wohl , woher es kömmt , und damit soll mich niemand mehr fangen , wie man mit Speck die Mäuse fängt . Es tat mir einerseits wohl , Freunde zu haben , Männer , von denen ich meinte , sie bedeuteten was und meinten es gut . Solche Freunde sind was , nicht nur wegen der Hülfe , sondern es tut einem wohl im Herzen , wenn man denken kann : es mag dir gehen , wie es will , so hast du Freunde , und rechte Männer . Ich muß es bekennen , an diesem Gedanken habe ich große Freude gehabt und oft gedacht : nicht jeder hat Freunde , so wie nicht bei jedem Menschen die Hunde bleiben . Aber wahr ists , ich lebte noch wöhler an ihren Worten ; sie rühmten mir alles und lobten mich immer , da war nichts als Uli hinten und Uli vornen . Wenn man nichts gewesen , tut es einem so wohl , wenn man auf einmal so viel sein soll ; man weiß manchmal nicht , geht man auf dem Kopf oder auf den Füßen , man kommt ordentlich in einen Schwindel , wo man sich dreimal größer sieht , als man ist , und in süße Träume , wo man meint , man sei wirklich im Schlaraffenland und die gebratenen Würste hingen bereits zunächst dem Maule . Jetzt , aus diesem Traume Gottlob erwacht , schäme ich mich , kann nicht begreifen , wie ich das nicht merkte , daß dieses eben die Speckbrocken waren , mit welchen man die Mäuse fängt , daß ich mich so ganz blindlings fangen ließ . Aber es dünkte mich , sie täten den Nagel auf den Kopf treffen , und weil ich ihnen dieses glaubte , glaubte ich ihnen alles andere , hielt sie für die glaubwürdigsten Männer auf der Welt . Ungefähr so wird es der Eva im Paradiese mit dem Teufel ergangen sein . Ward sie gestraft , werde ich billigerweise es auch . Wie ich merke , wird es vielen Menschen schon so gegangen sein . Ich sehe erst jetzt , wie gefährlich es ist mit dem Glauben , wie leicht man ihn am unrechten Orte anwendet . Habe daher nicht Kummer , ich muß es nehmen , wie es ist ; mich dauert nur , daß auch du damit leiden mußt . « An einem schönen Abend machte Uli sich endlich auf zu dem Müller ; weit war es nicht , aber müde ward er doch . Als er zur Mühle kam , wollte ihn lange niemand sehen , dann lange niemand wissen , wo der Müller sei , dann niemand Zeit haben , ihn aufzusuchen , und als endlich jemand sich dazu herabließ , verging eine mörderliche Zeit , bis der Müller sich zeigte . Das sind immer schlimme Zeichen und lassen eben auf den zärtlichsten Empfang nicht schließen . Endlich erschien der Müller . » Lebst auch noch ? « sagte er . » Es hielt dich hart , wollte kommen und sehen , wie es dir gehe , es wollte sich aber nie schicken , daneben hätte ich doch nichts helfen können . « » Du hast recht , « sagte Uli , » da mußte ein Anderer herbei ; aber was ich sagen wollte , schickt es sich dir etwa , mit mir zu rechnen ? Es wäre mir sehr angenehm . Es plagte mich die Zeit über oft , daß ich meine Sache nicht im Reinen hatte ; wenn ich hätte sterben sollen , wer hätte die Sache auseinandermachen sollen , an das sollte man immer denken . « » Du hast recht , « sagte der Müller , » es ist auch gut für die Überlebenden . Wie aufrichtig man ist , so sollte man am Ende doch betrogen haben ; besonders ist immer alles auf den Müllern , wenn die einmal was eingeben , so soll es falsch und erlogen sein . Es ist akkurat , als ob alle Leute die Wahrheit redeten und nur sie lügen könnten . « So begehrte der Müller in einem fort auf , und Uli mußte denken : » Hat der etwa schon auf meinen Tod hin eine Eingabe gemacht gehabt in mein Beneficium Inventarii oder Vermögensliquidation , und erscheine ich ihm jetzt so gleichsam als ein Gespenst oder wie ein alter Papa aus dem Grabe erblustigen Söhnen , « » Hast das Hausbuch bei dir ? « fragte der Müller . » Den Kalender habe ich , « sagte Uli . » Hast denn kein Hausbuch ? « fragte der Müller . » Ich denke , « sagte Uli , » der Kalender werde einstweilen wohl genug sein . « Er hatte eine ganz andere Antwort auf der Zunge , allein während seinem Prozessieren hatte er doch was gelernt , das teure Lehrgeld war nicht umsonst ausgegeben , wie es übrigens oft genug der Fall ist ; er hatte uneinläßlich antworten lernen , dies ist keine unbequeme Redeweise . » So gib an , was sollte ich dir schuldig sein ? « sagte der Müller . » Wenn du dann fertig bist , so will auch ich dir deine Sünden ablesen , es wird dann bald aus , gerechnet sein . « Wir wollen dem Verlauf dieser Rechnung nicht folgen , das Ding wäre zu lang und langweilig . Wir wollen bloß sagen , daß der Müller sich offenbar auf Ulis Tod eingerichtet zu haben schien , wenigstens dem Hausbuch nach , welches er in Händen hatte ; denn vielleicht hatte er mehr als eins , eins für die Lebendigen und eins für die Toten . Bei jedem Ansatz von Uli gab es Anstoß , bald wegen dem Preise und bald wegen der Zahl der Säcke , und als erst der Müller seine Gegenrechnung ablas , gab es der Anstände bei jedem Wort und nicht bloß über Maß und Preis , sondern ob die Sache wirklich geliefert worden oder nicht . Es war