war so angenehm . Es giebt kein größeres Glück als das , von seinen Nebenmenschen geliebt zu werden und zu fühlen , daß deine Nähe ihre Freude und ihr Wohlbehagen nur erhöht . An diesem Abend war ich entschlossen , meine Augen vor der Zukunft zu schließen . Ich wollte nicht auf die mahnende Stimme hören , die mich vor der nahenden Trennung und künftigem Kummer warnte . Als die Theestunde vorüber , und Mrs. Fairfax ihr Strickzeug genommen , ich mich auf einen niedrigen Sessel ihr zur Seite gesetzt hatte , und Adele , welche auf dem Teppich kniete , sich dicht an mich schmiegte , schien ein Bewußtsein gegenseitiger Liebe uns wie mit einem goldenen Ringe zu umschließen , und ich sandte ein stilles Gebet zum Himmel , daß unsere Trennung nicht zu nahe bevorstehend sein möge . Als wir noch so saßen , trat Mr. Rochester unangemeldet ein . Er blickte uns an und schien Freude an dieser glücklichen Gruppe zu finden . Dann sagte er , die alte Dame fühle sich jetzt , wo sie ihre Adoptivtochter wieder habe , hoffentlich ganz glücklich und fügte hinzu , daß er sähe wie Adele » prête à croquer sa petite maman anglaise « sei ( bereit sei ihre kleine , englische Mama aufzuessen ) . – Da bemächtigte sich meiner der Wunsch , daß er uns auch noch nach seiner Heirat irgendwo unter seinem Schutze möchte beisammen sein lassen und uns nicht ganz aus dem Sonnenschein seiner Gegenwart verbannen . Vierzehn Tage zweifelhafter Ruhe verflossen nach meiner Rückkehr von Gateshead . Von der Heirat unseres Herrn wurde nicht gesprochen und ich gewahrte auch keine Vorbereitungen , die auf ein so nahe bevorstehendes Ereignis hätten schließen lassen können . Fast täglich fragte ich Mrs. Fairfax , ob sie irgend etwas Bestimmtes gehört habe , und immer lautete ihre Antwort verneinend . Einmal sagte sie , daß sie Mr. Rochester geradezu gefragt habe , wann er seine junge Frau nach Hause zu bringen gedenke ; er hatte ihr aber nur mit einem Schlagworte und einem seiner seltsamen Blicke geantwortet , und jetzt sei sie ebenso klug wie zuvor . Was mich aber ganz besonders in Erstaunen setzte , war , daß es kein Hin- und Herreisen gab , keine Besuche in Ingram-Park . Allerdings lag diese Besitzung zwanzig Meilen entfernt , auf der Grenze einer andern Grafschaft , aber was bedeutete diese Entfernung für einen begeisterten Liebhaber ? Für einen so geübten und unermüdlichen Reiter wie Mr. Rochester , war dieser Weg doch nur ein Morgenritt . Ich begann Hoffnungen zu hegen , zu denen nichts mich berechtigte , ich hoffte , daß die Verbindung abgebrochen , daß das ganze Gerücht ein falsches gewesen , daß einer oder gar beide anderen Sinnes geworden . Ich pflegte das Gesicht meines Herrn zu prüfen , ob es trotzig ober traurig sei ; aber ich konnte mich der Zeit nicht entsinnen , wo es so ungetrübt klar und ruhig gewesen wie gerade jetzt . Wenn ich in den Momenten , wo ich und meine Schülerin mit ihm zusammen waren , verstummte und in eine nicht zu bekämpfende Traurigkeit versank , konnte er sogar laut und fröhlich werden . Niemals hatte er so oft und andauernd meine Gesellschaft verlangt : niemals war er gütiger und liebevoller gewesen – ach ! und niemals hatte ich ihn inniger geliebt ! Drittes Kapitel . Eine herrliche Mittsommerzeit war über England gekommen . Gar selten sonst wird unser wogenbespültes Land mit einem so klaren Himmel , einem so strahlenden Sonnenschein beglückt , wie wir ihn jetzt ununterbrochen hatten . Es war , als ob eine Menge von italienischen Tagen wie eine Schar prächtiger Zugvögel vom Süden heraufgekommen wäre und sich , um auszuruhen , auf den Felsen Albions niedergelassen hätte . Alles Heu war hereingebracht . Die Wiesen um Thornfield waren grün und kurz geschoren ; die Landstraßen waren hell und staubig , die Bäume prangten in dunklem Grün . Hecken und Bäume in ihrem vollen dunklen Blätterschmuck kontrastierten auf das prächtigste mit den hellen Matten , auf welchen sie standen . Am Johannisabend war Adele , die den ganzen Tag wilde Erdbeeren in Havlane gesucht und daher zu Tode ermüdet war , mit der Sonne schlafen gegangen . Ich hatte ihr zugesehen , wie sie einschlief . Dann verließ ich sie und ging in den Garten . Es war die süßeste von allen vierundzwanzig Stunden . Das glühende Feuer des Tages war erloschen , und auf die lechzende Erde und die durstigen Hügel fiel der wohlthätige Thau . Wo die Sonne in ihrer einfachen Pracht untergegangen war , ohne sich mit dem Pomp der Wolken zu umgeben , zog sich ein feierlicher , roter Streifen hin , in dem es hier und da funkelte wie das Feuer eines köstlichen Edelsteins oder die Flamme eines lodernden Hochofens . Hoch und weit , schwächer und schwächer werdend , zog er sich über den halben Horizont . Im tiefblauen Osten stieg ein einziger Stern empor , bald sollte ihm der Mond folgen ; jetzt war er noch unter dem Horizont . Während einiger Minuten ging ich auf der gepflasterten Terrasse hin und her ; aber bald drang ein wohlbekannter Duft – der einer Cigarre – aus einem der geöffneten Fenster ; ich bemerkte , daß die Fensterthür des Bibliothekzimmers ungefähr eine Handbreit geöffnet war , und ich wußte , daß man mich von dort aus möglicherweise beobachten konnte ; deshalb ging ich hinunter in den Obstgarten . Im ganzen Park kein Winkel , der sich an Ruhe und paradiesischer Schönheit mit diesem hätte vergleichen können ; die schattenreichsten Bäume , die duftendsten Blumen wuchsen hier ; eine sehr hohe Mauer trennte ihn von dem Wirtschaftshofe an der einen Seite , an der andern verdeckte eine Buchenallee den großen dahinter liegenden Grasplatz , Am äußersten Ende war ein zerfallener Zaun , die einzige Scheide zwischen den einsamen Kornfeldern ; zu diesem Zaun führte ein gewundener Fußpfad , an welchem Lorbeerbäume sich