werden , ungeachtet ich ihm vorstellte , daß er für den Schwabenkrieg , aus welchem seine Leute eine Schlacht spielen wollten , ganz anderer Gegenstände bedürfe . Ich berief mich endlich auf den Zeugwart , welcher mir recht gab , und der ansehnliche starke Wirt aus den Dörfern , welcher hinter mir stand , um die Sachen wegzuführen , triumphierte und respektierte mich freundlich . Allein die Gegner hielten mich nun für einen gefährlichen Burschen , der das Beste vorwegnähme , und gingen mir auf Schritt und Tritt nach in dem alten Zeughause , gerade das ausersehend , was ich ins Auge faßte , so daß ich nur mit der äußersten Beharrlichkeit noch einen Wagen voll Eisenhüte und Hellebarden für meine reisigen Tyrannenknechte zur Seite brachte . So kam ich mir sehr wichtig vor , als ich mit den Aufsehern das Verzeichnis der verabfolgten Sachen feststellte , obgleich der Wirt der eigentliche Gewährsmann war und dasselbe unterschrieb . Dann hatte ich wieder auf dem Lande vollauf zu tun und begab mich mit einigen Paketen Farbstoff und mächtigen Pinseln hinaus , um ein schönes neues Bauernhaus an der Straße noch völlig in Stauffachers Wohnung umzuwandeln mittelst bunter Zieraten und Sprüche ; denn nicht nur sollte da die Unterredung zwischen Stauffacher und seinem Weibe stattfinden , sondern der Zwingherr vorher selbst heranreiten und seine böse Harangue loslassen . Im Hause des Oheims war ich ein eigentliches Faktotum und eifrig bestrebt , die Kleidung der Söhne so historisch als möglich zu machen und die Töchter , welche sich sehr modern aufputzen wollten , von solchem Beginnen abzuhalten . Mit Ausnahme der Braut wollten sich alle Kinder des Oheims beteiligen , und sie suchten auch Anna zu überreden , welche überdies von dem leitenden Ausschusse dringend eingeladen war . Allein sie wollte sich durchaus nicht dazu verstehen , ich glaube nicht nur aus Zaghaftigkeit , sondern auch ein wenig aus Stolz , bis der Schulmeister , für diese Veredlung der alten roheren Spiele durchaus begeistert , sie entschieden aufforderte , auch das Ihrige beizutragen . Nun war aber die große Frage , was sie vorstellen sollte ; ihre Feinheit und Bildung sollte dem Feste zur Zierde gereichen , während doch alle hervorragenden Frauenrollen jungen Männern zuteil geworden . Ich hatte mir aber längst etwas für sie ausgedacht und überzeugte bald meine Basen und den Schulmeister von der Trefflichkeit meines Vorschlages . Obgleich die Rolle der Berta von Bruneck gänzlich wegfiel , so konnte sie doch als stumme Person das ritterliche Gefolge Geßlers verherrlichen . Dieses war sonst vom Volkshumor ziemlich schofel und wild , und besonders der Tyrann sehr fratzenhaft und lächerlich dargestellt worden ; dagegen hatte ich nun durchgesetzt , daß der Aufzug des Landvogts recht glänzend und herrisch sein müsse , weil der Sieg über einen elenden Widersacher nichts Absonderliches sei . Ich selbst hatte den Rudenz übernommen , auch sein Verhältnis zum Attinghausen fiel weg , und erst am Schlusse hatte er zum Volke überzugehen , so daß mir viel Freiheit und Zeit zu mancher Aushilfe und vor allem wenig zu sprechen blieb . Einer der Vettern machte Rudolf den Harras , und Anna konnte also sich im Schutze von zwei Verwandten befinden . Zufällig war die Originalausgabe von Schiller gar nicht bekannt im Hause , und selbst der Schulmeister las diesen Dichter nicht , weil seine Bildung nach anderen Seiten hinstrebte ; also ahnte kein Mensch die Beziehungen , welche ich in meinen Plan legte , und Anna ging arglos in die ihr gestellte Falle . Das Schwerste war , sie zum Reiten zu bringen ; ein kugelrunder gemütlicher Schimmel stand im Stalle meines Oheims , welcher nie jemandem ein Haar gekrümmt hatte und auf welchem der Oheim über Land zu reiten pflegte . Auf dem Boden befand sich ein vergessener Damensattel aus der alten Zeit ; dieser wurde mit rotem Plüsch neu bezogen , welchen man einem ehrwürdigen Lehnstuhle entnahm , und als Anna zum ersten Mal sich darauf setzte , ging es ganz trefflich , besonders da der reitkundige Nachbar Müller einige Anleitung gab , und Anna fand zuletzt großes Vergnügen an dem guten Schimmel . Eine mächtige hellgrüne Damastgardine , welche einst ein Himmelbett umgeben hatte , wurde zerschnitten und in ein Reitkleid umgewandelt ; auch besaß der Schulmeister als ein altes Erbstück eine Krone von silbernem Flechtwerke , wie sie ehemals die Bräute getragen ; Annas goldglänzendes Haar wurde nur zunächst der Schläfe zierlich geflochten , unterhalb aber in seiner ganzen Länge frei ausgebreitet und dann die Krone aufgesetzt , auch ein breites goldenes Halshand umgetan , auf meinen Rat einige Ringe über die weißen Handschuhe gesteckt , und als sie zum ersten Mal diesen ganzen Anzug probierte , sah sie nicht nur aus wie ein Ritterfräulein , sondern wie eine Feenkönigin , und das ganze Haus war in ihrem lieblichen Anblick verloren . Aber jetzt weigerte sie sich aufs neue , an dem Spiele teilzunehmen , weil sie sich selber so fremd vorkam , und wenn nicht die ganze Bevölkerung in ihren ehrbarsten Familien bei der Sache gewesen wäre , so hätte man sie nicht dazu gebracht Unterdessen hatte ich nicht geruht und mit meinen Herren Vettern ein wenig ins Sattlerhandwerk gepfuscht , indem wir die nicht sehr sauberen Zügelriemen des Oheims mit rotem Seidenzeuge umnähten , welches wir von einem Juden billig gekauft ; denn Annas Hände sollten das alte Lederwerk nicht unmittelbar berühren . Meinen eigenen Anzug hatte ich längst in Ordnung gebracht und denselben grün und jägermäßig gewählt , da dadurch eine größere Einfachheit möglich war für meine geringen Mittel . Doch war er noch erträglich getreu , eine große zimmetfarbene Decke , ohne Beschädigung in einen faltenreichen Mantel umgewandelt , verhüllte die Unvollkommenheiten ; auf dem Rücken trug ich eine Armbrust und auf dem Kopfe einen grauen Filz . Allein da der Mensch immer eine schwache Seite haben muß , so schnallte ich den langen Toledodegen um aus der Dachkammer ; ich hatte alle anderen zu historischer Treue ermahnt , hatte