nur einigermaßen zu beschreiben . Darum unterlasse ich das jetzt , zumal ich später , wenn ich » Winnetous Testament « veröffentliche , auf dieses Haus und seine Räume zurückzukommen habe . Mit welchen Gefühlen ich die drei nebeneinanderliegenden Stuben betrat , welche den Zweck gehabt hatten , Winnetou zum eigentlichen Gebrauch zu dienen , kann man sich wohl denken . Links lag die Schlafstube . Hieran stieß die bedeutend größere Wohnstube . Hierauf folgte die ebenso große Arbeitsstube . Aus jedem dieser drei Räume konnte man hinaus auf den Balkon treten , um die herrliche Aussicht , die sich da bot , zu genießen . In der Schlafstube gab es ein sehr weiches , sehr hohes und außerordentlich sauberes Lager von Fellen und Decken . Hierzu einige Wassergefäße zum Waschen und Trinken , weiter nichts . Die Wohnstube war halb europäisch , halb indianisch eingerichtet . Es gab niedrige und hohe Sitze , niedrige und hohe Tische . Auf diesen Tischen lag und an den Wänden hing gar mancher Gegenstand , den ich kannte , weil er von mir stammte . Darunter zwei Photographien , die ich für gut getroffen gehalten hatte . Jetzt waren sie ziemlich verblichen . An der einen Wand hingen wohl gegen 20 Blätter mit Versuchen , diese Photographien nachzuzeichnen . » Er muß dich doch sehr , sehr lieb gehabt haben ! « sagte das Herzle , indem sie diese Blätter eingehend betrachtete . » Seine Hand ist nicht talentlos gewesen . Er traf , war aber ungeübt , noch nicht einmal Schüler ! Es ist das so außerordentlich rührend ! « In der Arbeitsstube stand - - ein Schreibtisch , ja , wirklich ein Schreibtisch , mit Kästen , Federn , Tinte und vielem Papier . Die Tinte war eingetrocknet . Hier hatte er , der Herrliche , sich im Schreiben geübt . Hier war er , der Bändiger der wildesten Pferde , der Meister im Gebrauche einer jeden Waffe , auf die Jagd nach orthographischen Schnitzern gegangen ! Mein lieber , lieber , mein einziger Winnetou ! Und hier hatte er die bedeutsamsten Kapitel seines » Testaments « geschrieben , dessen Veröffentlichung mir übertragen worden ist ! Auch anderes hatte er hier gearbeitet , mit Messer und Zange , mit Hammer und Feile , sogar mit Nadel und Zwirn ! Nichts war ihm zu niedrig und zu klein gewesen . Sogar eine Ledermappe zu machen , hatte er versucht . Als ich sie öffnete , lag ein einziges Blatt darin . Darauf stand in großen Buchstaben geschrieben : » Charly , mein Charly , wie liebe ich Dich ! « Und als ich es umwendete , war auch die andere Seite beschrieben , doch klein und wie mit zitternder Hand : » Charly , ich sterbe für Dich . Ich weiß es , ich weiß es ! Dein Winnetou . « Intschu-inta stand dabei und sah , daß das Herzle , als wir das lasen , weinte . Auch mir stand ein Tropfen im Auge . Er , der starke Mann , drehte sich um und fuhr sich mit der Hand ins Gesicht . » Es ist hier alles so sauber ! Grad als ob er erst vor einer Stunde hier gewesen sei ! « sagte sie . » Wer hat hier auf Ordnung gehalten ? Wer hat gewischt ? « » Ich , « antwortete er . » Wann ? « » Jeden Tag . « » Seit wann ? « » Seit er zum letzten Male hier war . « » Diese lange , lange Zeit ? Jeden Tag ? Trotzdem er nicht mehr kommen konnte ? Trotzdem er nicht mehr lebte ? « Da schüttelte er leise den Kopf , lächelte ebenso leise und antwortete : » Er sagte stets , es gäbe keinen Tod ; das habe ihm sein Bruder Shatterhand versichert . Und ich glaubte ihnen beiden . Ich glaube es auch noch heut . « Er strich mit der Hand über den Lederanzug , der da an der Wand hing , und fuhr fort : » Diese Leggins und diese Jacke trug er stets , wenn er die Absicht hatte , die Wohnung nicht zu verlassen . Bin ich hier allein , so ist es mir oft , als höre ich die Lederfalten dieses Anzuges rauschen . War das Winnetou ? Ging er unsichtbar hinter mir vorüber ? Wenn ich hier eintrete , ist es mir oft , als stehe er da draußen auf dem Altane , die Hände gefaltet , um zu beten , wie er zu tun pflegte , wenn ihn eine Sehnsucht oder ein Leid bewegte . Er nannte mich seinen Freund ; ich aber war stolz darauf , mich seinen Diener nennen zu dürfen . Ich legte ihm die Hände unter die Füße und wäre tausendmal gern für ihn gestorben . Aber er hat sterben müssen . Denn nicht sein Leben , sondern sein Tod hat alle Stämme der Apatschen und alle roten Völker aufgeschreckt , doch endlich die Augen zu öffnen und einzusehen , wie köstlich das Leben eines einzelnen Menschen ist , um wie viel köstlicher und unersetzlicher also das Leben einer ganzen Nation , einer ganzen Rasse ! Wir waren blind . Wir sind nun sehend geworden ! Wie habe ich ihn lieb gehabt , wie lieb , wie unendlich lieb ! « Und plötzlich stand er vor mir , faßte meine Hand und bat : » Nimm seine Stelle ein ! Nimm sie ein ! Nicht nur hier im Hause , sondern auch hier bei mir ! « Er klopfte sich an die Brust . Dann nahm er auch das Herzle an der Hand und fuhr fort : » Und dich flehe ich an , sei uns Nscho-tschi ! Sprich zu den Frauen , die sich hier versammeln wollen ! Führe sie nicht zu Worten , sondern zur Tat ! Tatellah-Satah ist Priester , aber nicht Krieger . Bedenkt das wohl ! Darum war es die Sehnsucht unseres