« Ulrich kannte diese Stimme , und jetzt rief er , vor dieser plötzlichen Erscheinung alles Andere vergessend : » Um Gotteswillen öffnet und nehm ' t ihn mit hinein ! « » Ulrich ! « rief der Propst erschrocken und ernüchtert . » Ulrich ! « rief auch der Andere mit freudigem Erschrecken . » Still ! nur auf offenem Platz keine Fragen und Erklärungen ! « rief Ulrich ; » nehm ' t uns mit in das Haus , Herr Propst , aber in aller Stille , und steckt uns in die nächste dunkle Ecke Eures Hauses , wo uns Niemand vermuthet und findet ! « Der Propst hatte schon den gewichtigen Klöppel an der Hausthür dreimal geschwungen und sagte : » Hoffentlich macht sich ' s die Haushälterin bequem und öffnet von oben , dann könnt Ihr mit eintreten , und ehe sie mit Licht herabkommt , kann dieser da links in die Thür schlüpfen . Du gehst rechts mit mir , Dich kann sie sehen - aber ihn nicht , denn sie kennt ihn auch . « Es geschah so , wie er gesagt . Die Thür sprang auf , die Drei traten ein , die Haushälterin kam erst mit Licht die Treppe herab , als der Propst schon den zuletzt hinzugekommenen Begleiter in ein dunkles Seitengemach geschoben hatte . Das Gesicht des Propstes glühte noch von Wein und seine Augen funkelten ; aber Schreck und Angst hatten ihm die Besinnung wiedergegeben . Er nickte indeß lächelnd der Haushälterin zu und sagte auf Ulrich deutend : » Der da dachte , ich bedürfe seiner als eines nothwendigen Stockes - da hab ' ich ihn denn gleich mitgenommen , und er mag die Nacht hier bleiben , da ihm indeß sein Haus verriegelt worden und ein Baubruder keinen nächtlichen Lärm macht . Geht wieder hinauf und zur Ruhe , er mag in meiner Nähe in der Todtenkammer schlafen . « Die schläfrige Dienerin gehorchte gern und war bald die Treppe hinauf und verschwunden , indeß Kreß und Ulrich in das Wohnzimmer traten . Als sie allein waren , sank der Propst erschöpft auf seinen Lehnsessel , brach in Thränen aus und jammerte : » Was soll nun werden ? O ich habe es mir doch gedacht , daß er wiederkommen wird , zu mir - gerade zu mir ! Ich sollte sein Todfeind sein , und er jammert mich doch ! Von rechtswegen müßt ' ich ihn festhalten und an das Kloster ausliefern . Er ist aus dessen Mauern geflohen - zum Tode schon verurtheilt , hat er noch ein todeswürdiges Verbrechen begangen ! Er hat sich auch an mir versündigt und an Dir , er hat mir sein feierlich gegebenes Wort nicht gehalten . Hier an dieser Stelle war es , wo er schwor , Dir nichts zu verrathen - nun hat er Dich unglücklich gemacht und wird uns Alle in ' s Verderben stürzen ! - « » Um ' s Himmels Willen ! « rief Ulrich , » Ihr seid jetzt nicht in der Stimmung , kalt und ruhig zu überlegen , was zu thun ist ! Schlaf ' t in Ruhe und laßt mich zu ihm , damit ich von ihm höre , wie ' s ihm indeß ergangen und was ihn hierher getrieben ! « » Schlafen ? den Rausch ausschlafen , meinst Du wohl ? « sagte der Propst empfindlich ; » ich bin schon schrecklich genug erweckt und munter geworden durch diese Begegnung , und Du - wo kamst Du denn her - Du tratest hinter mir aus Scheurl ' s Haus - « » O jetzt nicht von mir ! « rief Ulrich ; » sein Schicksal laßt uns bedenken ! Wie lange ist er sicher in dem ihm angewiesenen Versteck ? « » Er kann dort nicht bleiben ! « sagte der Propst . » Sobald meine Haushälterin wirklich zur Ruhe , wollen wir ihn hinaufführen in die Bibliothek ; zu ihr trage ich den Schlüssel immer bei mir , damit nichts darin verrückt oder verräumt werde , das fällt nicht auf , aber an den andern Gemächern pflegen die Schlüssel zu stecken . Bis zur nächsten Nacht kann er dort bleiben - warum ist er nur überhaupt hierher gekommen ? « » Kommt mit hinüber , oder laßt mich gehen ! « drängte Ulrich ; » darnach wollen wir ihn selbst fragen ! « Das der Hausflur zunächst liegende Gemach , in welchem jetzt der flüchtige Amadeus von Wildenfels verborgen war , hatte zunächst die Bestimmung , darin Leute untergeordneten Ranges warten zu lassen , welche den Propst zu sprechen begehrten und nicht gleich vorgelassen werden konnten , entweder weil er nicht zu Hause war , oder schon andere bei sich sah , oder auch sein Mittagsschläfchen hielt , worin ihn Niemand unterbrechen durfte . Dies Gemach hatte nur ein tiefes Fenster mit einem auf die Straße vorspringenden , kunstreich gearbeiteten Eisengitter . Die Wände waren kahl und weiß , rundum liefen hölzerne Bänke an ihnen hin , ein schwerer Eichentisch stand in der Mitte , außerdem war alles leer , nur ein großes , ziemlich gut in Holz geschnitztes Krucifix hing dem Fenster gegenüber . Ulrich und Kreß traten schweigend ein . Amadeus saß auf der Bank dem Tische zunächst , und hatte sein Haupt auf diesen gelegt . So schien er zu schlafen . Sein Gesicht war bleich , Haar und Bart verwildert , aber die geschorene Platte noch sichtbar . Sonst erinnerte nichts mehr an ihm an den Mönch . Er trug große Reiterstiefeln mit Sporen , lederne Beinkleider und darüber ein Oberkleid von grüner Wolle , um den Leib einen Gürtel , an dem ein Schwert hing . Neben ihm lag ein schwarzer Hut mit großer Blende und ein schwarzer Tuchmantel . Ulrich betrachtete ihn mitleidig und sagte : » Wer weiß , welchen weiten Weg er gemacht , wie lange er sich ohne sicheres Obdach herumgetrieben - nun liegt er ermattet hier