Da kommt mir schauerlicher Rat , und bitter lach ich auf : » Hilf du mir , Meuchelmörder , der du dies Arge angerichtet ! Hilf dein Opfer heraufziehen ! « Und mit grimmer Laune führ ich den Plan aus : Während Giacomini an des Strickes einem Ende befestigt bleibt , schling ich das andere Ende um Zetteritz . Wieder oben , geb ich dem Meuchelmörder einen Tritt , daß er in die Schlucht gleitet und am gestrafften Strick , der über die Rolle geht , als Gewicht schwebt . Ist seine Schwere auch nicht groß , so hilft sie doch , hinabsinkend , Zetteritz emporziehen . Wie ich Giacomini zum zweitenmal hoch gebracht habe , befällt mich Zittern , und ich muß niedersitzen , mich zu erholen . Endlich schleife ich die beiden Körper aus der Höhle ans Tageslicht . Auch jetzto find ich an ihnen weder Hauch noch Puls . Da brech ich Tannenzweige und decke mit Grün das grausige Bild . Den Tag brachte ich nun mit des Oheims Pflege hin . Beerenwein , den ich ihm einflößte , schluckte er , und es schien um etliches besser mit ihm zu werden . Gegen Abend sank ich in Schlaf , wachte aber mitten in der Nacht auf und lag schlummerlos . Gebieterisch verlangte etwas in mir , daß ich mein Leben überdenken und Rechenschaft ablegen solle . Auch diesmal suchte mich heim ein guter Geist . Waldhäuser war ' s ; er redete in seiner Treue : » Das liegt nun hinter dir , Johannes . Laß gut sein ! Das Beste bleibt dir ja : der Schatz der Ewigkeit ! Doch wisse : Willst du ihn haben , so mußt du ihn heben , mußt dein Teil dazu beitragen . Also ist einem jeglichen Menschenkinde verordnet . Denk an die wahre Alchymie und wandle deines Herzens Trachten zu Golde um . Warst bisher in dieser Kunst ein Stümper . Was dir noch fehlte , war Enttäuschung . Soll sich die Seele vom Nichtigen wenden , muß sie bitter davon enttäuscht sein . Nun hast du ja solche Bitterkeit . Eine Hölle hat dir das gleißende Metall bereitet . Drum sage dich los vom Götzen Mammon . « Ich schluchzte , Waldhäuser begütigte , mein Herz ward still und fest . » Ich folge dir , Meister « , gab ich zur Antwort , » ich sage mich los vom Schatz , will nur noch davon eine Spende an die armen Gebirgler tun , daß sie ihre zerstörten Hütten aufbauen können . « Waldhäuser hub abwehrend die Hand : » Nicht doch , Johannes ! Hüte dich , der Habgier Gift noch fürder in deines Nächsten Herz zu säen . Hast du denn nicht am Italiener gesehn , wie der Durst nach Golde die Seele zur Hölle bereitet ? « Sorgenvoll wandte ich ein : » Soll denn das Menschenkind gar keine Habe sammeln und dürftig bleiben sein Leben lang ? « - » Denk an des Heilands Warnung vor dem Reichtum . Den Armen fällt es leichter , selig zu werden als jenen , so ihre Seele an den gleißenden Staub verloren . « - Ich fand noch immer keine Klarheit und meinte mutlos : » Hast du denn nicht selber Geld empfangen von deinen geheilten Patienten ? « - » Freilich , mein Kind , « erwiderte Waldhäuser mit stillem Lächeln ; » aber dies Geld war nicht seelenlos . Unterscheide zwischem totem Gelde und lebendigem . Eine Seele hat jedes Gut , das du erworben hast in redlicher Arbeit für Menschenwohl . Wenn du aber einen vergrabenen Schatz findest , so ist es nicht viel besser , als habest du ihn geraubt . Kein Recht hast du darauf , es fehlt ihm ja die Seele , die dein Schaffen verleiht . Schatzgräber und Goldmacher , Diebe und Räuber erstreben ungerecht Gut , wollen Macht und Lust erlangen , ohne sie zu verdienen . An solchem Gute haftet nicht Segen , sondern Fluch . Verbanne deshalb den Dämon der Abendburg , senke das Gold in unerreichbare Tiefe . Auf , Johannes ! Es gilt ! Deines Lebens Wende ist gekommen und die Stunde , da dir die wahre Goldmacherei gelingen soll . « O schicksalreiches Jahr 1635 ! Seit deinem Johannistage hast du mir absonderlichen Anlaß gebracht , das Hinsterben der Staubgeschöpfe zu beseufzen . Bei welkenden Blumen und vergilbenden Halmen , im Birkenhain , wo schon falbe Läublein taumelten , sah ich manchen Schatten der Unterwelt , mir bekannte Menschen , vom Schnitter Tod gemäht . Und im Septembersturm , im Rauschen des geschwollenen Baches stöhnte die Losung » Vorüber ! « Gedemütigt , vom Gold enttäuscht , einsam mit dem schwerverwundeten Oheim hausete ich bei Gräbern und Ruinen . Mit ihrem Leben hatten die meisten meiner Freunde dafür gebüßt , daß sie mir gefolgt waren . Tot war Segebodo , tot Dreßler , tot der ganze Kern meiner Mannschaft . Verlaufen hatte sich der Rest , dem Verrate hingegeben ein Teil meiner Söldner . Tobias hatte nach hitzigem Wundfieber unter meiner Pflege zwar neue Rüstigkeit des Leibes gewonnen , doch aus dem Kopfschaden eine Schwäche des Verstandes davongetragen . Tot war der ungestüme Ritter Zetteritz , tot auch sein Mörder Giacomini . Zu Asche gebrannt die eifersüchtige Berthulde , wie auch das unschuldige Opferkindlein . Und du , meine Thekla ? Warum mußtest du dem Messer der Rasenden verfallen ? Keine Königin hab ich an meiner Seite ; zerbrochen ist der Thron des neuen Reiches , zerstoben mein Traum von Minneglück , von Herrschermacht und gloriosen Taten . Und hilflos weiter stöhnet das arme Vaterland , blutig , zertreten ... Vorüber , vorüber ! Ach , wo sind denn nun jene Helden , einst wie Götter von mir angestaunet ? Wo ist der königliche Leu aus Mitternacht , zu dessen Fahne ich geschworen ? Wie ein Triumphator durch Teutschland gezogen , hat er sich bei Lützen die Mordkugel geholt . Und seine Gegner