Zauberschlag vorgerückt . Nur eins hätte mich fast diesen Morgen hierüber irre gemacht . » Sagt mir doch , « hob sie nach kurzem Schlafe an , » was ist denn das für ein graues , verschleiertes Geschöpf , das während meiner Krankheit Nachts immer durch das Fenster dort herein sah ? « Ich erschrack . Ich fürchtete , sie rede aufs neue im Fieber . Ich entfernte deshalb jene Vorstellung , ohne sie zu bestreiten . Sie lachte . » Ich weiß wohl , was Sie denken , Sophie , aber es ist ganz bestimmt , wie ich es Ihnen sage , « versicherte sie . Ich war verlegen , auf welche Weise ich es ihr ausreden sollte . Zum Glück erinnerte mich Madame Lindhof an die Italienerin . Ich schwieg davon , doch Johanna wußte hierüber noch manche Anekdote , was zu meinem Verdruß , Elise nachdenkend machte . Es war wohl die Erinnerung an die fremde Bewohnerin ihres Hauses , denn sie sagte bald darauf : » also auch eine ruhelose Unglückliche ! « Wir ließen es dabei . Sie aber fragte noch mehrmals nach der Unheimlichen . Nun , der Eindruck wird sie weiter nicht stören . Sie ist zu glücklich ! Elise an die Tante Wie soll ich es denn anstellen , recht aus dem Herzen , recht frei , ganz wie ich bin und denke , zu Ihnen , meine Wohlthäterin , meine beste , liebste , mütterliche Beschützerin , zu reden , ohne Sie zu betrüben , ohne Ihnen von einer Seite wehe zu thun , wo ich Sie immer mit Besorgniß verletzlich fand . Ich weiß wohl , daß Sie himmlisch gut sind , daß Sie Ihr eigenes Interesse willig für Andere opfern . Allein , gute , arme Tante , Sie haben nur den einen Sohn , Sie dachten , Sie hofften für ihn , und machten es , wie man es immer thut , wenn man hofft . Sie waren Ihrer Sache im Stillen gewiß . Es hat mich sehr gequält , Sie in dem Irrthum , dreister als Sie es sonst pflegen , der Zukunft vorauseilen zu sehen . Sie ließen mich es merken , und wenn ich Ihnen widersprach , lächelten Sie mit einer Ruhe , die so aussah , als hätten Sie Gründe und Mittel , meinen Entschluß zu bestimmen , die Sie nur noch geheim hielten . Ich wurde ganz irre an mir , an Ihnen , an meinem Geschick . Die Angst , liebe Tante , hat mich auch aus Ihrem Hause getrieben . Nachher bin ich tödtlich krank geworden . In der Zeit ist Vieles vorgefallen . Jetzt bin ich mit Hugo verlobt ! - O sein Sie nicht böse ! Entziehen Sie mir Ihre Liebe nicht . Ich bin so glücklich ! wie könnte ich es bleiben , wenn ich Ihren Unwillen zu fürchten hätte ? Sehen Sie , meine beste Tante ! mit Curd und mir wäre es doch in meinem Leben zu keiner Verbindung gekommen . Wir passen wirklich nicht für einander . Ich bin ihm gut ! O Gott , ja , recht herzlich gut ! Aber - nein ! - das war unmöglich ! Ach , Sie sehen das auch im Grunde wohl ein . Ich bin zu alt für ihn , und dann , eine geschiedene Frau ! - Sagen Sie , was Sie wollen , Curd dünkt Ihnen wohl gut genug für eine bessere , die nicht den Tadel der Welt auf sich lud , Niemand erst zu vergessen hat , und froh und stolz an seiner Seite in Gesellschaften auftreten , den Blicken der Menschen gern begegnen mag . Was hätte er nicht Alles meinetwegen bekämpfen müssen ! Und wie peinlich wäre Ihnen das gewesen , Sie , gute , sanfte Tante ! Ich darf hoffen , daß ähnliche Vorstellungen Ihnen nach und nach kommen , und Sie über meinen Verlust trösten werden . Allein , es ist noch etwas dabei , was Sie und auch Curd nicht verschmerzen werden ; das ist der Mann , dem ich meine Hand gebe . Sie haben ihn nie leiden mögen , und wenn ich späterhin seiner erwähnte , so hörten Sie mir stets mit verbissenem Aerger zu . Das kommt aber nicht aus Ihrem guten Herzen . Sie sind weit entfernt , irgend ein Geschöpf Gottes zu hassen , geschweige denn einen Menschen , den Sie niemals mit Augen sahen . Ich will es ununtersucht lassen , weshalb Sie , zum erstenmale in Ihrem Leben , unbillig erscheinen ? das ist eine kitzliche Frage , die zwischen uns unbeantwortet bleiben muß . Allein , weil Ihr Herz doch eigentlich von dem Widerwillen nichts weiß , so schmeichle ich mir , die Zeit und meine Bitten werden ihn überwinden . Sie werden Ihre arme Elise , die soviel litt , soviel bei Ihnen geweint hat , die Sie nicht weinen sehen konnten , Sie werden ihr keine neuen Thränen auspressen wollen ! Nun , ich will Sie auch nicht bestürmen . Ich will geduldig warten , bis Sie mir ' s endlich einmal sagen : » Sei nur ruhig , Kind . Ich sehe es nun wohl ein , er ist ein braver Mann , und ich wünsche Dir aufrichtig Glück zu der Heirath mit ihm . « Ach gute Tante ! wenn Sie das sagen wollten , Aber Sie können es jetzt noch nicht . Und darum fürchte ich unbescheiden zu sein , wenn ich Ihnen alle Umstände auseinandersetzen , wenn ich Ihnen erzählen wollte , wie es eigentlich so anders , so entscheidend gekommen ist . Zuweilen ist es mir selbst wie ein Traum ! Was Sie doch einigermaßen beruhigen sollte , ist , daß der alte , würdige Comthur so aufrichtigen Antheil an unserm Geschick nimmt , daß er schon lange den Wunsch hegte , ja selbst ihn aussprach , es so versöhnt zu wissen . Er und die Freundin , deren Briefe Ihnen , gute