ihr liegen konnte . Acht Träger wechselten einander ab . So brachten wir ihn bequem und leicht bis auf den Landesteg , und da die See so ruhig war , wie wir nur wünschen konnten , ging auch die Einschiffung in einer Weise von statten , von welcher Waller nicht im geringsten angegriffen wurde . An Bord angekommen , sah ich nun , was Raffley und Tsi mir noch gar nicht gesagt hatten . Nämlich John , der liebe , liebe , prächtige Mensch , hatte dem Kranken seine eigene Kajüte überlassen . Sie war ausgeräumt und in ein Pflegezimmer verwandelt worden , wie man es sich besser , bequemer und gesünder gar nicht denken konnte . Nur das Porträt mit seinem duftenden Blumenrahmen war geblieben , eine Aufmerksamkeit oder vielmehr ein Opfer , dessen Größe nur mit der Herzensgüte Raffleys zu vergleichen war . Wo dieser wohnte , sah ich jetzt noch nicht ; wir Anderen aber hatten alle dieselben Räume wieder , in denen wir vorher untergebracht gewesen waren . Als Tsi sich in Penang zu uns gesellt hatte , war nicht daran zu denken gewesen , daß er für eine längere Zeit der Gast der » Yin « sein werde . Er verlor kein Wort darüber , ob seine Bereitwilligkeit ihm Störungen bringe oder gar ihm Opfer auferlege , und bat nur darum , daß wir wieder drüben anlegen möchten , damit er für kurze Zeit an das Land gehen könne , um Briefe auf die Post zu geben und seine dortigen Angelegenheiten zu ordnen . Dieser Wunsch wurde ihm natürlich erfüllt ; dann gingen wir sofort nach Singapore , wo eine reichliche Menge Masut , welches in Penang nicht zu haben gewesen war , für die Feuerung aufgenommen wurde . Hierauf ging es auf der Hongkong-Linie dem geheimnisvollen Norden zu . Ich nenne ihn geheimnisvoll , weil er es für uns war . Außer Raffley wußte Niemand , wohin wir gingen , und dieser zeigte , gegen seine sonstige offene Art , keine Geneigtheit , uns Auskunft zu erteilen . Als Mary Waller zwei Tage , nachdem wir Singapore verlassen hatten , bei Tafel eine hierauf bezügliche Frage an ihn richtete , antwortete er : » Bitte , Mylady , lassen Sie das für einstweilen noch mein Geheimnis bleiben ! Ich werde gewiß dafür sorgen , daß Jeder von uns sein besonderes Ziel erreicht ; vorher aber haben wir ein gemeinschaftliches , für welches wir hier wie von einer gütigen Fee zusammengeführt worden sind . Folgen wir ihr mit dem Vertrauen , auf welches solche höhere Wesen Anspruch haben ! « Sein Wunsch wurde natürlich beachtet und dieses Thema also nicht wieder als Gesprächsgegenstand behandelt . Umsomehr wendete sich unsere Aufmerksamkeit dem Befinden des Kranken zu , welches uns ganz selbstverständlich im höchsten Grade interessierte , zumal es sich dabei um ganz eigenartige , rätselhafte Zustände handelte . Nur der junge Arzt schien die Lösung dieser Rätsel zu kennen . Er war so froh , sie in seine Hand gelegt zu sehen , so heiter , so zuversichtlich ; er kam mir fast wie eine glückliche Mutter vor , welche mit unendlicher Liebe das körperliche und geistige Werden ihres Kindes überwacht . Sein Vertrauen teilte sich auch Mary mit . Beide waren in der Pflege des Vaters eng vereint ; sie schienen unzertrennbar zusammen zu gehören , und der Gedanke , daß sie einander früher nicht gekannt hatten , wollte mir mit jedem Tage fremder werden . Man spricht von Seelen , welche sich , und seien sie räumlich noch so weit getrennt , ganz unbedingt auf Erden finden müssen , von Wesen , welche einst vereinigt waren und sich wieder zu vereinigen haben . Wer kann wohl sagen , ob das ein Aberglaube sei ? Es ist gewißlich wahr , daß um Genesende sich eine Atmosphäre bildet , welche ethisch reinigend und veredelnd wirkt . Es gab an Bord , selbst unter der Schiffsbemannung , keinen einzigen rohen Menschen , und doch fühlte Jeder von uns in sich das Streben , recht lieb und gut zu sein , als ob er es bisher noch nicht gewesen wäre . Ich sah einmal ein Gemälde , welches einen Rekonvaleszenten zeigte , hinter dem , von ihm und seiner Umgebung ungesehen , ein Engel stand , welcher sie alle segnete . Der Künstler hatte es verstanden , der von mir erwähnten Erfahrung so , wie die wahre Kunst es will , Gestalt zu geben . Eine solche segnende Engelshand schien auch über uns zu walten . Wir sahen sie nicht , aber ein Jeder wußte , daß der warme , weiche und Allen bemerkbare Hauch der Liebe und des Friedens von der Stelle ausging , an welcher der im Rauch und Qualm und Ruß des brennenden Tempels verschwundene Geist durch einen neuen , friedlich denkenden ersetzt werden sollte . Was habe ich da gesagt ! Ein Geist sei zu ersetzen ! In einem und demselben Körper ! Durch einen neuen , einen vollständig andern ! Diese Gedanken beschäftigten nicht nur mich , sondern auch Raffley und den Uncle . Den Letzteren ganz besonders , weil es ihm als unmöglich erschien , sie zu begreifen . Er kannte nur die veraltete Ansicht der Psychologen , daß jeder Mensch einen ganz besonderen , nur ihm zugehörigen und also durchaus individuellen Geist besitze , den er nicht eher als nur erst mit dem Tode » aufgeben « könne . Er wußte zwar , daß es tausende und abertausende von Menschen gegeben hat , die anderen Sinnes , also anderen Geistes geworden sind , war aber überzeugt , daß diese Aenderung mit dem alten , bisherigen Geiste vorgegangen sei , nicht aber darin bestehe , daß sich ein vollständig anderer und neuer eingestellt habe . Er sagte da : » Das wäre ja eine wunderbar praktische und höchst vortreffliche Einrichtung , wenn sich jeder Mensch nach Belieben einen neuen Geist besorgen könnte , so ungefähr zum Beispiele , wie man sich eine