. Es war jedes an seinem Platze . Sie hatte die Witwe des verunglückten Franz mit ihren Kindern bei sich behalten und ihr ein Asyl in einem neuhergerichteten , kleinen Seitengebände der Mühle für zeitlebens angewiesen . Die Frau besorgte mit Suse zusammen nach wie vor , die kleine zur Mühle gehörige Oekonomie und das Hauswesen , und die Kinder erhielten eine Ausbildung , wie sie ihr verstorbener Vater , der mehr auf die materiellen Errungenschaften bedacht gewesen war , sicher nie bewerkstelligt hätte . Von der großen Hinterlassenschaft des Schloßmüllers war Käthe in der That nichts verblieben , als die Mühle und einige Tauseud Thaler , die sie mit dem Stück Gartenboden zugleich von ihrem Vormunde erbeten und erpreßt und den Arbeitern zu ihrem Häuserbau geliehen hatte . Die vielen Hunderttausende waren in den Flammen spurlos verschwunden , und das wenige Gold und Silber , das man geschmolzen später unter Schutt und Trümmern fand , rührte wohl eher von Eßgeräth und Trinkbechern her , als von Münzen . Bei dem auf die Explosion folgenden geschäftlichen Zusammensturze kamen viele Gläubiger , trotz der vorhandenen Liegenschaften und Werthobjekte , um ihr Geld ; der Konkurs erwies sich als einer der schlimmsten hoffnungslosesten , die der große Krach hinter sich herschleppte . Villa und Park waren wieder in altadlige Hände gekommen , und der neue Besitzer ließ schleunigst die Turmtrümmer forträumen das Wasser in den Fluß zurückleiten und den Graben zufüllen ; selbst der geborstene Hügel wurde der Erde gleich gemacht , auf daß der ehemals ritterliche Grund und Boden durch Nichts mehr an die Zeit erinnere , wo sich der Uebermut eines Parvenü hier breit gemacht und ein schmachvolles Ende genommen habe . Auch der alte , ehrwürdige Holzbogen , der nach dem Hause am Flusse führte , war abgebrochen worden . Man ging jetzt über die der Spinnerei nahegelegene Steinbrücke und einen hübschen Fußweg am jenseitigen Ufer entlang , wenn man nach dem Doktorhaus kommen wollte . Das Haus , das im Spätherbste noch vollstäudig restauriert worden war , staud unbewohnt ; die alte Freundin der Tante Diakonus war den Winter über in der ehemalige Stadtwohnung des Doktors verblieben und wollte erst mit Beginn der schöneren Jahreszeit wieder hinausziehen . . . Dorthin wanderte Käthe fast jeden Tag . Ob die Herbstnebel dampften , und Weg und Steg von Nässe triefen mochten , ob die Schneeflocken stöberte oder der Wind eisig von Norden herblies sowie die Abenddämmeeng hereinbrach , warf Käthe die Feder sort , hüllte sich warm ein und huschte hinaus ins Freie . . . . Da schüttelte sie die Zahlenlast , das starre , trockene Geschäftswesen , unter welchem sie ihr heißes , klagendes Herz geflissentlich vergrub , für eine halbe Stunde ab ; dann war sie nicht die ernste , geschäftspünktliche Herrin , deren achtsamem Auge nicht die kleinste Unregelmäßigkeit entging , die an sich und ihre eigenen Leistungen die höchste Forderung stellte , und in weiser Verteilung von Lob und Rüge dasselbe bei ihren untergebenen zu erzielen wußte , ohne daß je ein hartes Wort von ihren Lippen , ein heftig zürnender Blick aus ihrem Auge kam -- sie war in diesen Dämmerstunden nur das junge Mädchen , das seiner tiefen Sehnsucht Raum gab , das , bei aller Härte und Strenge gegen seine unbezwingliche Neigung , sich doch Momente der wehmüthigen Träumerei , der Hingabe an den Schmerz zugestand . Dann trat sie durch die schmale , knarrende Staketthür , die ins Feld hinausführte und auf welche sie , Henriette auf den Armen , nach dem Attentat im Walde todesermattet zugeschritten war . Im Vorübergehen strich sie stets mit schmeichelnder Hand über das grünangelaufene Steinpostament , inmitten des Rasengrundes , neben welchem sie einmal mit Bruck gestanden , und suchte dann die Stelle aus , wo der Gartentisch postiert gewesen war -- dort hatte Bruck nun ihretwillen schwer gelitten -- das wußte sie nun . Sie umging das einsame Haus mit seinen verrammelten Fensterläden , seinen neuen , ungeheizten Schlöten und schnarrende Wetterfahnen und stieg die schlüpfrigen , winternassen Stufen hinauf , um das Ohr an das Schlüsselloch der Hausthür zu legen . Jenes schwache , scheinbare Seufzen , das der von dem geöffneten Bodenraum herabkommende Zugwind verursachte , schlich durch die weite Hausflur ; neben und über der Thür rasselten dürre Weinranken , und manchmal flog noch ein verspäteter Spatz unter den Dachvorsprung -- das war alles Leben , welches sich in der Verlassenheit regte , und doch horchte das junge Mädchen begierig darauf ; es war doch nicht Grabesstille , und das Recht , diese Thür wieder zu öffnen , lag ja noch in geliebte Hände , und eines Tages wurden auch wieder Schritte laut da drinnen und liebe Gesichter sahen zu den Fenstern heraus -- das war ja Alles festgestellt , wenn Käthe sich auch dabei sage mußte , daß sie selbst dann stets verreisen werde , bis Bruck einmal ein weibliches Wesen am Arme führte , in dessen Hand sie den Ring legen durfte . Er mochte wohl vielumworben sein in L ..... g. Der Ruf seines Namens wuchs von Tag zu Tag ; eine große , auserwählte Zuhörerschaft drängte sich zu seinen Vorlesungen , und die Nachricht von verschiedenen glücklichen Kuren , denen er hervorragende Persönlichkeiten unterworfen hatte , machte die Runde durch die Welt . Die Briefe der Tante Diakonus an Käthe -- sie schrieb ihr sehr oft -- atmeten Glück und Seligkeit ; sie waren für das junge Mädchen eine Quelle des Genusses , aber auch furchtbarer , neuaufgerüttelter Seelekämpfe , und deshalb antwortete sie ziemlich sparsam und zurückhaltend . Der Doktor selbst schrieb nicht -- er hielt streng an seinem Versprechen fest , sie nie zu bestürmen -- und begnügte sich stets mit einem Gruße , den sie freundlich und pünktlich erwiderte . So verlies ihr junges , einsames Leben Tag für Tag . Sie ahnte nicht , daß man sich in der Stadt viel mit ihr beschäftigte , daß sie jetzt , nach ihrer energisch