war noch eitel , und genoß nun in der Verachtung , und wenn er vernichtete , war er in seinem Berufe . - Und bei allem dem so unglücklich ! - Oft hatte er helle Minuten , und das waren die traurigsten : was hatte er nur verbrochen ? daß die Welt so schlecht war , und er so vortrefflich - warum war er nicht wie die andern schlechten Menschen , unter deren Hand alles aufblühte , warum mußte er zerstören ? - Wenn er solche Momente gehabt hatte , gab er das Gold haufenweise an die Armen , oder setzte sich zu Pferd und ritt im Lande herum - denn das war ihm gleichviel . Man kannte ihn um ganz Oxford herum , denn er kehrte oft bei den adlichen Familien auf solchen Fahrten ein , weil er doch nicht lange mit der Natur allein sein konnte , die ihm die Wahrheit zu sehr sagte . - Bei diesen Gesellschaften nahm er manchem guten Fräulein die Ruhe , denn er legte es drauf an , und war ein schöner liebenswürdiger Mann . - In Oxford ging er mit ausschweifenden Mädchen um , und bekehrte , was andere verführt hatten , um sie auf eine richtigere Art zu verführen . Alle hielten ihn für einen sehr gefährlichen Mann , und fielen doch gerne in seine Schlingen , denn es waren die , in denen es Mode und gleichsam honett war , einmal gefallen zu sein - und es war auch bequem , denn er war diskret aus Hochmut . Er machte auf einer seiner kleinen Reisen die Bekanntschaft eines sehr schönen , in der ganzen Gegend als ein Wunder von Verstand bekannten Mädchens : auch sie war lange auf ihn begierig gewesen , sie war stolz , siegreich , und wußte nicht , wie sinnlich . Sie hatte es lange gewünscht , sich mit ihm zu messen , aber so hatte sie ihn nicht vermutet . Sie saß am Tische neben ihm , und koquettierte mit Todesangst , er aber war kalt , ohne allen Witz , beißend verständig , zerlegte ihre Reize und ihre Worte sehr ruhig vor der ganzen Gesellschaft , und sah dabei aus wie ein Engel der Güte - diese Gattung war seine Hauptstärke . - Das arme Mädchen war in der schrecklichsten Not , ihr ganzer Ruhm stand auf dem Spiel . Sie war daher fest entschlossen , ihn zu besitzen - und fing an , alle seine kalten Reflexionen , seinen edlen Spott mit einer scheinbaren Unschuld aufzunehmen und ihr Verstehen vor der Gesellschaft in sehr gefühlvollen Auslegungen zu entwickeln . Es tat seine Wirkung , die Gesellschaft , besonders die Weiber , welche sich anfangs gefreuet hatten , daß sie endlich doch da gescheitert sei , wo alle scheiterten , verstanden bald das Gespräch der beiden nicht mehr , und sahen nur mit Eifersucht die gelogene Zufriedenheit Mollys von Hodefield . - Godwi merkte das alles recht gut , und er war zu beschäftigt , seinen Ton fort zu halten und zugleich auf einen letzten vernichtenden Schlag zu sinnen , als daß er hätte empfinden können , wie liebenswürdig Molly war . - Aber ihr blieb heute der Sieg , denn sie stand schnell vom Tische auf , und sagte , daß sie zu einer Freundin müsse , die krank sei ; zugleich wendete sie sich , mit einer ziemlichen Vertraulichkeit zu unserm Spötter , und sagte unbefangen : » Ich hoffe , lieber Freund , Sie heute abend überzeugt zu haben , wie ich Sie sehr gut verstehen und wie ich gar nicht begreifen kann , daß man Ihren Grundsätzen einen so bösen Ruf gegeben - wahrlich , wenn Sie in Ihrer Güte fortfahren , mich so wenig zu besuchen , weil Sie glauben , es könne meinem Rufe schaden , so übertreiben Sie ; ich kann nicht begreifen , warum Sie mich nicht öfter besuchen sollten ; wir sind immer so ungestört als das letztemal , denn Sie wissen , ich bin allein und ganz mein Herr - Sie wackrer Mann , wie kann man Sie gefährlich nennen ? Es ist umgekehrt , Ihnen ist alles gefährlich ; doch ich verspäte mich , denken Sie an den Weg zu mir . « - Sie hatte Godwi nie gesehen , trat ihm dabei auf den Fuß , den er mit einem spottenden Nichtverstehn zurückzog ; aber das störte sie nicht , sie legte ihm freundlich die Hand auf die Schulter , und verließ die Stube . Ihm war ein solches Weib interessant , er hatte lange keinen so ehrenvollen Kampf gehabt - und er nahm es stillschweigend an . Ihre Sicherheit schien ihm nur Sicherheit , aber sie hatte ihn doch um ihre Verlegenheit betrogen . - Als sie weg war , war es nun seine Sache , die Anwesenden zu quälen ; er sprach deswegen mit Begeisterung von der Liebenswürdigkeit Mollys , und ließ nachher jede einzelne Liebenswürdigkeit für sich über die Klinge springen . - Neunundzwanzigstes Kapitel Den folgenden Morgen ritt er schon nach Mollys Landhaus . Als er an ihrem Garten vorbeikam , und sie in einer offnen Laube mit einem andern Frauenzimmer sitzen sah , rief er ihr zu : » Ich komme nun öfter « - und sprengte dem Tore hinein . Molly war sehr überrascht , ihn zu sehen , und wußte nicht , ob sie sich freuen oder bedauern sollte ; aber sie fühlte sich schon in den bezauberten Strom , den jede Liebe unter exzentrischen Umständen bildet , hingezogen . » Arme Molly ! ist dieser die Ursache deines Schweigens seit gestern « , sagte Kordelia6 zu ihr , und verließ sie . Godwi kam nun den Garten herauf , und da er sah , wie Kordelia Molly verließ , so beugte er um eine Allee herum , um ihr zu begegnen . Dies tat er , um Mollys Stolz zu mildern , indem er sie sehen ließ , daß er nahe bei ihr