Weib an meiner Seite sehen , die ich zur Mutter meiner künftigen Kinder erkor . Das giebt eine Race - was , Kathi ? « Man hörte den langen vorschmeckenden Kuß durchs eintönige Rauschen des Falls . » Und ... und ... ich habe Dir nun alles gebeichtet ... die Geschichte mit dem Rother ... ich würde mich todt schämen ... « » Dies überlaß Du mir ! Der soll Dir nichts anhaben ! « » Ach , das wird er wohl gar nicht wollen . Dazu ist er zu anständig . Ich kann nicht herzlos sein , er thut mir leid . Ich fühle für ihn . « » So ? Oho ! « » Ja , freundschaftliche Gefühle . « » Larifari , werden wir schon unter uns Männern arrangiren . Holla , da hör ' das Pfeifen des Kutschers . Wir sollen kommen . Adios , Hönevoß ! « Ja , Freundschaft , Freundschaft ! Ist das genug zwischen Mann und Weib ? Liebe ist etwas Anderes , ganz Anderes , es ist das Ur-Prinzip der Schöpfungskraft . Venus Vulgivaga und Venus Urania , wahre und falsche Liebe , Sinnlichkeit und transcendentaler Idealismus - Alles verflochten in eins . Verflucht sei dieser Liebe Raserei , die mich zermalmt ! - Nach Deiner Freundschaft frag ' ich nicht . Verflucht die Stunde , da ich Dich zuerst gesehn ! Ich wußte ja , der Gram sei meine Braut . - Nach Deiner Freundschaft frag ' ich nicht . Umsonst der Kampf und der eitle Wahn . Gegen den Strom ringt nur ein Toller . - Nach Deiner Freundschaft frag ich nicht . Auch der Schmerz macht sich noch Illusionen . Ger über die Versagung der Herzenssehnsucht verzweifelt , versteckt noch einen kindlichen Optimismus . Welche Ueberschätzung eines Lebensgutes , es der Verzweiflung würdig zu halten ! Dies Leben , diese Episode , ist doch kein tragisches Epos , es ist höchstens eine Jobsiade . Und doch - welch ein grauenhaftes Gefühl des Erstickens , mit einem heimlichen allbeherrschenden Gefühl umherzuwandeln , das doch kein Anderer kennt ! Wahre Liebe ist immer einsam , wie die wahre Größe . Nur die sinnliche Leidenschaft zeigt sich offen . Seine ganze Vergangenheit zog an ihm vorüber , seine ganze Jugend . Und aus jedem Winkel derselben schien ihm entgegenzukichern : Narr ! Narr ! Verfehltes Leben ! Er war ein einziger Sohn . Sein Vater , ein Musiker voll bedeutendem Ruf , ein Idealist . Die schrecklichste aller zehrenden Krankheiten , den Idealismus , erbte er also schon von Geburt an . Die geistige Atmosphäre , in der seine Kindheit aufwuchs , Grundzug und Lebensanschauung seiner Familie : ein ästhetischer Idealismus . Gewohnheit und Umgebung bestimmen den Menschen . Der kleine Eduard fühlte gar bald in sich eine künstlerische Mission . Mit seinen Beinchen in der Luft zappelnd , arbeitete dieser niedliche Genius im Schweiß seines Angesichts auf dem Clavier herum und entlockte den Tasten unaussprechliche Töne . » Die Lorbeeren seines Vaters lassen ihn nicht schlafen ! « schmunzelte ein ironischer Kritiker , im Genuß dieses erfreulichen Anblicks . » Ja , aber andre Lorbeeren ! « dachte das Söhnchen . Denn , daß er mäßige Ohren , aber sehr gute Augen hatte , das merkte er nun schon . Die Musik erschien ihm schaal und nichtig : Man liebt gewöhnlich die Kunst nicht , die einen nicht wieder liebt , man verschmäht mit edlem Stolz , wo man verschmäht wird . Kurz , es war aus mit der Musik . Ein verfehlter Beruf mit sieben Jahren ! - Dafür schlenderte er in die Museen und lungerte in Bilderausstellungen herum . Dafür las er Erbauliches über die alten Meister , wie sie so flott und nobel lebten , selber in Palästen wohnten und die Fürsten in ihren Palästen sich vor ihnen beugten . Das gefiel ihm noch mehr . Dann stand er auch wohl in den Ecken der Soireen - sein Vater machte ein Haus - , horchte auf die klugen Reden der Männer und sagte zu sich : » Wärst Du doch auch so klug oder vielmehr , so berühmt ! « Sah er einen werden , so stellte sich der logische Gedanke ein : » Wenn Du erst solch einen hast ! « - Vornehmlich aber starrte er die Frauen an , diese Wesen einer andern Welt . Das ist so gewöhnlich bei Knaben , die keine Schwester haben . Die erste Schönheit , die sie erblicken , betrachten sie wie eine leibhaftige Aphrodite , deren Göttlichkeit aber fernhält , die einen unheimlichen Engel . Dieser ersten erotischen Regungen und der üblichen Kinderkrankheiten erinnerte er sich noch mit fabelhafter Deutlichkeit . Er absolvirte sehr früh die Schule und bezog die Berliner Akademie , um sich zum professionellen Maler auszubilden . Seine Mittel erlaubten ihm das . Da er aristokratische Manieren hatte , so wurde er alsbald von dem knotigen Kunst-Proletariat , das der Staat heranzüchtet , als Muttersöhnchen gehänselt . Wie unglücklich er war ! Er wurde von allerlei Hirngespinsten betreffs Bosheit und Verfolgungssucht der Menschen , zugleich aber von Visionen seines künftigen Ruhmes gequält . Hängen doch Größen- und Verfolgungswahn innerlich zusammen . Auf der Akademie schimpfte man ihn » das verrückte Genie « . Wäre , er einfach » verrückt « oder wirklich ein » Genie « gewesen - wieviel besser für ihn ! Beinah hätte man ihn anfangs als talentlos von der Akademie entlassen , wie dies so oft den Begabteren und Begabtesten , die sich in den Drill nicht einfügen , zu passiren pflegt . Das Talent lernt fast nie etwas auf zwangsweisem Schüler-Wege ; selbst die Technik muß es aus sich und an sich selbst studiren . In der Akt-Klasse galt Eduard Rother als der schlechteste Schüler . Allein , seine merkwürdige Produktivität nöthigte doch eine gewisse Achtung ab . Seine Mappen füllten sich mit Compositionen , aus dem Handgelenk hingeschleudert . Wenn auch sein würdiger Lehrer - einer jener tiefsinnigen » Grübler