seines Lebens gewesen war , aber er sah auf den Mann , dessen Hand ihn aus dem Kerker geführt , der Leben und Freiheit daran gesetzt hatte , um ihm beides zurückzugeben – dann beugte er sich zu seiner Tochter nieder . » Wanda ! « sagte er leise . Wanda blickte zu ihm auf . Das Antlitz des Vaters war ihr nie so düster , so gramvoll erschienen , wie in dieser Minute . Sie war ja darauf vorbereitet gewesen , ihn verändert zu finden , aber so furchtbar hatte sie sich diese Veränderung nicht gedacht , und als sie jetzt in seinen Augen las , was ihm die Einwilligung kostete , da trat jeder eigene Wunsch zurück , und die Zärtlichkeit der Tochter flammte auf . » Jetzt noch nicht , Waldemar ! « flehte sie mit bebender Stimme . » Du siehst , was mein Vater gelitten hat und noch leidet . Du kannst nicht fordern , daß ich mich im Augenblick des Wiedersehens schon wieder von ihm trenne . Laß mich noch einige Zeit an seiner Seite , nur ein Jahr noch ! Du hast ihn vor dem Furchtbarsten bewahrt , aber er muß doch immer in die Fremde , in die Verbannung hinaus – soll ich ihn krank und allein gehen lassen ? « Waldemar schwieg . Er fand nicht den Mut , Wanda an das Wort zu erinnern , das sie ihm bei ihrem letzten Zusammensein ausgesprochen ; die gebrochene Gestalt des Grafen verbot jeden Trotz und sprach zugleich mächtig für die Bitte seiner Tochter , aber in dem jungen Mann bäumte sich jetzt der ganze Egoismus der Liebe empor . Er hatte so vieles gewagt , um die Geliebte zu besitzen , und nun ertrug er es nicht , daß man ihm den Preis noch länger versagte . Finster , mit zusammengepreßten Lippen sah er zu Boden , als plötzlich die Fürstin dazwischen trat . » Ich will die Sorge um den Vater von dir nehmen , Wanda , « sagte sie . » Ich gehe mit ihm – – « Die drei andern fuhren in höchster Ueberraschung auf . » Wie , Jadwiga ? « fragte der Graf , » du wolltest mit mir gehen ? « » In die Verbannung , « vollendete die Fürstin mit fester Stimme . » Sie ist uns beiden ja nicht fremd , Bronislaw ; wir haben sie lange Jahre hindurch gekostet – wir nehmen das alte Schicksal wieder auf uns . « » Niemals ! « rief Waldemar auflodernd . » Ich gebe es nicht zu , daß du mich jetzt verläßt , Mutter . Die Kluft zwischen uns ist endlich ausgefüllt ; der alte Streit begraben . Dein Platz ist fortan in Wilicza bei deinem Sohne . « » Der soeben dabei ist , seinen Gütern mit eiserner Hand den Stempel des Deutschtums aufzuprägen ! « Es lag ein furchtbarer Ernst in dem Tone der Fürstin Baratowska , als sie ihn mit diesen Worten unterbrach . » Nein , Waldemar , du unterschätzest die Polin in mir , wenn du meinst , ich könnte noch ferner in Wilicza bleiben , in dem Wilicza , das jetzt unter deiner Hand auflebt . Ich habe dir spät , aber ganz die Liebe der Mutter gegeben und werde dir diese Liebe bewahren , auch wenn wir voneinander scheiden , auch in der Ferne und wenn wir uns bisweilen wiedersehen , aber an deiner Seite leben und Tag für Tag sehen , wie du alles zu Boden wirfst , was ich mühsam gebaut habe , in deinen deutschen Kreisen meine ganze Vergangenheit verleugnen und jedesmal , wenn der Gegensatz zwischen euch und uns wieder hervortritt , mich deinem Machtwort beugen , das , mein Sohn , kann ich nicht ; es wäre mehr , als ich mit aller Willenskraft zu leisten vermöchte . Das würde unsre kaum geschlossene Versöhnung wieder zerreißen , würde den alten Streit , die alte Bitterkeit wieder wachrufen . Also laß mich gehen – es ist das beste für uns beide . « » Ich habe nicht geglaubt , daß diese Bitterkeit sich selbst in diese Stunde drängen würde , « sagte Waldemar mit leisem Vorwurf . Die Fürstin lächelte schmerzlich . » Sie gilt nicht dir ; sie gilt dem Schicksal , das uns zum Untergang verurteilt hat . Ueber die Baratowski wie über die Morynski hat es den Stab gebrochen . Mit Leo ging das edle Polengeschlecht zu Grabe , das jahrhundertelang in der Geschichte unsres Volkes geglänzt hat . Auch mein Bruder ist der Letzte seines Stammes , Mit Wanda erlischt sein Name , und er erlischt jetzt in dem deinigen . Wanda ist jung ; sie liebt dich ; sie wird vielleicht überwinden lernen , was uns beiden unmöglich ist . Euch gehört ja das Leben und die Zukunft – wir haben nur noch die Vergangenheit . « » Jadwiga hat recht , « nahm jetzt auch Graf Morynski das Wort . » Ich darf nicht bleiben , und sie will es nicht . Ihr hat die Verbindung mit deinem Vater kein Heil gebracht , Waldemar , und mir ist es , als könnten ein Nordeck und eine Morynska überhaupt kein Glück miteinander finden . Auch zwischen euch liegt der unselige Zwiespalt , der deinen Eltern so verhängnisvoll geworden ist , auch Wanda ist ein Kind ihres Volkes und kann das Blut dieses Volkes nicht verleugnen , so wenig wie du das deinige . Es ist ein Wagnis , das ihr mit dieser Ehe auf euch nehmt , aber ihr habt es gewollt – ich widerstrebe nicht länger . « Es war keine frohe Verlobung , die das junge Paar feierte . Die angekündigte Trennung von der Mutter , die düstere Resignation des Vaters und seine Warnung warfen einen tiefen Schatten über die Stunde , die sonst so sonnenhell zu sein pflegt für zwei jugendliche Herzen . Es schien wirklich , als sollte dieser Leidenschaft , die sich durch so