aber auch uns hat sie noch nicht vergessen . Dem Jos wär ' also geholfen , und er muß nicht mehr über die Grenze , damit er sich auch rühren könne ; doch wie vielen mag es schon gegangen sein wie ihm und Hansjörg . Behalte drum und allenfalls dem Jos zulieb deinen guten Willen für dich ! Versprich mir das ! Du wirst sehen , es ist gut angewendet . « Der Vorsteher nickte Hansen beifällig zu . Jos bemühte sich vergebens , ein Wort hervorzubringen , aber auch die beste Rede wäre nicht gehört worden im Jubel der Menge , die sich mit ihrem Lieblinge geehrt fühlte . Dorothee hatte große Tropfen in den schönen Augen , und die Goldfäden in ihrem Kränzchen zitterten fort und fort . Angelika wollte Hansen sagen : » Wenn Zusel diesen Tag noch hier mitgelebt hätte , wäre sie gewiß nicht mehr ins Kloster « ; Hans aber hörte nichts in dem fröhlichen Lärm und verstand nur ihren dankbaren Blick . Auf einmal , man wußte nicht , wer den Anfang machte , standen die zwei Paare auf und reichten sich die Hände . Lange hielten alle viere sich fest , die Musikanten begannen ein lustiges Stück zu spielen , und ohne daß jemand nach polizeilicher oder anderer Bewilligung fragte , tanzte ein Paar nach dem anderen um die Brautleute und den Tisch herum . Endlich hörten die Musikanten auf . Die jungen Leute ruhten , und jetzt konnte man wieder ein Wort reden . Das wollte nun aber auch alles benützen , um seinem Herzen Luft zu machen . Sogar Hansjörg , der anfänglich etwas still war , plauderte vertraulich mit der alten Stigerin , und sein Auge , ja sein ganzes Gesicht leuchtete , während er sagte : » Alles ist recht gekommen und auch gut , daß es wohl die Kämpfe wert ist und die Leiden , die es gekostet hat . « » Freude am Glück anderer ist doch auch Freude « , sagte die Stigerin in einem Ton , so herzlich , wie man ' s gewiß von ihr nur selten hörte . Und die arme Schnepfauerin , die man vor vielen , vielen bösen und guten Jahren gleichsam da hereingeschmuggelt hatte , wie still und selig saß die Demütige dort an der Tischecke grad ' im Schatten des wohlbeleibten Gemeindevorstehers , und ihr Herz wollte doch beinahe springen vor Freude , da dieser mit ihrem Jos anstieß auf eine Zukunft , so glücklich , wie er und sein wackeres Weib es verdienten . Oh , schon das war dem guten Mütterlein zuviel , viel zuviel ! Es ward ihm angst vor so hoher Ehre , so großem Glück . Und nun kam auch noch des Vorstehers Antrag , Hansens Rede , und dann standen sie Hand in Hand , die schönen kräftigen Gestalten . War ' s nicht ein Traum ? Hatte nicht ihr Geliebter sie in den Himmel geholt ? Nein , auch die Welt konnte so viel geben ! Die arme aus der Heimat Verstoßene kam sich jetzt hier fast noch fremder vor als damals . Hatte sie denn das verdient ? Wunderbarer , gerechter , heiliger Lenker aller Schicksale ! Ja , der hatte geholfen , daß sie nun ihren armen Jos als den Liebling aller gefeiert sah . Wie gönnte sie ihm das , und doch schwindelte ihr auf dieser Höhe ! Fast wollte sie zaghaft werden und kleinmütig , aber ein Blick schon in des Lieblings funkelndes Auge gab ihr die feste Zuversicht , daß er das alles noch verdiene und daß noch gar nicht zuviel geschehen sei . O wie gern hatte sie den Lärm , der ihr nun doch laut zu jubeln , zu beten und zu weinen erlaubte ! Sie hielt sich für ganz unbeachtet , aber nach dem Tanz , als man wieder sprechen konnte , wendete der Gemeindevorsteher sich um und ließ etwas Licht auf sie fallen . » Stoß an , Schnepfauerin ! « rief er , fröhlich das Glas erhebend . » Und nun sag ' mir « , fuhr er nach einem herzhaften Schluck fort , » ob du nicht das Heimatsrecht noch in aller Form bekommen habest ? Man sollte halt keinen Menschen ganz wegwerfen aus Gewinnsucht oder vorgefaßter Meinung ; denn was er wird , kommt viel auf andere an . Dein Jos da , der herzhafte , fleißige , belesene Sappermenter , hat sich nun einen Heimatschein in viele Herzen geschrieben . Er lebe hoch ! « » Hoch ! hoch ! hoch ! « scholl es von allen Ecken . Jetzt aber konnte , mußte Jos reden . » Was ich getan hab ' - und so ein armer Tropf kann wenig - , ist zum großen Teil auch aus Hochmut geschehen « , rief er aus . » Tag und Nacht hab ' ich geschafft und mich neben der Sorge fürs Brot um alles und jeden angenommen ; aber viel geschah wieder nur , damit man sehe , wer in mir geschimpft und verhöhnt worden sei . Aber jetzt - o wie geht mir das Herz auf ! Was für einen Schatz von Liebe gibt mir dieser Tag ! Einen Schatz , mit dem sich das Vergangene wettmachen , dann aber auch die ganze Zukunft davon zehren läßt . Ja , dieser Tag macht mich zu allem stark . « » Dieser Tag « , sprach feierlich der Kaplan , den man bisher nicht beachtet hatte , » wird hoffentlich nicht nur unseren Gefeierten ein Segen fürs ganze Leben sein . Wir alle , reich und arm , wie wir eben sind , freuen uns gemeinsam mit gleicher inniger Freude , wie das gewöhnlich nicht auf Hochzeiten vorkommt , sondern bloß da , wo alles durch irgendwelches Ereignis eine schwere , drückende Last abgeworfen , etwas Wichtiges , Folgenreiches gewonnen fühlt . So ein Gewinn , wie der dieses Tages , ist für uns die Erkenntnis des hohen