, die Königin ? Sagt an : ist sie des Mordes schuldig ? « » Schuldig ! schuldig ! « scholl es mit vielen tausend Stimmen , und keine sagte nein . » Sie ist schuldig , « sagte der Alte aufstehend . » Sprich , Kläger , welche Strafe forderst du um diese Schuld ? « Arahad erhob das Schwert gerade gegen Himmel : » Ich klagte um Mord . Ich klagte auf Blut . Sie soll des Todes sterben . « Und ehe Hildebrand seine Frage an das Volk stellen konnte , war die Menge von zorniger Bewegung ergriffen , alle Schwerter flogen aus den Scheiden und blitzten gen Himmel auf , und alle Stimmen riefen : » Sie soll des Todes sterben ! « - Wie ein furchtbarer Donner rollte das Wort , die Majestät des Volksgerichts vor sich her tragend , über das weite Gefild , daß bis in weite Ferne die Lüfte widerhallten . - » Sie stirbt des Todes , « sprach Hildebrand aufstehend , » durch das Beil . Sajonen , auf , und sucht , wo ihr sie findet . « » Halt an , « sprach der starke Hildebad vortretend , » schwer wird unser Spruch erfüllt werden , solang dies Weib unsres Königs Gemahlin . Ich fordre deshalb , daß die Volksgemeinde auch gleich die Klagen prüfe , die wir gegen Theodahad auf der Seele haben , der ein Volk von Helden so unheldenhaft beherrscht . Ich will sie aussprechen , diese Klagen . Merkt wohl , ich zeihe ihn des Verrates , nicht nur der Unfähigkeit , uns zu retten , uns zu führen . Schweigen will ich davon , daß wohl schwerlich ohne sein Wissen seine Königin ihren Haß an Amalaswintha kühlen konnte , schweigen davon , daß diese in ihren letzten Worten uns vor Theodahads Verrat gewarnt . Aber ist es nicht wahr , daß er den ganzen Süden des Reiches von Männern , Waffen , Rossen , Schiffen entblößt , daß er alle Kraft nach den Alpen geworfen hat , bis daß die elenden Griechlein ohne Schwertstreich Sizilien gewinnen , Italien betreten konnten ? Mein armer Bruder Totila mit seiner Handvoll Leuten allein steht ihnen entgegen . Statt ihm den Rücken zu decken , sendet der König auch noch Witichis , Teja , mich nach dem Norden . Mit schwerem Herzen gehorchten wir : denn wir ahnten , wo Belisar landen werde . Nur langsam rückten wir vor , jede Stunde den Rückruf erwartend . Umsonst . Schon lief durch die Landschaften , die wir durchzogen , das dunkle Gerücht , Sizilien sei verloren und die Welschen , die uns nach Norden ziehen sahen , machten spöttische Gesichter . So waren wir ein paar Tagemärsche an der Küste hingezogen . Da traf mich dieser Brief meines Bruders Totila : Hat denn , wie der König , so das ganze Volk der Goten , so mein Bruder mich aufgegeben und vergessen ? Belisar hat Sizilien überrascht . Er ist gelandet . Alles Volk fällt ihm zu . Unaufhaltsam dringt er gegen Neapolis . Vier Briefe hab ' ich an König Theodahad um Hilfe , geschrieben . Alles umsonst . Kein Segel erhalten . Neapolis ist in höchster Gefahr . Rettet , rettet Neapolis und das Reich ! « Ein Ruf grimmigen Schmerzes ging durch die Tausende gotischer Männer . » Ich wollte , « fuhr Hildebad fort , » augenblicklich mit all unsren Tausendschaften umkehren , aber Graf Witichis , mein Oberfeldherr , litt es nicht . Nur das setzte ich durch , daß wir die Truppen Halt machen ließen und mit wenigen Reitern hierher flogen zu warnen , zu retten , zu rächen . Denn Rache , Rache heisch ich an König Theodahad : nicht nur Torheit und Schwäche , Arglist war es , daß er den Süden den Feinden preisgegeben . Hier dieser Brief beweist es . Viermal hat ihn mein Bruder gemahnt , gebeten . All umsonst . Er gab ihn , er gab das Reich in Feindeshand . Weh uns , wenn Neapolis fällt , schon gefallen ist . Ha , er soll nicht länger herrschen , nicht leben soll er länger , der das verschuldet hat . Reißt ihm die Krone der Goten vom Haupt , die er geschändet , nieder mit ihm ! Er sterbe ! « » Nieder mit ihm ! Er sterbe ! « donnerte das Volk in mächtigem Echo nach . Unwiderstehlich schien der Strom ihres Grimmes zu wogen und jeden zu zerreißen , der ihm widerstehen wollte . Nur Einer blieb ruhig und gelassen inmitten der stürmenden Menge . Das war Graf Witichis . Er sprang auf einen der alten Steine unter dem Eichbaum und wartete , bis sich der Lärm etwas gelegt . Dann erhob er die Stimme und sprach mit jener schlichten Klarheit , die ihm so wohl anstand : » Landsleute , Volksgenossen ! Hört mich an ! Ihr habt unrecht mit eurem Spruch . Wehe , wenn im Gotenstamm , des Ehre und Stolz die Gerechtigkeit gewesen seit der Väter Zeit , Haß und Gewalt des Rechtes Thron besteigen . Theodahad ist ein schwacher , schlechter König ! Nicht länger soll er allein des Reiches Zügel lenken ! Gebt ihm einen Vormund wie einem Unmündigen ! Setzt ihn ab meinetwegen . Aber seinen Tod , sein Blut dürft ihr nicht fordern ! Wo ist der Beweis , daß er verraten hat ? Daß Totilas Botschaft an ihn gelangt ? Seht ihr , ihr schweigt : hütet euch vor Ungerechtigkeit , sie stürzt die Reiche der Völker . « Und groß und edel stand er auf seinem erhöhten Boden , im vollen Glanz der Sonne , voll Kraft und edler Würde . Bewundernd ruhten die Augen der Tausende auf ihm , der ihnen an Hoheit und Maß und klarer Ruhe so überlegen schien . Eine feierliche Pause erfolgte . Und ehe noch Hildebad und das Volk Antwort finden konnte gegen den Mann , der