das Verlangte zu holen . Ich war nun mit Syrr allein und begann , mich bei ihm einzuschmeicheln . Fast hätte ich mit der bekannten Redensart gesagt - ihm seelisch näher zu treten . Ich strich ihm leise das Haar , nicht Mähne oder Schwanz , sondern nur das kurze , und zwar genau in der Richtung , in der es lag . Wo es einen Bogen machte , folgte auch ich ihm mit der Hand . Wo sich bei Gliederbeugen zwei verschiedene Haarrichtungen begegneten , beachtete ich das wohl und folgte mit einer Hand der einen , mit der zweiten Hand der andern . Wo ein Wirbel gebildet wurde , wirbelte ich auch . In dieser Weise ging ich über den ganzen Körper , von hinten nach vorn . Es fiel mir nicht ein , Etwas zu tun , womit ich Syrr belästigt hätte , etwa wie die Hufe zeigen zu lassen oder das Gebiß zu untersuchen . Den Kopf behandelte ich mit besonderer Aufmerksamkeit . Es gab da am Oberauge einige herabragende Borstenhaare , welche den Blick unausgesetzt belästigen mußten . Ich schnitt sie mit meiner kleinen Taschenmesserschere sofort weg . Auch ein Pferd merkt so Etwas sogleich und ist dankbar dafür ! Nur kann es leider nicht sagen » Ich danke Ihnen ergebenst , Herr Rollfuhrmann oder Herr Droschkenkutscher ! « So gab es schließlich am ganzen Körper keine Stelle , die ich nicht berührt hatte , lieb , streichelnd und alle Derbheit oder Hast vermeidend . Wäre es kein Pferd sondern ein Mensch gewesen , so würde ich sagen , Syrr sollte bei sich denken : Der hat Verstand ; der ist aufmerksam und gütig ; den muß man liebhaben ! Dann legte ich ihm die Hände an die Backen , ließ ihm meinen Atem fühlen und sprach freundlich mit ihm . Zu verstehen brauchte er kein Wort . Er sollte nur den Ton meiner Stimme hören und meine Augen betrachten dürfen , denen es nicht einfiel , sich zu einem » Pferdebändigerblick « zu verschärfen . Er hatte sich zu alledem sehr ruhig , wie abwartend verhalten - reserviert , sagt man bei Menschen . Da sah ich Schakara zurückkommen und trat einen Schritt von ihm zurück . Sofort tat er diesen Schritt auf mich zu , nahm meinen Arm zwischen die Zähne und hielt mich fest , doch ohne mir wehe zu tun . Da berührte ich zum ersten Male seine Mähne . Ich strich liebkosend an ihr herab und sagte : » Ich gehe nicht fort ; sei ruhig , Syrr ! « Aber was war denn das ? Schon während des Berührens seines Körpers hatte ich ein eigentümliches Prickeln in den Händen gefühlt , ganz leise nesselartig , wie ein feiner , wohltuender elektrischer oder galvanischer Reiz . Ich verspürte ihn jetzt noch . Er kam vom Pferde . War er nur einseitig oder gegenseitig ? Bekam ihn Syrr etwa auch von mir ? Und als ich jetzt mit der Hand an der Mähne niederfuhr , wurde er stärker , und ich hörte es in den Haaren knistern , freilich nicht etwa laut , sondern schwach , aber doch recht gut vernehmlich . » Horch ! « bat ich Schakara , als sie uns erreicht hatte , und strich etwas kräftiger . Sie lauschte einige Augenblicke . Dann fragte sie : » Fühlst du Etwas , Effendi ? « » Ja . Es ist wie irgend eine Kraft , die meine Hand berührt und in den Nerven weitergeht . « Da ließ sie die mitgebrachten Lappen fallen , legte die Hände zusammen und rief aus : » Das Knistern , das Knistern ! Weißt du noch , was ich dir von der verlorengegangenen Poesie erzählt habe ? Von dem Rosse , dessen Mähne Funken sprüht ? Wie lichtgewordene Strophen um die Stirn des Reiters ? Effendi , ich bitte dich , nimm deinen Fez vom Kopfe ! Berühre erst die Mähne und dann hierauf dein Haar ! Ich muß wissen - - - « Sie hielt inne . » Was ? « fragte ich . » Ob - - ob - - - ob du dann Etwas fühlst . « Ich tat ihr den Gefallen , nahm den Fez ab , strich einige Male mit der Hand an der Mähne herunter und legte sie mir dann auf den Kopf . Die Wirkung war eine ganz eigenartige . Das Prickeln verschwand sofort aus meiner Hand und ging auf die Kopfhaut über , wobei es in den Haaren leise , leise knisterte . Indem ich Schakara dies mitteilte , stand ich vorn bei Syrr . Dieser öffnete die Nüstern , sog die Luft laut ein , kam mit dem Kopfe zu mir herum und faßte mich am Haare , nicht mit den Zähnen , sondern ganz weich , nur mit den Lippen . Da ging über Schakaras Gesicht ein frohes , glückliches Lächeln . Sie hob die Lappen wieder auf und sagte : » Nun komm nach dem Wasser , wenn du ihn waschen willst . Ich gehe ; du aber reitest ! « Diese Aufforderung befremdete mich nicht im Geringsten . Es war auch mir ganz so , als ob sich das Pferd gegen mich nicht abweisend verhalten werde . Ich stieg also auf , vorsichtig , schmerzhaften Druck vermeidend . Kaum oben , legte ich beide Fersen an , die rechte etwas weiter vor als die linke . Syrr drehte sich sofort links um und ließ sich von mir nach der Quelle reiten . Dort sprang ich wieder ab und belohnte ihn mit einem Kusse . Da warf er den Kopf hoch in die Höhe und wieherte so triumphierend , daß Schakara , laut lachend , sagte : » Das ist Jubel ! Er tut , als habe er dich besiegt anstatt du ihn ! Also ein Doppelsieg mit gegenseitigem Wohlgefallen hinterher ! Was wird Dschafar Mirza dazu sagen ? ! « » Nichts , denn er erfährt noch nichts , «