. Nur Schwärmer oder unselbstständige Gemüther halten einen schmerzlichen Eindruck mit stolzem Eigensinn fest , und finden eine Art Wollust oder Ruhm darin , unglücklich zu seyn , oder es wenigstens zu scheinen . Tiridates hat seiner Frau sowohl während ihrer Krankheit , als nach ihrem Tode die befriedigendsten Zeichen seiner Treue und Liebe gegeben . Er hatte sie in den letzten Tagen keinen Augenblick mehr verlassen . In seinem Arm war sie gestorben , sein Mund empfing ihren letzten Hauch , und es kostete seinen Freunden , so wie seine Begleiter erzählen , Mühe , ihn von der Leiche zu entfernen , und wieder an seine vorige Lebensweise , an den Anblick der Menschen zu gewöhnen , die er in Schmerz versenkt unwillig floh . Das ist Alles , was die Vernunft , die Liebe , was selbst Sulpicia , wenn bei den Schatten noch Erinnerung ist , von ihm fordern kann . Das Andenken an ihre Liebe , an die schönen Stunden , die sie ihm gab , wird nie aus seiner Seele schwinden . Aber sein Reich , seine Verhältnisse zu den Höfen von Nikomedien und Persien fordern seine Aufmerksamkeit mit gebietender Strenge , sein Volk sieht einer zweiten Verbindung , die ihm einen Thronerben , und dem Reiche seine künftige Ruhe zusichert , mit Verlangen entgegen . Er kann nicht handeln , wie ein Einzelner , und so darf er auch nicht trauern , wie ein Einzelner . Der Maaßstab , mit dem man gewöhnliche Menschen mißt , darf nicht für Herrscher gebraucht werden , die nicht für sich allein stehen , an deren Entschließungen das Wohl von Myriaden hängt . So müssen seine Freunde froh seyn , wenn sein erster wilder Schmerz sich in sanfte Wehmuth , und diese in stillen Ernst auflöset . Hier in Nikomedien hat mit seiner Ankunft wieder ein regeres Leben angefangen . Der Augustus gibt seinem königlichen Gaste zu Ehren glänzende Feste , Schauspiele u.s.w. Viele , schöne , viele bedeutende Frauen und Mädchen erscheinen dabei , einige benachbarte Fürsten sind mit ihren Familien hier , man kann wohl denken , in welcher Absicht . Ein Thron , eine Gestalt und ein Herz wie Tiridates , der auch als Privatmann so achtungs- und liebenswerth seyn würde , verdienen wohl die Anstrengungen , die freilich etwas zu sichtlich dafür gemacht werden . Meine Zeit ist jetzt wieder sehr beschränkt . Tiridates zeigt uns deutlich , daß meines Vaters und meine Gegenwart ihm die Freuden jener Feste erhöhen , und ihn für manchen Zwang , dem er sich unterwerfen muß , entschädigen . Ich lebe daher ziemlich zerstreut , und habe vier volle Tage an diesem Briefe zugebracht , dem du es wohl abmerken wirst , daß er nicht in derselben Stimmung geschrieben worden ist . Leb ' wohl . 87. Agathokles an Phocion . Nikomedien , im Oct . 303 . Es ist möglich , mein theurer Freund ! daß wir uns bald sehen . Ich werde Nikomedien , wo mich wenig mehr zurückhält , wahrscheinlich mit den Meinigen auf lange Zeit verlassen . Meinen gütigen geliebten Vater hat vor wenigen Tagen ein gäher Tod uns entrissen . Hohes Alter und zunehmende Schwäche hatten uns zwar längst auf diesen Fall vorbereitet , dennoch erfüllte er uns mit eben so viel Trauer und Schrecken , als wäre er in der Blüthe der Jahre gewesen . Denn wie sehr der Mensch sich auch auf einen bösen Zufall gewaffnet glaubt , so ist doch ein unendlicher Abstand zwischen der festbestimmten Wirklichkeit , die nichts mehr erschüttert , und jenem zitternden Zustand , in den noch stets und unbewußt sich leise Hoffnung mischt . Er hat mir verziehen , er hat mich mit schwacher sterbender Hand gesegnet , und sein liebes Kind genannt . Das ist der einzige Punkt , auf dem meine Seele mit Beruhigung verweilt . Er hat sogar sein Testament zurückgenommen , und seine großen Reichthümer auf eine für sich sehr parteiische Weise zwischen mir und seinem Neffen Leucippus , dem sie vorher ganz bestimmt waren , getheilt . Leucippus ist ein guter Mensch ; eine Verbindung , die er wider den Willen seines Vaters , meines Oheims , traf , hatte ihm die Liebe und das Vermögen seines Vaters entzogen . Diese Rücksicht , eine zahlreiche Familie und mancherlei Unglücksfälle machten , daß ich mit Freuden das Schicksal eines würdigen gekränkten Verwandten durch diese Verfügung erleichtert sah . Er war edel genug , sogleich zu mir zu kommen , und freiwillig auf ein Geschenk Verzicht leisten zu wollen , wodurch er mir mein Eigenthum zu entziehen fürchtete . Mir wäre der bloße Wille meines Vaters hinreichend gewesen , wenn er mich auch hart getroffen hätte , um nie den geringsten Anspruch auf einen Besitz zu machen , dessen Wertheilung ganz von ihm abhing , auf den ich kein Recht zu haben erkenne . Leucippus ist sehr glücklich , ich habe einen treuen dankbaren Freund gewonnen , und so muß ich doppelt meines Vaters Verfügung segnen . Wenn ich nach Europa komme , so werde ich unmöglich die Küsten eines Landes , wo du schon lange von mir getrennt bist , betreten können , ohne dich zu sehen . Wie groß auch der Umweg seyn mag , ich eile sicher von Byzanz in deine Arme , und bringe dir meine Theophania . Mich führen die Angelegenheiten meiner Glaubensgenossen durch Dacien und Noricum , vielleicht sogar bis nach Britannien zu dem abendländischen Cäsar . Galerius Untergebene wüthen in den Provinzen , die seiner Macht anvertraut sind , ganz im Sinne ihres Gebieters gegen die Christen . Constantin hat vom Diocletian , der ihn seit einiger Zeit mit größerer Auszeichnung behandelt , ein Edict erhalten , worin das Verfahren bei den Untersuchungen , die Zwangsmittel und Strafen genauer bestimmt , und der Willkühr nicht mehr so viel Raum gelassen wird . Dies ist hauptsächlich für jene Provinzen bestimmt , in denen Galerius befiehlt . Nicht viel besser geht es jenen , die unter dem