construirte sich ein wundersames Bild , in denen die Hauptfarben genug des Grellen und Blutigen an sich trugen . Sobald indeß nur der Scherz auf den Straßen in alter Weise begann , vergaß man ungezwungen die Geheimnisse des häuslichen Unglückes und begnügte sich mit Späßen , wie der Augenblick sie erfand . Diese Improvisationen waren übrigens gar nicht zu verachten , und gaben von Neuem einen Beweis , wie die Natur immer die glücklichste Schöpferin bleibt , wenn sie ungestört sich frei bewegen darf . Ohne eigentliche Anleitung bildete sich ein höchst ergötzlicher Maskenzug , der , wie gewöhnlich , zuletzt noch Besitz nahm vom Gürzenich . Nur kürzere Zeit währte der Scherz , der freilich zuweilen die Derbheit etwas in zu großer Ungenirtheit an den Nächsten verhandelte . Ein eigenes Interesse nahmen die große Menge der Pietisten , an Bardeloh ' s Einladung . Mit sicherm Takt hatte mein Gastfreund die Eitelkeit unter der demüthigen Kopfbinde bei diesen Menschen herausgefühlt , und deshalb eine ganz specielle Aufforderung , sein Fest zu besuchen , an sie ergehen lassen . Daß er dabei schwarze Kleidung sich ausbedang , erhob ihn noch mehr in ihren Augen ; denn sie vermeinten darin gewissermaßen den Widerschein der Reue zu erblicken , die bereits im Herzen des stolzen Mannes sowol über sein früheres Leben , als über den Schwank des gegenwärtigen Tages sich zu äußern beginne . Der Abend war herangekommen und in besonnener Eile jedes Nöthige besorgt worden . Bardeloh ließ noch eine besondere Einladung an Mardochai ergehen , Theil zu nehmen an dem Feste . Er schrieb ihm ein kurzes Billet , das er mir zeigte , bevor er es abschickte . Die Worte lauteten : » Da Sie der Zufall genöthigt hat , zum ersten Male der Allgemeinheit nicht Wort zu halten , hoffe ich , daß Sie mindestens den Freund , den Einzelnen , nicht versäumen werden . Das Fest der Sühne wird gestört , da Sie nicht Theil daran nehmen mögen . Halten Sie also vereint mit mir das Trauermahl und vergessen Sie nicht , durch den Ueberbringer dieser Zeilen mir die Maske zurückzuschicken , die Sie eigentlich heut zieren sollte ! « Mardochai sagte bereitwillig zu , indem er zugleich meldete , daß die Einbalsamirung seiner Tochter geschehen und überhaupt sein ganzes Hauswesen bestellt sei . In einem Packet überreichte der Diener meinem Gastfreunde die verlangte Maske . Ueber Bardeloh ' s Gesicht flog ein Zucken , das wie die Freude wilder Dämonen seine männlich schönen Züge nur auf Sekunden verunstaltete . Ich erschrack , ohne das Warum zu begreifen ; ich hatte keine Ahnung von dem Inhalt des Packets . Unterdeß war der Salon geordnet , die Divane mit schwarzem Stoff überzogen , statt der bunten Teppiche schwarzwollene aufgerollt worden . Bardeloh selbst , so wie alle Hausgenossen und Dienstboten hatten tiefschwarze Kleidung angelegt . Der Lärm am Heerde contrastirte grell genug mit diesen Todesschauern . In der Hausflur war der Katafalk errichtet . Hohe Kandelaber standen um den Sarg , aus dessen schwarzer Tiefe das bleiche Gesicht des todten Casimir , ähnlich einer Wachsmaske , hervorsah . Einen Lorbeerkranz im spärlichen Haar , eine Lyra in der Linken , verbarg die Rechte einen Dolch . Um den Sarg schritten ernste Wächter , um jeden Neugierigen in die Schranke der Sitte zurückzuweisen . Die anberaumte Stunde erschien , und mit ihr die zahlreich geladene Gesellschaft , der sich anschließen konnte , wer Lust hatte , sobald er sich nur schwarz gekleidet zeigte . Schon die ersten Ankömmlinge stutzten beim Anblick des Katafalks mit Sarg und Leiche . Es erfolgte indeß , was ich erwartet hatte . Jeder hielt diese Anordnung für einen pikanten Scherz des Hausherrn und sah in dem wirklichen Leichname nur eine meisterhafte Maske . Da nur Wenigen Casimir persönlich bekannt war , ließ die Täuschung sich um so leichter bewerkstelligen , und zeigte auch dann und wann ein allzu Neugieriger Lust , den Sarg einer genaueren Besichtigung zu unterwerfen , so wiesen den Zudringlichen die Wächter noch zu rechter Zeit in die Schranken der Mäßigung zurück . Es unterblieb daher jede Störung , so arg der Zudrang war . Eine Menge müßigen Gesindels fand sich ebenfalls ein , über die Kleidung der Dürftigkeit den pomphaften Staat der Trauer geworfen , nicht selten verschossen oder gar Lumpen ähnlicher als Kleidern . Die kecke Zudringlichkeit dieser Menschenklasse wußte Bardeloh auf das glücklichste zu stillen . Es fehlte weder an Speise , noch Trank , und die beliebten Spirituosen wurden reichlich , doch mit Vorsicht , umhergereicht . Das ganze Erdgeschoß war für die Belustigung der lauten Volksmenge vorgerichtet , und es währte auch nicht lange , so war der Scherz im vollen Gange und Niemand dachte sehr an das störend ernste Gerüst auf der Flur . Bardeloh sah , in feinstes Schwarz gekleidet , diesem Staunen , verblüfftem Lächeln , der unablässigen Mischung von geahntem Schreck und gewünschter Freude , im Hintergrunde zu , wo er die feinere Gesellschaft begrüßte , die alsdann nach den oberen Gemächern sich verfügte , wo die sinnende Rosalie sie freundlich , wenn auch befangen , empfing . Schon hatten sich Gleichmuth und Steinhuder mit dem ganzen langen Schweif seiner Anhänger eingefunden , denen er hier gleichsam zum Führer diente . Er war demüthig-höflich , kriechend heiter , und wußte sogar seinen Zorn beim Anblick Lucien ' s und Oskar ' s zu unterdrücken . - Von den Geladenen ward nur Mardochai noch immer vergeblich erwartet , Bardeloh zeigte einige Unruhe , traf aber zugleich Anstalt , die Tafeln ordnen zu lassen . In einem Vorzimmer sammelte sich das Orchester . Gleichmuth suchte mich allein zu sprechen , wir traten zusammen in die psychologische Warte . » Sigismund , « sprach der schwer Geprüfte , » was ist dies für ein Fest ? Wissen Sie , was Bardeloh beabsichtigt ? Oder sollte ich mich irren in dem Argwohne , der das Leben mit seinen täuschenden Scheinfreuden mir zurückgelassen hat ? Unten der