkreis umschlingt , das ist hereingebannt . O Goethe , Du bist auch hineingebannt , in keinem Wort , in keinem Hauch Deiner Gedichte läßt sie Dich los . - Und wieder muß ich vor dieser Menschwerdung niederknien und muß Dich lieben und begehren wie alle Natur . - Da wollt ich Dir noch viel sagen , ward abgerufen , und heute am 29. Oktober komme ich wieder zum Schreiben . - Es ist halt überall ruhig oder vielmehr öde . Daß die Wahrheit sei , dazu gehört nicht einer ; aber daß die Wahrheit sich an ihnen bewähre , dazu gehören alle Menschen . Mann ! Dessen Fleisch und Bein so von der Schönheit Deiner Seele durchdrungen ist , wie darf ich Leib und Seele so beisammen lieb haben ! - Oft denk ich bei mir , ich möchte besser und herrlicher sein , damit ich doch die Ansprüche an Dich rechtfertigen könnte , aber kann ich ' s ? - Dann muß ich an Dich denken , Dich vor mir sehen , und habe nichts , wenn mir die Liebe nicht als Verdienst gelten soll ? - Solche Liebe ist nicht unfruchtbar . - Und doch darf ich nicht nachdenken , ich könnte mir den Tod daran holen , ist was daran gelegen ? - Jawohl ! Ich hab eine Wiege in Deinem Herzen , und wer mich da herausstiehlt , sei es Tod oder Leben , der raubt Dir ein Kind . Ein Kopfkissen möcht ich mit Dir haben , aber ein hartes ; sag es niemand , daß ich so bei Dir liegen möchte , in tiefster Ruhe an Deiner Seite . Es gibt viele Auswege und Durchgänge in der Welt , einsame Wälder und Höhlen , die kein Ende haben , aber keiner ist so zum Schlaf , zum Wohlsein eingerichtet als nur der Schoß Gottes ; ich denk mir ' s da breit und behaglich , und daß einer mit dem Kopf auf des andern Brust ruhe , und daß ein warmer Atem am Herzen hinstreife , was ich mir so sehr wünsche zu fühlen