, die obwaltende Verstimmung zu verbergen oder zu besiegen , fühlte man sie nur schwerer auf sich lasten . Als die Wirthschafter sich erhoben , erkundigte sich der Amtmann , wie ein Befehlender sich das angewöhnt , ob in seiner Abwesenheit etwas vorgefallen sei , das des Berichtens bedürfe . Nein , versetzte der älteste der jungen Männer , nichts ! Denn daß der Herr Marquis hier war , wissen ja der Herr Amtmann wohl ! Ja , entgegnete dieser ; aber Herbert sah , daß die Stirne des Amtmanns sich röthete , daß Eva ' s Wangen ebenfalls erglühten , und auch ihm stieg es heiß vom Herzen in die Höhe . Indeß keiner von ihnen sprach ein Wort . Erst als die Wirthschafter hinaus gegangen waren , fragte der Amtmann , als könne er es nun nicht länger zurückhalten : Warum habe ich das nicht erfahren , Eva ? Weil ich Dir ansah , daß Du selbst Verdruß gehabt hast ! gab sie ihm zur Antwort , und auf ihren beiden Gesichtern sprach sich eine Bitterkeit aus , welche Herbert früher nie in ihnen wahrgenommen hatte . Eva räumte , wie immer , die Geräthschaften fort , der Amtmann ging in seine Schreibstube , die Schwester folgte ihm bald nach . Er hörte den Amtmann mit ihr sprechen ; der Ton verrieth , daß es keine ruhige Unterhaltung sei , und er setzte sich wieder an der entgegengesetzten Seite des Zimmers in die Fensterbrüstung , um nicht zu vernehmen , was vielleicht nicht für ihn bestimmt sein mochte . Noch vor wenig Stunden hatte er sich hier so zufrieden , so heimisch gefühlt , jetzt empfand er mit mannigfach erregtem Sinne , daß er doch noch als ein Fremder zwischen diesen ihm so lieb gewordenen Menschen betrachtet werde . Indem kam Eva heraus und gesellte sich zu ihm . Sie sahen beide schweigend zum Fenster hinaus . Der Mond war emporgestiegen , man konnte den Hof mit allen seinen Einzelheiten unterscheiden , auch auf Eva ' s Stirne fiel ein heller Schein . Sie pflegte sonst gern ihr Haupt auf die Hand zu stützen , wenn sie einmal müßig war - heute hatte sie , obschon die Wärme des Zimmers es nicht nöthig machte , ihre Arme fest in ihre Schürze gewickelt und über einander geschlagen . Sie war noch immer verstimmt , und Herbert , der sich und ihr darüber forthelfen wollte , sagte scherzend : Weßhalb machen Sie sich so unnahbar , liebe Eva ? Sie antwortete ihm nicht . Er kam auf die Vermuthung , daß sie mit ihm um der Baronin willen schmolle , und da er eben aus einer Stimmung in die andere geworfen , also selbst nicht ruhig war , sagte er mit jenem gebieterischen Tone , den fast jeder Mann sich gegen das Mädchen erlaubt , von dem er sich geliebt weiß und das er sich zum Weibe ausersehen hat : Ich hasse das stumme Schmollen , Eva ! Als ob ich daran dächte ! und als ob ich es liebte ! entgegnete sie , und er hörte , wie das unterdrückte Weinen ihr die Stimme zusammenpreßte . Indeß ehe er sie noch fragen konnte , was geschehen sei , hatte eine der Mägde sie abgerufen , und rasch entschlossen stand er auf und begab sich nach des Amtmanns Stube . Er mußte wissen , was hier vorging . Adam stand am Pulte bei seinen Rechnungsbüchern , und Herbert äußerte , um die Unterhaltung anzufangen , sein Befremden darüber , daß jener sich noch so spät an die Arbeit gemacht habe und sich nicht Ruhe gönne ; aber der Amtmann sagte achselzuckend : Arbeit ist ein Sorgenbrecher , und billiger als Wein , den man sonst den Sorgenbrecher nennt . Ich weiß mir nichts besseres , als Arbeit , wenn mir der Kopf recht voll ist , und wenn ich auf die Weise an den eigentlichen Gegenstand meiner Sorge gar nicht denke , kommt mir in der Regel der beste Rath . Der Amtmann hatte damit seinen Platz am Pulte verlassen und angefangen , im Zimmer auf und nieder zu gehen . Da legte Herbert seine Hand auf Adam ' s Arm und fragte : Sollte sich denn guter Rath nicht auch im Aussprechen mit einem Freunde finden lassen ? Ich sehe , daß hier nicht mehr Alles bei dem Alten steht , und ich mochte nicht fragen , was geschehen sei , weil ich es allmählich zu erfahren hoffte . Nun aber mag ich nicht auf meine eigene Einsicht warten , und bitte Sie , lieber Freund , sagen Sie mir , was Sie und Ihre Schwester drückt , und ob ich es Ihnen nicht tragen helfen , nicht erleichtern kann ! Er hatte das mit so herzlicher Wahrhaftigkeit gesprochen , daß Adam ihm dankbar die Hand dafür drückte . Aber , meinte er , Hülfe und Beistand kann man nur für ein bestimmtes Vorhaben benutzen , und ich weiß noch nicht , was ich thun soll und kann , sondern nur , was ich nicht mag und was ich möchte ! - Er hielt ein wenig inne und sagte darauf : Ich mag nicht verwirthschaften sehen , was wir hier seit Menschenaltern schaffen halfen , ich mag nicht in Unfrieden leben , wo wir mit Herrschaft und Insassen stets in gutem Einvernehmen gestanden haben , ich mag auch die Eva hier nicht länger lassen , und darum möchte ich selber fort von hier ! Sie , Steinert ? Sie möchten fort von hier ? Der Amtmann fuhr sich mit der Hand ein paar Mal durch das krause Haar , wie er es zu thun pflegte , wenn ihm etwas nicht nach seinem Sinne ging . Hart ankommen würde es mir , entgegnete er , aber es wird doch das Ende vom Liede sein . Es ist , als ob sie gar kein Einsehen mehr hätten ; als ob sie es noch nie bemerkt hätten , daß Roggen , Weizen