. Auf Flur und Treppe war es wie auf dem Hofe . Kein Trampeln , kein Wehen , kein Gehen . Mit dem Degenknauf stieß er an die Thüren ; keine Antwort . Er stieß eine und die andere auf ; die Betten standen unberührt . Herr Gottfried war und blieb in einer sehr unangenehmen Lage . Er fror nicht allein und fing nicht allein an zu hungern , sondern er fand sich in der Nothwendigkeit , über seine besondere Lage nachdenken zu müssen . Sein Schlachtschwert mit der Spitze auf die Diele stützend , stand Herr Gottfried da und wollte denken , als der Hauskater plötzlich die Treppe herauf- und an ihm vorbeihuschte , im Maule ein gebratenes Huhn . Wo das ist , ist mehr , dachte Herr Gottfried , und ehe er wußte wie , stand er in der Halle . Da war freilich auch kein lebendiges Wesen , still war es wie in der ganzen Burg , auf dem Heerde glimmten nur noch wenige Kohlen ; aber so unheimlich war es Herrn Gottfried doch nicht , denn die ordnende oder schaffende , oder kürzer , die anrichtende Hand des Menschen war sichtbar . Der große Tisch stand gedeckt , als warte er nur auf ihn . Sogar sein Lehnstuhl mit dem Lammfell darüber war zurecht geschoben . In der Mitte prangte ein ungeheurer Ochsenschinken , daneben Schüsseln mit , Würsten , gesäuerte Gänse , Backwerk , Brod , Käse , ein Topf mit Butter , Körbe mit Rüben , Aepfeln , Birnen : dazu getrocknete Pflaumen , hart gesottene Eier , und was nur die Speisekammer einer guten Burgwirthschaft aufweisen kann . Und neben den Eßwaaren ein Krug Bier , eine Flasche Meth , und noch ein Kelchglas zum Wein . Auch brauchte Herr Gottfried nicht lange umher zu suchen , bis er das ganze Fäßchen mit Malvoisir auf der Bank sah , mit eingeschraubtem Hahn und das Näpfchen darunter . Alles mußte schon lange dastehen , ohne daß eine Hand daran gerührt hatte . Die kleine Unordnung , die sich nicht verbarg , kam offenbar nur von Katzenpfoten her , und als Herr Gottfried zwei freundliche Thiere an den Wänden Buckel machen sah , und ihre Augen schielten wieder auf den Tisch , hielt er dafür sogleich Platz zu nehmen , denn der Tisch war unstreitig für Menschen , nicht für Katzen gedeckt . Um deshalb schlang er sich rasch das Tüchlein um den Hals und ergriff das große Messer , um an die Arbeit zu gehen , die ihm nur insoweit schwer ward , als er einen Augenblick unschlüssig war , ob er zuerst die Gans , oder zuerst den Schinken ergreifen solle . Wie dem nun sei , es mochte eine kleine Stunde vergangen sein , in der Herr Gottfried sich recht wohl fühlte , weder Gespräche noch Gedanken hatten ihn gestört , als er einen Augenblick sich zurücklehnte , und die Rechte mit dem Messergriff auf den Tisch stützte , nicht um aufzuhören , sondern um , was man in Hohen-Ziatz nannte - zu verpusten . Der Bierkrug war leer , die Flasche Meth schon durchsichtig ; sein Auge blinzelte nach dem Fäßchen Malvoisir : » Hübsch wär ' es doch , wenn das zu mir käme ; dann brauchte ich nicht aufzustehen ! « Warum mußte das Herr Gottfried denken ! Denn ein Gedanke lockt den andern ; das ist eine furchtbare Wahrheit , gegen die alle Klugheit und Macht sich vergebens sträubt . - Warum kam das Malvoisirfäßchen nicht zu ihm ? - Weil es auf der Bank stand . - Warum stand es auf der Bank ? - Weil sie es dahin gestellt hatten . - Wer hatte es dahin gestellt ? Die Hexen ? Die kleinen Leute oder wer sonst ? - Wie eine Bezauberung sah das Ganze freilich aus ! - Aber Herr Götz war nie bezaubert gewesen . - Hatte er ein Gebet vergessen ? Hatte er eine Sünde begangen ? Oder war alles ein Traum ? Er wollte die freie Hand auf ' s Herz legen , aber sie glitt unvermerkt auf den Magen . - Nein , das war kein Traum gewesen . Auf die harten Eier wollte er ja eben den Malvoisir setzen . Halb öffnete sich sein Mund , und in seine Augen trat das Weiße , das ein Zeichen plötzlichen Schreckens ist . » Blitz noch ein Mal « , brach es von seinen Lippen , » das ist nun zu spät ! « » Noch nicht zu spät ! « rief eine dumpfe Stimme , und eine Gestalt trat vor den Ritter , die alle Wärme , so Bier und Meth hervorgerufen , wieder erstarrte . Weiß eingehüllt , weißen Gesichtes stand das Gespenst vor ihm , in dem Herr Gottfried , erst nachdem es ausgesprochen , seinen Neffen erkannte . » Noch nicht , Ohm , aber bald . « Dem Ritter entfiel das Messer . » Der Tropfen rinnt in ' s Meer , die Augenblicke und Stunden fließen in die Ewigkeit ; wer schöpft den Tropfen zurück , wer faßt den verlorenen Augenblick ! Es wird zu spät werden , aber Heil dem , der noch die Zeit erfaßt . « » Junge bist Du ' s ? « Ach , Herr Gottfried war so froh , als er das Wort aus der Brust heraus hatte . » Den Du meinst , Ohm , bin ich nicht . Mein Geist schaut aus der gebrochenen Hülle heraus . Dieser frei gewordene Geist spricht zu Dir . « » Setz ' Dich doch , Hans Jochem « , athmete Herr Gottfried . » Dein Bein , Du wirst ja müde sein . « Hans Jochem schüttelte den Kopf , wie ein Abgeschiedener , dem ein Lebendiger etwas zumuthen möchte , was ihm ein schmerzlich Lächeln abringt . » O daß Du müde wärst , Ohm , Deiner selbst , müde des langen Lebens hinter Dir ; dann wäre Hoffnung