Bienen so munter summten . Im Hause tappte er still herum , tat nichts , sprach mit niemand . Seine Buben zog die Bäuerin ebenso rechtschaffen und fromm auf , wie sie ihren eigenen Sohn erzogen hatte , der ihr im Spätjahr eine liebe willkommene Schwiegertochter ins Haus brachte . Regina und Levin besuchten öfters den Bauernhof und seine guten Menschen . So wie Wendel Levin erblickte , pflegte er lebhaft auszurufen : » Gottes Mühlen mahlen langsam « und die Bäuerin pflegte betrübt beizusetzen : » Ach , hochwürdiger Herr ! hätte die arme Rosel das bedacht , so hätte sie Buße tun und vielleicht noch eine Heilige werden können . « » Ja , « sagte Levin , » Gott will nicht den Tod des Sünders , sondern daß er sich bekehre und lebe . « Brautkränze Hyazinth hatte das wunderbare Erbe angetreten , das niemand durch irdische Begabung beanspruchen und durch irdische Berechtigung in Besitz nehmen kann ; das wunderbare Erbe , welches dem Auserwählten himmlische Begünstigung zuwendet , an die zugleich irdische Entsagung geknüpft ist , damit er eingedenk bleibe , daß diese höchste Gunst von oben komme und keine Naturgabe sei ; Hyazinth hatte die Priesterweihe empfangen . In seiner zärtlichen Andacht zur Mutter Gottes wählte er den Tag Maria-Hilf , um seine Primiz , seine Erstlingsfeier des heiligen Meßopfers , zu begehen . Ganz Windeck war in einem Freudenrausch ; sogar der Graf - obgleich er behauptete , er werde nur durch die übrigen mit fortgerissen , ihm blute eigentlich das Herz , da ja nun der gute Hyazinth in sein kaplanisches Elend hineingehen müsse . Dennoch tat er alles , um in seiner Weise das Fest zu verherrlichen . Das Schloß wurde von oben bis unten bekränzt , bewimpelt und beflaggt , die Böller aufgestellt , die ganze Verwandtschaft und Freundschaft eingeladen , die Kapelle glänzend geschmückt . Ein wunderschöner Kelch sollte sein Angebinde für Hyazinth sein . Die Baronin Isabelle , Regina und Corona hatten jede ein Meßgewand für ihn gestickt und Regina ihm den Kranz gewunden . » Denk ' an mich , wenn Du ihn trägst und bitte Gott , daß ich bald einen ähnlichen Brautkranz tragen dürfe , « sagte sie , als sie ihm den Kranz reichte . » Die heilige Gottesmutter vergißt Dich nicht , « entgegnete Hyazinth . Es kamen viele Verwandte . Uriel fehlte nicht . Sogar Orest traf aus Mailand ein ; Uriel hatte darauf gedrungen . Am Tage Maria-Hilf trug die ganze Natur den bräutlichen Frühlingsschmuck ; die Erde lachte im Blütenkranze des Mai und der blaue Himmel unter seiner Sonnenkrone . Die Schloßkapelle glich einer Blumenlaube mit Kerzenlicht durchwebt ; der Altar war strahlend . Hyazinth im weißen , goldgestickten Meßgewande , den mystischen Brautkranz auf der reinen Stirn , ging zum Altar ; neben ihm die mystische Braut , die ihm die brennende Kerze trug , ein kleines sechsjähriges Mädchen , die jüngste unter allen Verwandten . Levin und Pater Athanasius von Kloster Engelberg , Hyazinth ' s Beichtvater von Kindheit auf , assistierten . Ein wunderbares Fest ! auf Erden wird es gefeiert , aber es gehört dem Himmel an . Die Weihe , das Opfer , der Gegenstand , die Bestimmung - alles ist himmlisch , alles ist Gnade , alles betrifft den übernatürlichen Menschen . Da wandelt ein Jüngling zum Altar , verliebt in die göttliche Liebe und dem geheimnisvollen Opfer , das seine gebenedeite Hand als reines und demütiges Werkzeug vollzieht , schließt er das Opfer seiner vollkommenen Hingebung an und da , wo der süße Wohlgeruch des heiligsten Blutes zum Throne Gottes emporwallt , da steigt auch aus der zartesten Blüte des Menschenwesens ein Arom von unirdischer Lieblichkeit und Schönheit auf . Der Jüngling , der da zum Altare wandelt , der meint es ernst mit Gott - und Gott mit ihm . Gott hat ihn aus der Welt auserkoren und geheiligt ; dafür soll er die Welt geheiligt an Gott zurückgeben . Er hat den Zuruf des Apostels im vollen Umfange verstanden : » Was droben ist , habet im Sinn ; nicht was hienieden ; « und deshalb wandelt er zum Altar , er selbst ein geschmücktes Opferlamm , um sich für jetzt und für immer mit seinem Opfer in das Opfer seines Gottes zu verabgründen , um - das Droben mit dem Hienieden zahlend - in die Gnadenwelt einzugehen , die der Priester der Menschheit vermittelt und durch die er der Fortsetzer des Erlösungswerkes , der Stellvertreter und Mitarbeiter Gottes ist . Eine Feier , die holdseliger und erhabener , rührender und großartiger wäre als eine Primiz , gibt es auf Erden nicht , denn nirgends sonst erscheint der Mensch in so idealischer Verklärtheit , nirgends sonst steht er auf so lichter Höhe des Tabor und nirgends sonst ist ihm ein Gethsemane so gewiß . Die Seelen lieben , die Christus geliebt hat , den Seelen dienen , denen er gedient hat , - das bringt Leiden mit , die er gelitten hat , und die leiden nur Seelen , die sich ihm verähnlichen . Wie ein Engel , in demütige Anbetung Gottes versunken , ganz weltvergessend , ganz aufgelöst in die Gnadenfülle , die sich um ihn , in ihn , über ihn ausgoß , vollzog Hyazinth die Feier der heiligsten Geheimnisse , ohne sich auch nur einen Augenblick aus der Gegenwart Gottes zu verlieren . Mit heiliger Andacht und tiefer Rührung dienten ihm seine Assistenten , beide - Meister und Vorbilder seines inneren Lebens , beide - treue Glieder der lehrenden und streitenden Kirche , beide - wohlgeübt in der Schule des Kreuzes , beide - betend , daß er gewürdigt werde sie zu durchwandeln . Levin sah so strahlend von seliger Freude aus , daß Regina den Greis Simeon zu sehen glaubte , nachdem er » das Heil Israels « geschaut hat und in Frieden heimzugehen wünscht . Stille Wonne durchschauerte sie bei dem Gedanken , daß diese beiden Erwählten