und dabei ausgeschnitten wie die jüngste . Aber das weiß ich , ich gehe nicht wieder hin . Ich will mir nicht meinen Ruf verderben . « So dachten auch die andern . Befriedigt war nur Frau Hulen selbst . Fünftes Kapitel Soiree und Ball Um die vierte Stunde des andern Tages , die Sonne war eben unter , hielten die seit einer Woche kaum noch aus dem Geschirr gekommenen Hohen-Vietzer Ponies vor dem uns aus dem Beginn unserer Erzählung bekannten Hause in der Klosterstraße . Lewin hatte die Leinen genommen und wartete geduldig auf die Rückkehr des Kutschers , der abgestiegen war , um den altmodischen , mit vielen Riemen zugeschnallten Mantelsack in die Frau Hulensche Wohnung hinaufzutragen . Das Gefährt war nicht mehr der nur für eine Nachtfahrt geeignete Sack- und Planschlitten , sondern der leichte zweisitzige Kaleschwagen , mit dem Berndt seine hier- und dorthin gehenden Ausflüge zu machen pflegte . Es wurd unserm Freunde nicht schwer zu warten , denn der ganze nordwestliche Himmel glühte noch , und die kleine , fast unmittelbar zu seiner Linken gelegene , ringsumher von Efeu umwachsene Klosterkirche stand wie ein Schattenbild in dieser abendlichen Glut und nahm seine Aufmerksamkeit gefangen . Von allen Seiten kamen Krähen heran , setzten sich auf die Zacken des Giebelfeldes und berieten sich , wie sie zu tun pflegen , für die Nacht . In der Straße war nur wenig Leben ; die Laternen wurden an ihren langen Drahtketten herabgelassen , langsam angezündet und langsam und knarrend wieder in die Höhe gezogen . Endlich kam Krist zurück , und während dieser , ohne wieder aufzusteigen , das Fuhrwerk nach dem » Grünen Baum « hinüberdirigierte , öffnete Lewin die schwere , mittelst eines innen angebrachten Steingewichts sich von selbst schließende Haustür und stieg die Treppen hinan . Auf der dritten und letzten schimmerte schon das Licht , mit dem Frau Hulen auf den Flur getreten war , teils um ihrem jungen Herrn Lewin ihren Respekt zu bezeigen , aber noch mehr , um die dicke Efeugirlande über der Tür sichtbar zu machen , die sie zu seinem Empfange geflochten . » Guten Abend , Frau Hulen . « Damit trat er erst in den Alkoven und von diesem aus in das große Vorderzimmer , das die Liebe und Sorgfalt der Alten in ähnlicher Weise festlich hergerichtet hatte . Auf dem runden Sofatische standen zwei kleine brennende Lichter , Kaffeegeschirr und ein Napfkuchen , während eine zweite Girlande , auch von Efeu , aber schmal und zierlich und aus einzelnen Blättern zusammengenäht , die damastne Kaffeeserviette einfaßte . » Aber das ist ja , als ob ein Bräutigam einzöge , Frau Hulen ; wo kommt nur all der Efeu her ? « » Kirchenefeu , junger Herr . « » Also von drüben ? « » Ja , drüben von der Klosterkirche ; ich hab ihn an dem linken Chorpfeiler gepflückt , wo Küster Susemihls Johanna mit dem kleinen Würmchen begraben liegt . All in eins , Mutter und Kind . Es sind nun drei Jahr . Können sich der junge Herr nicht mehr entsinnen ? « » Nein . Was war es denn damit ? « » Es soll ein Marschall gewesen sein ; aber Herr Kaufmann Ziebold hat mich ausgelacht ; es sei freilich ein Marschall gewesen , aber bloß ein französischer Logiermarschall , was sie bei uns einen Wachtmeister nennen . Na , lieber Gott , ich kann es nicht wissen , ich bin eine alte Frau , aber das weiß ich , Marschall oder nicht , daß er einen schweren Stand haben wird , denn es war ein gutes Kind , die Johanna , und sie hielt auf sich , und selbst die alte Zunzen , die von jedem was weiß , wußte ihr nichts nachzusagen . Es war noch ein Glück , daß das Kind gleich tot war . Einige sagen freilich , es wäre nicht tot gewesen , aber ich glaub es nicht , und man soll nicht sagen , was man nicht beweisen kann . Und nun langen Sie zu , junger Herr , und schenken sich ein , ehe der Kaffee kalt wird . « » Ja , Frau Hulen , das ist leichter gesagt als getan . Wo denken Sie hin ? So bei Gräberefeu ... « » Ach , junger Herr , da kenn ich Sie besser . Wenn die Dienstagsherren hier sind , der dicke Herr Hauptmann , der immer so spaßig ist , und der Herr von Jürgaß und der Herr Himmerlich , der solche dünne Stimme hat , und ich höre dann von nebenan zu , da weiß ich schon , je lauter sie lesen und je rührender es ist , desto mehr Tassen und Gläser muß ich bringen . Und wer dann am meisten dabei ist , das ist mein junger Herr . « » Nun , Frau Hulen , wenn die Sachen so liegen , da muß ich es schon versuchen « , und dabei schenkte er sich ein und machte sich ' s bequem , während die Alte , um ihn nicht länger zu stören , aus dem Zimmer ging . Auf dem Tische , zu einem kleinen Fächer geordnet , lagen auch die vier , fünf Briefe , die während seiner Abwesenheit eingegangen waren . Einer von Jürgaß enthielt eine kurze Anfrage , wann und wo die nächste Kastaliasitzung stattfinden solle , ein anderer , erst vor wenig Stunden geschrieben , war von Tubal . Nur wenige Zeilen . Lewin las : » 4. Januar Seit vorgestern abend sind wir wieder hier . Papa , der uns schon früher von Guse zurückerwartet hatte , hat auf heute ( Montag ) eine Soiree angesetzt . So du rechtzeitig eintriffst , laß uns nicht im Stich . Wir haben Überfluß an Herren , aber nicht an Tänzern . Die Mazurka , die vor dem Feste bei Wylichs aufgeführt wurde und in der Kathinka , wie Du gehört haben wirst , einen