es ihm in seinen Träumen erschienen ; - nun war auch das anders , ganz anders , aber er mußte doch die Hand aufs Herz drücken , und der Atem stockte in seiner Brust . Neunundzwanzigstes Kapitel Mit dem Nebel kam die Nacht schneller über das Land , und fast gleich einem Kinde , das sich fürchtet , lief der Kandidat hügelab über Kiesgeröll und knirschenden Sand gegen die Lichter , die ihm zuletzt allein noch die Lage von Grunzenow andeuteten . Er geriet bald in die Atmosphäre von Teer und Tran , die das Fischerdorf umgab , und kam einige Male dem Rauschen des Strandes so nahe , daß er scheu zur Seite wich und Schaumspritzer im Gesicht zu spüren vermeinte . Endlich erreichte er die ersten Hütten des Ortes und verwirrte und fing sich mehr als einmal in Netzen , die zum Trocknen ausgespannt waren ; von lebenden Wesen aber war ringsum nichts zu sehen . Die See sang eintönig ihre Weise , und ein Hund bellte hinter einer Tür . Nach einigem Zögern klopfte der Wanderer an eins der Fenster , blickte natürlich zugleich in das Gemach und sah , daß er eine ganze seefahrende Familie sehr erschreckt habe . Ein halbes Dutzend Kinder drängte sich schüchtern um eine mütterlich aussehende Frau , ein alter , weißhaariger Mann sah von einer großen aufgeschlagenen Bibel verwundert in die Höhe , ein jüngerer Mann in hohen Schifferstiefeln hatte sich von seinem Stuhl erhoben , und nur ein uraltes Mütterlein spann ruhig am Ofen fort . » Wer will da was ? « rief der jüngere Mann in seiner Mundart . Er öffnete das Fenster , und Hans grüßte sehr höflich , indem er seine Frage nach dem Gutsherrn an den Mann brachte . Nicht sehr höflich erwiderte der Fischer den Gruß , aber sehr dienstfertig zeigte er sich und erschien sogleich vor der Tür seines Hauses , um den Fremden zurechtzuweisen . Mit seiner kurzen Pfeife im Munde setzte er sich , ohne weiter ein Wort zu verlieren , in Bewegung und trabte , ohne sich nach dem Fremden umzusehen , in die Nacht hinein . Um manche Hausecke bog er , und über manchen Gegenstand , der im Wege lag und den er recht gut kannte , Hans Unwirrsch aber nicht , trat er weg . Stolpernd , zwischen Fallen und Aufstehen , folgte ihm der Kandidat und fühlte sich sehr erleichtert , als sein biederer , aber wortkarger Führer , nachdem der Weg ein wenig hügelauf geführt hatte , plötzlich stehenblieb und , wahrscheinlich mit der Pfeifenspitze , auf eine unregelmäßige Schattenmasse deutend , sagte : » Da ! « » Wo ? « fragte Hans , allein seine Frage verhallte in der Nacht , und nur die See gab Antwort darauf , aber eine ungenügende . Der Führer in den Schifferstiefeln hatte seine Pflicht getan und hatte sich umgedreht wie ein Freudenstädter beim Klange der Eßglocke . Er war abgetrabt ins Dunkle mit seiner Pfeife und seiner bunten Zipfelmütze , und kein Hallo und Holla brachte ihn zurück . Vorsichtig tastete Hans seinen Weg gegen die nächtlich schwarzen Massen , auf die des meerkundigen Mannes Pfeifenspitze gewiesen hatte Er geriet richtig vor ein großes , aber geschlossenes Hoftor mit der Stirn , und ein Hundegebell , wie die Welt es noch nicht gehört hatte , brach los , als er den Klopfer fand und ihn gegen die eichenen Bohlen fallen ließ . In allen Tonarten machte das entrüstete Vieh sich Luft ; und ein Mann , der etwas auf seine Waden hielt , durfte mit Unbehagen dem Konzert horchen . Nach einigen Minuten bänglichen Harrens fuhr jemand mit der Peitsche unter die vierbeinigen Randalisten , die nunmehr zu heulen anfingen . Es fluchte jemand gräßlich , und ein schwerer Schritt näherte sich dem Tor . Der Riegel rasselte , das Schloß kreischte , Lichtschein fiel in die Nacht hinaus , aber es war zweifelhaft , ob dieses Licht von der Laterne oder von der Nase ihres Trägers ausging . Gleich einer Königin in Purpur saß die Nase in dem verwetterten Gesicht , welches jetzt aus dem Hoftor blickte und den Kandidaten Unwirrsch in der Dunkelheit suchte . » Wer da ? ! « schnarrte eine Stimme , die ganz zu der Nase paßte . » Kein Gottesgeschöpfe zu sehen ? Doch - da - hierher , Mann , was soll ' s ? Wo juckt ' s Euch ? Was beliebt dem Herrn ? « Hans gab kund , wer er sei und wie er auf Wunsch und Befehl des Herrn Obersten von Bullau und des Herrn Leutnant Götz hier erschienen sei und angeklopft habe . » Warten ! Rapportieren ! « sagte der Mann mit der Laterne und schlug die Tür dem Kandidaten vor der Nase zu . Von neuem erhoben die Hunde ihre Stimme , und Hans fand den Empfang zum mindesten ungewöhnlich . Die Zeit wurde ihm sehr lang während der folgenden Minuten , und unwillkürlich dachte er an verschiedene Märchen aus seiner Kindheit , die in ähnlicher Weise begannen und stets damit endeten , daß irgend jemand in die Gewalt von Ogern oder Werwölfen fiel und aufgefressen wurde , Aber nun ließen sich jenseits der Mauer und des Tores mehrere Stimmen vernehmen , abermals wurde die Pforte aufgerissen , abermals hielt der Mann mit der glühenden Nase seine Laterne in die Nacht hinaus , und der Oberst von Bullau im grünen , bepelzten Jagdrock und in hohen Wasserstiefeln griff zu , faßte den Kandidaten , zog ihn ins Tor und rief : » Richtig , er ist ' s mich ! Bei Nacht und Nebel ! - Mann Gottes , das gefällt mir gar nicht übel - herein mit Euch ! Willkommen in Grunzenow , wo kommt das Menschenkind so spät her ? Wie seid Ihr gekommen ? Zu Fuß , zu Wagen oder auf einem Besenstiel ? « Hans berichtete kurz , wo er den Wagen verlassen habe , und in