die Bestimmung seines Lebens ! Er war jetzt , was er an dem Hofe Ludwigs des Vierzehnten war - das Kind des Augenblicks . Hier von den edelsten Beziehungen der Menschen zu einander so warm ergriffen , wie dort von ihren eiteln Bestrebungen beherrscht - keiner Lage ganz gehörend - zu der einen zu eitel und ehrgeizig , zu der andern zu gut , zu tief in die Geheimnisse eines höheren Lebens durch Fennimor eingeweiht - überall getheilt , zerfallen mit sich - auf dem sichern Wege , das zu werden , was der Marquis de Souvré zu erreichen trachtete : ein unglücklicher , von verfehlten Lebenswegen irre geführter Mensch ! In dem Augenblicke , wo er beinah mit Andacht sein Weib , die Mutter seines Kindes , betrachtete , wußte er , daß seine Verlobung mit Fräulein von Lesdiguères am Hofe deklarirt war , und seine Rückkehr erwartet , um seine öffentliche Vermählung zu feiern . Er wußte , daß er diese gegen seinen Willen ihm über den Kopf gewachsene Verpflichtung jetzt erfüllen mußte , oder daß er vor der Welt , deren Meinung ihm so wichtig geworden , entehrt dastehen , und auf ewig aus der glänzenden Gemeinschaft getrieben sein würde mit der sichtbaren Gottheit Frankreichs - mit seinem Könige . Jede ehrgeizige Hoffnung wäre damit vernichtet gewesen , der Name , dessen stolzen Anspruch er jetzt erst begriff , zu dem trostlosesten Dunkel hinab gewiesen , und in der Verbannung keine Hoffnung auf Seelenruhe , da ihm der Fluch der Eltern und das Andenken an Viktorinens gebrochenes Herz folgen mußte . - Am Morgen nach der uns bekannten Ernennung des Königs , begab sich die Marschallin von Crecy , die sonst die Waffensäle ihres Gemahls selten besuchte , dahin , dem zögernden Leonin zuvorkommend . Der Marschall mußte die Aufmerksamkeit seiner Gemahlin anerkennen , daß sie schon am frühen Morgen zu ihm eile , ihm sowol die Anstellung ihres Sohnes , wie die Verlobung desselben mit Mademoiselle de Lesdiguères anzuzeigen , die durch einige Worte der Majestäten , welchen allerdings die Sache außer Zweifel war , für beide Ehegatten die Sanction einer priesterlichen Einsegnung erhielt . So ward Leonin , als er später dem Vater nur seine Anstellung mittheilen wollte , in doppelter Beziehung beglückwünscht , und der unbeschreiblich ungestüme Jubel des alten Helden ertödtete jeden Versuch der Widerlegung in dem fast von diesen Eindrücken betäubten Sohne . Auch fand er ihn schon zur Hälfte in seiner Marschalls-Uniform - er wollte dem Könige seinen Dank abstatten und dann der alten Eule , der Herzogin Schwiegermama , wie er in lustiger Laune die Mutter Viktorinens nannte , die Reverenz machen - » und ist Deine Liebste dort , dann soll sie einen Kuß haben , so wahr ich Marschall von Frankreich bin ! « Es wäre eben so möglich gewesen , den Strom der Seine rückwärts fließen zu lassen , als den Marschall aus seinem , ihm von seiner klugen Gemahlin angegebenen Gedankenstrom zu lenken . Leonin machte einige vergebliche Versuche dazu ; da sie jener aber lachend und tobend ganz überhörte , sicher , er könne nur erfahren , was in diesen Ideenkreis hinein passe , riß sich Leonin endlich , fast wahnsinnig über seine Lage , von seinem Vater los . » So gehe denn , mein Kind , und komme bald wieder ! Es ist mir zwar nicht Recht , daß Du jetzt das alte Nest Ste . Roche besuchen willst , und ich verstehe nicht , wie sich das mit Deinem schuldigen Respekte gegen die Majestäten und Deine Braut verträgt . Da es aber Deine Mutter billigt , der man in solchen Fällen wohl trauen darf , und Seine Majestät der König es in den Mund nahm , so habe ich Nichts zu erinnern ; - auch denke ich , man wird ums Wiederkommen nicht sehr zu bitten haben . He , mein Junge , das muß man sagen , sie haben Dir eine gute Partie gemacht - die alte Eule von Mutter ist eine Schwester des Herzogs von Reetz , und die Lesdiguéres werden herankommen an die Crecy und Soubise ! « Länger ertrug es Leonin nicht . Todeswund stürzte er sich in die Arme seines Vaters . Der Marschall nahm sein undeutliches Gemurmel für Abschiedsworte , küßte und herzte und entließ ihn , seinen in Juwelen gefaßten Ehrendegen aus der Hand des Kammerdieners nehmend und ihn mit geheimer Lust in das goldene Gehänge steckend . Leonin stürzte dagegen durch die Gemächer , die zu den Zimmern seiner Mutter führten , und wer ihm begegnete , wich ihm aus und sah dem glücklichen Erben , auf dessen Haupt sich so viel Ehren häuften - denn seine Anstellung und Verlobung war Allen bereits mitgetheilt - voll Erstaunen nach , fürchtend , eine plötzliche Krankheit habe ihn ergriffen . Er sah den Thürsteher seiner Mutter , der ihn melden wollte , nicht , er drückte mechanisch die Thür auf , er erreichte ihr Kabinet und stand vor ihr , als sie eben die schwere Sammet-Robe abwarf ; denn sie kam von dem Lever der Königin , welche die Anwesenheit der Marschallin benutzte , um der Königin Mutter , den Prinzessinnen und diesem höchsten Kreise Mademoiselle de Lesdiguères als die verlobte Braut des jungen Grafen von Crecy-Chabanne vorzustellen . Sie kehrte zurück mit der stolzesten Selbstzufriedenheit , mit dem Gefühl , ihr Ziel erreicht zu haben - und indem sie sich umwendete , erblickte sie Leonin , und ein nie gekanntes Erbeben erschütterte ihren ganzen Körper ; denn es war , als ob eine Donnerstimme ihr zuriefe : » triumphire nicht zu früh - er wird das Opfer ! « - Doch war sie stets schnell gefaßt . Ein Wink entfernte die Kammerfrauen ; - und als sie eigenhändig das Vorzimmer verschlossen hatte , war ihre ganze Selbstbeherrschung zurück gekehrt , und in sich hinein sagte sie : » jetzt keine Schwäche , er ist ja der Augenblick , den Du längst erwartet ! « Sie