. » O tragt sie hinein ! « rief Vicktorine mit gerungenen Händen in tödlicher Angst . » Sie stirbt ! sie stirbt ! o tragt sie ins Haus . « Kleeborn trat jetzt hinzu und nahm die leichte Last in seine starken Arme . Der Fremde erhob sich mit ihr , aber er ließ sie nicht los . Der sehr bewegte Alte trug sie mit der größten Sorgfalt ins Haus und legte sie auf einen Sofa . Sie lag da wie ein schlafender Engel , keine Spur von Schmerz in den schönen Zügen . Ferdinand von Klarenau , er war der Fremde , kniete neben ihr , wechselnd im Ausdruck furchtbarer Angst und entzückender Freude hielt er sprachlos den Blick auf sie geheftet . » Sie regt sich , sie schlägt die Augen auf ! « rief Vicktorine . Der letzte Strahl der sinkenden Sonne umfloß in diesem Augenblicke Ferdinanden und verklärte ihn wunderbar . Angelika betrachtete ihn mit festem ernsten Blick . » Todesengel , « flüsterte sie , » schöner ernster Bote , kommst Du mich abzurufen in dieser geliebten Gestalt ? « » Angelika , Du lebst ! ich lebe ! wir haben uns wieder und können glücklich noch seyn , « rief Ferdinand und drückte sie an seine ungestüm wogende Brust . » Ferdinand ! « rief Angelika fast überlaut . » Mein , mein Ferdinand , ja Du bist es , ja Du lebst . Sie richtete sich auf , sie legte das schöne todtenbleiche Gesicht auf seine Schulter , sie umschlang seinen Nacken , fest , fest , mit beiden Armen . Du lebst Ferdinand , Du lebst ! Die Wonne - o nein sie tödtet uns nicht - nein , nein , niemand stirbt vor Freude - nein man stirbt vor Freude nicht - Ferdinand ! « hauchte sie zuletzt fast unhörbar . Ihr Haupt sank tiefer , ihre Arme hielten ihn noch immer . » Sie wird wieder ohnmächtig , « rief Vicktorine , und legte mit Hülfe ihres Vaters sie in die Sofakissen zurück . Vicktorine versuchte alle Mittel , die ihr zu Gebote standen , um Angelika ins Leben zu rufen ; Kleeborn eilte hinaus , um den Wagen nach einem Arzte auszuschicken . » Erwache , Angelika , erwache ! « rief Ferdinand mit furchtbarem Tone in Todesangst . Angelika erwachte nie wieder . Der unglückliche Klarenau war , so wie er Deutschlands Gränze erreichte , zu Angelikas Oheim , dem Baron Sternwald hingeeilt , bei dem er die Geliebte noch zu finden hoffte . Die schlecht verhehlte Verlegenheit , mit der er dort empfangen ward , schien ihm gleich auf nichts Gutes zu deuten ; sie entsprang indessen doch nur aus dem beschämenden Gefühle der Nachlässigkeit , mit der man sich seit langer Zeit um das Geschick einer so nahen Verwandten gar nicht weiter bekümmert hatte . Es währte lange , ehe man unter einem Haufen alter Papiere die Adresse der Pröbstin von Falkenhayn auffinden konnte , bei der , wie man versicherte , Angelika sich in diesem Augenblick nur zum Besuche aufhielt . Klarenaus liebevolle Ungeduld ließ ihm nicht Zeit , das unwürdige Benehmen von Angelikas Verwandten weiter zu ahnden , er eilte unaufhaltsam den Wohnort der jetzigen Beschützerin seiner Geliebten aufzusuchen , doch leider fand er Anna nicht daheim , sie war gerade in dieser Zeit in der Residenz , um Raimunds Angelegenheiten zu fördern . Der einzige Bediente , den Klarenau in ihrer Wohnung zu Gesicht bekam , wußte ihm den Ort nicht mit Bestimmtheit zu nennen , wohin sie gereist sey . Er meinte sie würde wohl nach * * zu ihrem Schwager , dem reichen Herrn Kleeborn gegangen seyn , denn sein Kamerad , der lange mit ihr dort gewesen sey , habe ihm gesagt , daß sie versprochen habe , im Sommer zur Hochzeit einer ihrer Nichten wiederzukommen . Von Angelika wußte der Bediente gar nichts zu sagen , er war erst seit kurzen in Annas Dienst , und hatte jene weder gesehen noch von ihr gehört . Die Ungeduld , welche Klarenau immer vorwärts zu eilen trieb , ward heftiger ; böse Ahnungen kamen hinzu , und so hielt er sich nicht damit auf , an einem Orte , mit dessen Einrichtungen er völlig unbekannt war , nähere Nachrichten einziehen zu wollen . Er schrieb sich Kleeborns Namen auf und reiste Tag und Nacht bis er * * erreichte . Der fernere traurige Erfolg seiner Nachforschungen ist dem Leser bekannt . Nach Angelika hatte er Herrn Kleeborn gar nicht gefragt , denn die Möglichkeit , sie hier zu finden , fiel ihm nicht ein , und Kleeborn war schon zu gewohnt , sie als ein Mitglied seiner Familie zu betrachten , als daß es ihm hätte in den Sinn kommen können , ihrer besonders zu erwähnen . In unentweihter Schönheit , lächelnd wie ein schlummerndes Kind , mit dem die Engel spielen , lag Angelika von Rosen umgeben , in ihrem Sarge . Tag und Nacht blieb Ferdinand ihr zur Seite , so lange die holde Gestalt noch die Erde schmückte . Er folgte ihr in stummer Trauer , als sie endlich nach einem ihrer Lieblingsplätze , in einen abgelegenen Theil des Gartens , getragen ward . Unter jungem Rosengebüsch und uralten Cypressen hatte ihr Kleeborn hier , auf Vicktorinens inständiges Bitten , die letzte Ruhestätte bereiten lassen . Ferdinand blieb die Nacht hindurch allein an ihrem Hügel . Am folgenden Tage bezog er ein kleines Haus , dicht neben demselben , das sonst wegen seiner herrlichen Aussicht zuweilen zu ländlichen Festen gedient hatte , und das Kleeborn ihm willig einräumte . Dort wohnte Klarenau von nun an in ungestörter Einsamkeit , er fühlte seine in den unerhörten Stürmen seines Lebens erschöpften Kräfte mit jedem Morgen tiefer sinken , und freute sich der ihm immer näher tretenden Hoffnung , bald neben der Geliebten auszuruhen . Sein Schmerz gewann dadurch jenen stillen rührenden Ausdruck , der , weit entfernt von Bitterkeit