Robert Wolf . » Und gut , rechne ich « , meinte der Hauptmann . » Wer kann sagen , wie die Sterne die andern führten , während wir am Yuba uralte Wahrheiten mit Hülfe von Hacke und Schaufel studierten und edles Gold in Gräbern fanden ! Die Götter halten uns nicht allein im Auge , mein lieber Junge . Jedermann hat ein Recht auf ihre Fürsorge und Berücksichtigung , Herr Leon von Poppen nicht weniger als Herr Robert Wolf aus Poppenhagen ! « Dreiunddreißigstes Kapitel Robert Wolf beschleunigt seine Heimreise ; der Autor begleitet ihn und nimmt Abschied von zwei Personen , welchen er in verschiedener Weise wohlwill Der Missouri ergoß seine schlammigen Fluten in die noch schlammigeren des Mississippi , und die Schaufelräder der Ellen Chittenden spritzten durchaus keine Diamantentropfen in die Luft , als das Schiff mit übergroßem Geschnauf und Gequalme aus dem einen Strom in den andern lief . Saint Louis war um diese Zeit aus einem jammervollen Fiebernest eine blühende Stadt von fünfzig- bis sechzigtausend Einwohnern geworden , und als eines Abends unsere beiden Reisenden daselbst landeten , fanden sie sich sogleich mitten im verwirrendsten Getümmel eines bedeutenden Handelsplatzes . Hätten nicht dicht am Ufer die Alligatoren ihre unförmlichen Köpfe aus dem Wasser hervorgesteckt und wären nicht diese riesenhaften Baumstämme aus den nicht allzufernen , ungelichteten Wäldern mitten in die blühende Zivilisation hineingetrieben , so hätte man wirklich meinen können , dieses ganze Leben schreibe sich nicht von gestern her , sondern datiere seit wenigstens tausend Jahren . Aber neu war alles hier ; - neu waren die Häuser ; ungemein neu waren die deutschen Einwanderer in den Gassen . Das Älteste , was es in Saint Louis zu geben schien , waren die Gesichter der Yankeekinder , die am Landungsplatz der Dampfschiffe von den Armen ihrer Mütter und Wärterinnen die Ankommenden mit nußknackerhaft-spekulierendem Augenzwinkern anstarrten . Diese vielversprechenden Säuglinge und kalomelfarbigen Natives bereits schienen das eindringende deutsche Element durch Blicke vergiften zu wollen ; aber es ließ sich weder durch Blicke noch durch andere Mittel vertreiben . Es war einmal da , wuchs täglich mehr an , und die salzsauern Quecksilbergesichter mochten sich erbosen , wie sie wollten . Nirgends im ganzen Gebiet der Union schien das » Vaterland « so festen Fuß fassen zu wollen wie an dieser Stelle . Man sah fast mehr deutsche als amerikanische Firmen an den Häusern . Jedes Schiff , welches von New Orleans heraufkam , brachte neue Einwanderer aus dem alten Land zwischen den Vogesen und der Weichsel mit , und jeden Dialekt der dialektreichen Heimat konnte man in den Gassen der jungen Stadt Saint Louis hören . Konrad von Faber machte den Reisegefährten auf alles das aufmerksam , und dann nahm ein deutsches Gasthaus , » Zum Vater Rhein « , die beiden Wanderer auf . Nach einem kurzen Mahl warf sich Robert todmüde auf sein Bett und versank sogleich in den tiefsten Schlaf , während der eiserne Hauptmann , auf den die Tausende von Meilen vom Sacramento her nicht den mindesten Eindruck gemacht hatten , sogleich wieder zur Bar , dem Schenkstand , hinunterstieg , um sich die Leute daselbst näher anzusehen , nach Bekannten auszuschauen und die - Stadtneuigkeiten zu erkunden . Von oben bis unten war das Haus voll . Alles , was es unter des durchlauchtigsten Deutschen Bundes schützenden Privilegien nicht mehr aushalten konnte , schien sich hierher geflüchtet zu haben . Die einen nahmen die Sache leicht , die andern aber leider desto schwerer . Manch wilder Jauchzer durchschallte das leichte Gebäude ; aber auch manchem bleichen , sorgenvollen , abgeängsteten Gesichte begegnete man auf der Treppe oder in den Gängen . Die Nationen , welche in der Kneipe niedersitzen , die Röcke ausziehen und die Ellbogen auf den Tisch stemmen , sind politisch nicht die gefährlichsten . Was würde aus dem s.v. ebengenannten Deutschen Bunde und denen , welche an seiner Erhaltung ein Interesse haben , werden , wenn der beschränkte Untertanenverstand anfinge , seinen unbeschränkten Durst im Stehen zu löschen ? Gottlob , noch sitzt der germanische Christ selbst in Amerika beim Bierkrug , und so gab es denn auch im » Vater Rhein « ein echt deutsches Gastzimmer , in welchem nur die obligaten Bilder der respektiven Landesväter , -mütter , -onkel , -tanten , -neffen und - fehlten , um die Illusion , daß man sich mitten unter den rührenden gemütvollen Institutionen der Heimat befinde , zu vervollständigen . Daß der Wirt statt der Porträts der heimatlichen Potentaten und Potentatinnen ein Bild Robert Blums über einer Lithographie , die Stadt Kirchheim unterm Teck darstellend , mit einem Blumenkranze geschmückt hatte , zeugte freilich von einem sehr schlechten Herzen und höchst verderbten politischen Anschauungen . Schwarzgeräuchert waren selbst in der neuen Stadt Saint Louis die Wände und die Decke des Gastzimmers , und undurchdringliche Rauchwolken füllten den Raum , wie überall an allen Orten , wo deutsches Volk sich zum Trunk versammelt ; doch wurden hier mehr Doppelbüchsen als Regenschirme in die Ecken gestellt , und man sah über keiner geheiligten Tür das niederträchtige Wort » Honoratiorenstube « grinsend Dummheit und alberne Abgeschmacktheit bescheinigen . Die Gaslichter brannten bereits in dem nebeligen Raume , als Konrad von Faber eintrat und sich vor einem Schoppen schäumenden Bieres niederließ . Groß war der Lärm der anwesenden edlen Bürger , und vorzüglich in der entgegengesetzten Ecke des Gemaches ging es hoch her . Dort jubelte , lachte und klatschte man Beifall und drängte sich in einem dichten Kreis um einen dem Hauptmann nicht sichtbaren Jemand , welcher die Aufmerksamkeit der lustigen Ecke sehr zu fesseln schien und in der Mitte des Kreises ungemein geistreich und spaßhaft sein mußte . Der Hauptmann , nachdem er einem armen Teufel aus dem glücklichen Land Mecklenburg einen Schoppen gezahlt hatte , hielt es natürlich für seine Pflicht , zu erkunden , was es in jener fidelen Ecke auch für ihn gäbe . Er erhob sich , näherte sich jenem Kreis und legte seinen Bart über