sonst , wo er die höchsten an geträumte Wesen , die er immer gerade in die jedesmalige Form seines Herzens goß , nach Gefallen steigern konnte ; und wie in ihm ein niemand schonender Geist regiere , der jedem fremden die Flügel nach seinen eignen ausdehnen wolle , weil er keine Eigenheit dulde außer der kopierten . Er hatte bisher von allen seinen Geliebten zu wenig Widerstand erfahren , wie Liane zu viel ; beides schadet dem Menschen . Der geistige wie der physische wird ohne Widerstand der äußern Luft von der innern aufgeblasen und zersprengt , und ohne Widerstand der innern von der äußern zusammengequetscht ; nur das Gleichgewicht zwischen innerer Wehr und äußerem Druck hält einen schönen Spielraum für das Leben und sein Bilden frei . - Männer dulden ohnehin - da nur die besten an den besten Männern feste , starke Überzeugung achten - diese an Weibern schwer und wollen letztere nicht bloß zu ihrem Widerschein , sondern auch zu ihrem Nachhall haben . Sie wollen , mein ' ich , nicht bloß die Miene , auch das Wort bejahend . Albano bestrafte sich mit einigen Tagen freiwilliger Entfernung , bis die unreinen Wolken aus ihm weggezogen wären , die den Sonnenzeiger seines Innern verschattet hatten . Bin ich ganz heiter und gut , sagt ' er , so geh ' ich wieder zu ihr und irre nie mehr . Er irret jetzt ; ist ein fremder , unheimlicher Halbton einmal zwischen alle Harmonien zweier Wesen wiederkehrend durchgedrungen , so schwillt er immer feindlicher an und übertäubt den Grundton und endigt alles . Der Scheideton war hier die Stärke der männlichen Tonart neben der Stärke der weiblichen . Aber die höchste Liebe verwundet sich am leichtesten am kleinsten Unterschied . O , dann hilft es wenig , wenn der Mensch zu sich sagt : ich will mich ändern . Nur im schönsten , unverletzten Enthusiasmus setzt er sich es vor ; aber eben im verletzten , wo er kaum des Vorsatzes fähig wäre , soll er sich zur Erfüllung desselben heben und kann es schwer . Der Graf ging am Morgen wie gewöhnlich in seine Hörsäle und Sprachzimmer der Stadt . In den erstern war es ihm schwer , nach den Sternen der Wissenschaften seine Instrumente und Augen festzurichten und zu visieren , da er auf einem solchen Meere voll Bewegung ging . In den letztern fand er den Lektor kälter als sonst , den Bibliothekar wärmer , die Hauswirtsleute aufgeblasener . Er ging zu Roquairol , den er heute noch inniger liebte und behandelte , um gleichsam der beleidigten Schwester genugzutun . Karl sagte sogleich mit seinem tragischen schnellen Aufreißen des Vorhangs der Zukunft : » es sei alles entdeckt - - höchst wahrscheinlich ! « Sooft Liebende sehen , daß die seefahrende Welt ihre Kalypsos-Insel - die doch frei auf der offnen See daliegt - endlich in die Augen bekommt und die Segel darauf richtet : so verwundern sie sich zum Verwundern . Hat denn irgendein Paradies so weite und niedrige Staketen - so daß jeder Vorbeigehende hineinsehen kann - als ihres ? Schon längst hatten , erzählt ' er , die Doktors-Kinder immer etwas bei der Baumeisterin in Lilar zu holen , Blumen , Arzneigläser u.s.w. ; gewiß als Seh- und Hörröhre Augustis - dieser sei wieder der Operngucker seiner Mutter - kurz sein Vater sei wenigstens bei der Griechin gestern gewesen , hab ' aber zum Glück nur ein leeres Paket125 von Rabette an ihn ( Karln ) gefunden , das er nach den Freiheiten der ministerialischen Kirche auf- und zugemacht . » Warum zum Glück ? « ( sagte Albano ) » Ich werde meine Liebe vor der Welt rechtfertigen und ehren . « - » Ich bezog es auf mich , « ( versetzt ' er ) » denn nie war mein Vater freundlicher gegen mich , als seitdem er meine letzten Briefe erbrochen . Er ist diesen Nachmittag in Blumenbühl , und wohl mehr meinet- als der Schwester wegen . « Albano fürchtete nicht , daß die Stadt Minengänge unter sein Kindheitsland hintreiben könne , um etwa durch eine Flamme die glückselige Insel zu zersprengen - durft ' er nicht seinem Wert und Mut und Lianens ihrem trauen ? - aber es schmerzte ihn jetzt , daß er so unnütz der kindlichen Liane die Freude und das Verdienst einer kindlichen Offenherzigkeit genommen . Wie sehnt ' er sich nun nach dem abbüßenden und belohnenden Augenblick des ersten Wiedersehns , nach dem nächsten Morgen ! Er blieb bei seinem Freund wie bei einem Troste und ging erst zurück , als die Abendröte in den Regenwolken umherfloß . - Als er kam , fand er von Lianen schon einen Brief von heute : » O , guter Albano ! warum kamst du nicht ? Wie viel hatt ' ich dir zu sagen ! Wie hab ' ich Freitags deinetwegen gezittert , als die wütende Wolke dich mit ihrem Donner verfolgte ! Du hast mich zu sehr vom Schmerz entwöhnt , so fremd und schwer wird er mir nun . Ich war den ganzen Abend untröstlich , endlich fiel mir nachts noch dazu ein , daß du wie von Ahnungen beklommen gewesen und daß es gern ins Donnerhäuschen schlage . Warum bist du doch da ? Ich stürzte heraus und kniete neben meinem Bette und flehte Gott an , obgleich das Wetter längst verzogen war , daß er dich möge erhalten haben . Lächle über mein spätes Gebet ; aber ich sagte zu ihm : du wußtest es ja , Allgütiger , daß ich beten würde . Ich wurde auch getröstet , da ich die Sterne ansah , und der gebrochene Strahl der Wonne zitterte in mir . Aber am Morgen machte mich Rabette wieder traurig . Sie hat dich auf dem Wege weinen sehen . Tausendmal hab ' ich untersucht , ob ich daran schuld habe . Sollt ' es daher kommen - denn sie sagts - , daß ich dich mit