Erde bebte , mit einer wunderlichen Schwermut nach den Feuerwolken , die über der Stadt durch die Nacht schienen ; erst jetzt dachte er , wie viele Unschuldige sein blinder Eifer vielleicht in vieljähriges Verderben gestürzt . Susanna , die still neben ihm gegangen war , seufzte und sagte , daß sie versinke in Müdigkeit . Da nahm er sie in seine Arme , und als der Mond aufging , da schien sie ihm bleich wie eine Tote , und der milde Tau seiner Tränen fiel auf die Schläfe der Müden , daß sie erwachte , die Augen aufschlug und betete : » Herr vergib ihnen , denn sie wissen nicht , was sie tun . « Das Wort drückte sich in das tiefste Gedächtnis Antons ; er fühlte , daß er nie gewußt , was er getan , sondern daß der Zufall mit ihm gespielt ; und vor dem Mädchen faßte ihn eine heimliche Scheu , wie vor einem Engel . Sie sprang erfrischt auf den Boden und marschierte an seiner Seite weiter fort , bis der Haufen Halt machte und sich über den grünen Boden streckte ; da sank ein hoher Federbusch nach dem andern ins Gras , sie aber sang noch im frischen Morgenwinde : Herr der Müden , Herr der Schwachen , Nach dem Wachen Schenke uns des Schlafes Frieden ; Daß wir ruhen von Beschwerde , Daß kein Feind uns mag beschleichen . Decke uns mit Palmenzweigen , Decke uns mit kühler Erde . Während sie so sang , heulte der Wolf im dichten Forst . Anton war der Gesang ganz unbehaglich ; er setzte sich zu Seger und fragte ihn : » Wo mag das Feuer eigentlich ausgekommen sein ? « - Seger lachte und sprach : » Ich warf einen Feuerbrand in einen Haufen alter Lumpen ; das war ein Spaß , anzusehen , wie das alles in die Höhe flammte und das unverbrannte Zeug mit sich riß , als wären es Brandbriefe , die überall ausfliegen sollten ; dann schloß ich das Zimmer zu , damit niemand zum Löschen herein konnte . « » Pfui Teufel ! « sagte Anton , » das Zerschlagen habe ich wohl geraten , aber das Verbrennen war schlecht , denn das Feuer hat seinen eigenen Weg , und keiner weiß , wen es erreicht . « Bei diesen Worten beorderte die Trommel alle in den Ring . Schärtlin sah sehr ergrimmt aus und hielt in der Mitte zu Pferde . Es traten zwei Abgeordnete des Augsburger Rates auf und baten ihn um Bestrafung der Frevler , die Brand in ihrer Stadt gestiftet hätten . - Schärtlin versprach ihnen das und hielt bei dieser Veranlassung eine Rede über das unnütze Gesindel , das ein Verderben ihrer Kameraden sei . » Es gibt « , sagte er , » solche Federhansen , Eisenbeißer und Spitzknechte ; die halten sich zusammen , prassen , schlemmen , demmen und verspielen ihre Besoldung bei Zeiten , schlagen sich dann bei andern ehrlichen Gesellen zu . Wo man ihnen den Kragen nicht füllt , suchen sie Gelegenheit durch Spiel oder Balgen andere zu überrumpeln , ziehen im Lager um oder von einem Haus zum andern , schreien Mum , Mum , tragen Würfel in der Hand , haben etwa den Degen oder Wehr am Arm oder Hals hangen , sind gleich bös und freudig mit dem Maul ; was sie im Wege sehen , fallen sie an , durchstreichen die Dörfer ; da kann kein Armer ein Hühnlein vor ihnen behalten , jagen sie wohl gar zum Hause hinaus , stecken ihnen wohl gar das Haus an ; aber solcher Frevel soll gestraft werden . « Nach diesen Worten gab er Befehl zur Untersuchung . Ein paar Zeugen , des Augsburger Wirts Knechte , sagten auf Anton aus , daß er in das Haus gedrungen ; er leugnete nichts , sondern erzählte , wie alles sich verlaufen , daß er aber am Feuer unschuldig sei . Schärtlin sah ihn aufmerksam an und sprach : » Schade , daß ich dich so bald verliere , aus dir hätte was werden können . « Die drei Richter waren nach dem ersten Verhöre gleich einig , daß er sein Leben verwirkt habe , doch solle ihm aus besonderer Gnade des Feldmarschalls keine schimpfliche Strafe angetan werden , sondern er durch drei Musketenschüsse seiner Kameraden fallen . Anton stand da verwundert , aber nicht erschüttert ; es kam ihm alles wie ein elendes Spielwerk vor ; er fragte : Wie bald er denn solle der Welt absagen . » In einer Stunde « , antworteten die Richter . » Wohl denn « , sprach er , » so will ich noch einen guten Trunk tun . Wein her für mich und für meinen Knaben . « Seger trat jetzt zu ihm und dankte ihm , daß er ihn nicht verraten ; zugleich riet er ihm , er wolle ihm heimlich einen Dolch zustecken , damit möchte er nur den Steckenknecht , der ihn bewachte , niederstoßen und davonlaufen ; er könne ihm schwören , daß keiner der Landsknechte umher ihm nachsetzen würde , vielmehr wären sie alle schon in Aufruhr , daß einer von ihnen wegen einer Ehrensache des ganzen Haufens zum Tode verurteilt werden sollte . Anton dankte ihm und nahm den Dolch ; jetzt aber redete ihn Susanna an , die den Vorschlag vernommen hatte : » Herr , laßt keinen Unschuldigen Euretwegen sterben . « Anton ward dadurch ernst und gerührt ; er tat nichts zu seiner Befreiung , sondern dachte so in sich , was nun in wenig Augenblicken aus ihm werden würde , wer ihn in der Welt vermissen , und daß sich alle so wohl befinden würden wie vorher ; aber da sah er Susanna , die mit jammervollem Blicke betete , und betete auch . Die Gedanken gingen ihm immer höher , als ihn Schärtlin aus seinem Traume erweckte und laut sprach , er wolle doch hören ob er