sie Ihr schmerzlicher Ruf nicht geweckt . « Er sah lange schweigend vor sich hin . » Ich also , meinen Sie , « nahm er endlich das Wort , » habe sie ins Leben zurückgerufen ! Wie wird das Leben für sie aussehen ? « Er lächelte auf seine schmerzliche Weise . Mich erschreckte das . Ich wollte es zu keinem innern Verlieren bei ihm kommen lassen . » Seh ' n wir nicht weiter , « bat ich , » als der Augenblick es uns gestattet . Wir haben noch keine Sicherheit für die nächste Zukunft . « Er sah mich erschrocken an . » Wie ? « fragte er , » Sie fürchten noch ? « Ich drückte ihm stumm die Hand , denn die Kranke schien sich im Bette zu erheben . Er sah unruhig nach ihr hin . » Sophie ! « rief sie schwach . Ich eilte zu ihr . Sie gab mir die Hand . Ich mußte mich auf einen Stuhl neben sie setzen . » Er schläft wohl ? « fragte sie . Ich nickte ihr zu , und wendete mich so , daß sie Hugo nicht sehen konnte , der in der offnen Thüre stehend , ängstlich auf jede ihrer Bewegungen sah . » Das ist mir lieb , « versicherte sie . » Ich will , ich muß mit Ihnen reden . « » Jetzt nicht , « bat ich sie . » Sein Sie unbesorgt , es ist nöthig , gewiß , liebe Sophie ! « fuhr sie dringend fort , » ich werde gefaßter sterben , wenn ich dies vom Herzen habe . « » Sie werden jetzt nicht sterben , « unterbrach ich sie , von dem Ernst und der Feierlichkeit ihres Wesens peinlich erschreckt . » Es kann sein , « sagte sie , » es kann auch anders sein ! « Sie sah in die Höhe . Ihr liebes Auge war von dem Flor der Krankheit noch nicht befreit , es dämmerte so umwölkt , und hatte dadurch etwas unbeschreiblich Zärtliches . » Schreiben Sie , « hub sie gleich darauf an , » auf jeden Fall an Eduard , Liebste ! Sagen Sie ihm , daß ich jetzt nichts , als seinen gestörten Frieden vor Augen hätte , und Alles darum geben möchte , ihn glücklich zu wissen . Bitten Sie ihn , mir zu verzeihen , daß ich seine Ruhe leichtsinnig durch unsere Verbindung aufs Spiel setzte . Das ist mein größtes Unrecht ! « seufzte sie . » Ich liebte ihn nicht . Guter Gott ! ich wußte nicht , daß es anders sein könnte ! « Sie sank matt auf ihre Kissen zurück . Ich wollte nichts mehr hören ; ich beschwor sie , alle Anstrengung zu vermeiden . Sie lächelte . » Was sind Sie so ängstlich ? « fragte sie . » Der Tod ist nicht das Schlimmste , was mir droht . « Ich that nicht , als ob ich sie verstehe . Hugo hatte sich indeß leise hereingeschlichen . Er stand mit dem Haupt seitwärts gegen den Schirm gelehnt , der das Bett der Kranken theilweise umgab . Diese , einmal den Gegenstand berührend , der sie wohl meistens beschäftigte , achtete nicht auf mein Schweigen , sondern sagte : » Denken Sie doch nur , Sophie ! wie jung ich bin , drei und zwanzig Jahr , und schon mit dem Leben abgeschlossen ! Nichts , nichts mehr darin , was mir gehört ; keine Pflichten ! kein Beruf ! kaum ein Plätzchen , das mir vergönnt , den langen , unfruchtbaren Weg , ohne Unterbrechung , ohne Schatten und Licht , kahl und grau , bis an ' s Ende zu übersehen . Und ich war so froh wie Emma , « klagte sie , » so recht jugendfroh . Was nimmt mir jetzt der Tod ? Nichts ! wahrhaftig nichts ! « Ich erinnerte sie an Georg , der ihr doch immer bliebe , den sie auch aus der Ferne begleiten könne . » Aus der Ferne ! « wiederholte sie schmerzlich . » Ja , fern ! fern ! das paßt auf Alles , was mir angehört . Es bleibt mir nichts nahe . O bitte ! « rief sie , nach meiner Hand fassend , » beziehen Sie ' s nicht auf sich , Liebste ! Denken Sie nicht , ich sei ausgeartet genug , um Ihre Freundschaft mit Undank zu lohnen . Ich fühle sie , ach , ich fühle sie ! Aber - ! « Sie stockte . » Und ? « fragte ich . » Sie haben auch eine Andere in mir geliebt , Sophie , als ich bin , « erwiederte sie sinnend . » Das ist wohl Vielen so gegangen , « setzte sie hinzu , » auch Hugo ! Er hat recht , ich kenne mich selbst nicht mehr ! « Dieser , vielleicht mehr durch Elisens klagende Stimme , als durch den Sinn ihrer Worte getroffen , mochte einer unwillkührlichen Bewegung nicht Herr sein . Ein leises Geräusch verrieth seine Nähe . Die Kranke fuhr in die Höhe . Sie fragte . Sie rief ihn . Er trat zu ihr . Thränen bedeckten sein Gesicht . Er war sichtlich in großer Erschütterung . So ergriff er ihre Hand , so gelobte er mit leisen , heißen Worten , sie nie zu verlassen , sein Geschick unwiederruflich an das ihrige zu knüpfen , und ihrer Verbindung die Heiligkeit auch äußerlich zu geben , die sie für ihn ewig habe . Lieber Freund ! das war es , was ich Ihnen in seinem unwillkührlichen Kommen und Geschehen hinstellen wollte . Sie haben es in Ihrer Klarheit begleiten können . Der Eindruck ist frei , durch Nichts vorher bestimmt . Sie werden in sich fühlen , wie viel Raum wir der Freude geben dürfen ! Beide sind jetzt glücklich ! Elise ist in der Genesung wie durch einen