Dämon der tollsten Eifersucht Hippoliten zuflüsterte : sie ist sein , des mißgeschaffnen , lächerlichen Alten , sein , ganz sein , auf immer ! Dann stürmte er fort , hinaus in den Wald , in Klüfte , zwischen Felsen , wie ein gejagter Hirsch , der den Pfeil in der wunden Brust mit sich trägt . Oft irrte er in tiefer Nacht zwischen den Ruinen der Brandstelle , kletterte mit Lebensgefahr über die morschen Mauern und suchte die verschütteten Eingänge zu den Gewölben . Ganz verwilderten Sinnes , wollte er schlechterdings die ihm oft beschriebne Riesengestalt des alten Barons dort erblicken . » Steig herauf ! « rief er in halbem Wahnsinn , » steig herauf aus Deinem Steinhaufen , dem Du die Tochter opfertest ! Libertade e morte ! Gieb uns Leben und Freiheit im Tode ! Zieh uns beide hinab ! Was soll sie hier mit leerer , kalter Brust länger einsam umherwandeln ? Dort wird sie lieben , dort drüben , auf ihren heimathlichen Sternen . Mich wird sie lieben , sie muß es , denn ich gehöre zu ihr . Mein ganzes Daseyn ist ein Strahl , ein Abglanz ihrer Herrlichkeit , den sie ins Daseyn rief , der ohne sie auf ewig verlosch ! « Moritz hörte ihn oft , und verwachte dann eine Angstnacht , die ihn gewöhnlich bewog , mit Sonnenaufgang wieder von dannen zu ziehen . Einst hatte Hippolit die halbe Nacht so in fast wahnwitziger Raserei vertobt . Es war weit nach Mitternacht . An allen Kräften erschöpft , sank er zwischen dem Gemäuer der Brandstelle hin ; seine Wildheit löste sich plötzlich in unsägliche Weichheit auf ; ihm war , als zerflösse sein Daseyn in diesem stillen Weh ; er mochte sich nicht regen , sondern überließ sich fast gedankenlos dem angenehmen Gefühl gänzlicher Ermattung , bis ihm die Sinne schwanden und der Schlaf ihn überschlich . Die ersten Strahlen der aufgehenden Sonne erweckten ihn wieder ; der kühle Morgenhauch wehte beruhigend ihn an , er starrte auf seine wunderliche Ruhestätte hin , und begriff nicht sogleich , was ihn hieher gebracht haben könne ? Dann begann er , wie immer bei kühlerem Bewußtseyn , sich seines leidenschaftlichen Unmuths recht herzlich zu schämen , nannte ihn unmännlich , und versprach sich selbst , sich künftig Gabrielens würdiger zu betragen . Noch nie hatte Hippolit sich zu so früher Tageszeit zwischen den Ruinen befunden . Er blickte um sich , und ihn ergötzte das Spiel der fast noch horizontal fallenden Sonnenstrahlen , die hin und wieder , durch Lücken und Mauerspalten dringend , in einzelnen feurigen Lichtern durch das tiefste Dunkel auf den vom Rauch geschwärzten Mauern glänzten . Er stand in dem Theil des Flügels , der zur Zeit des Brandes , um das Hauptgebäude zu schützen , größtentheils eingerissen ward , dicht vor einem der gewölbten Eingänge , welche einst zu den Souterrains führten . Einige ziemlich erhaltene steinerne Stufen führten noch in die Tiefe des kellerartigen Gewölbes hinab , doch nur wenige Schritte weiterhin war alles verschüttet . Hippolit blickte in die Tiefe , wo ein bläulich glänzender Punkt seine Aufmerksamkeit erregte ; es war als ob der Reflex eines einzelnen Sonnenstrahls dort von einer metallnen Fläche zurückgeworfen würde . Je länger er hinsah , je wunderlicher schien ihm das seltsame Blinken . Endlich bahnte er sich , nicht ohne Gefahr , den Weg zum Gegenstand seiner Neugier , und stand bald vor einer , in den Fels , welcher dem Gebäude zur Grundlage gedient hatte , eingehauenen kleinen Vertiefung . Spuren einer eisernen Thüre , die einst sie verschlossen haben mochte , waren noch sichtbar . Unter Ueberbleibseln zerbrochner Gläser , vermoderter Schriften und Pergamente , welche die Vertiefung anfüllten , glänzte noch immer der Schein hervor , und Hippolit zog endlich eine kleine Kapsel von weißem Metall aus dem Wuste . Schmutz und Staub verhinderten ihn , die darauf eingegrabnen Charaktere zu lesen , bis er , in seinem Zimmer angelangt , den sonderbaren Fund bequemer untersuchen konnte . Das Metall , aus welchem die Kapsel bestand , erkannte er für Platina . Liberorum Salus stand darauf eingegraben . Von sonderbarem Schaudern ergriffen , schob er sie weit von sich weg , aber die Neugier siegte , er ergriff sie wieder , und ruhte nicht , bis es seinem Bestreben gelang , sie zu öffnen . Ein ganz kleines , hermetisch verschlossnes Fläschchen von Bergkrystall funkelte ihm aus dem schwarzen Sammt , mit dem die Kapsel gefüttert war , entgegen ; es war wit wenigen ganz hellen Wassertropfen angefüllt . Sein Haar sträubte sich bei dem Anblick . Alles , was Moritz ihm auf dem Wege vom Eisenhammer nach dem Schlosse vertraut hatte , trat plötzlich in furchtbarer Lebendigkeit vor seine Seele . Ihm war zu Muthe , als stände der beunruhigte Geist hinter ihm , den er im wilden Wahn so oft zur nächtlichen Stunde herbeirief , als beuge die Riesengestalt sich über ihm weg , um ihm hohnlachend ins Antlitz zu starren . Mit abgewandtem Blick schloß er die Kapsel wieder , vergrub sie tief im verborgensten Fach seines Schreibtisches unter Papieren , und eilte dann hinaus , als folge das Verderben ihm auf dem Fuße . Alles in Schloß Aarheim gewann eine andre Gestalt , so wie der Herbst näher herankam . Gabrielens Zeitordnung ward verstört , zwischen den alten Mauern wimmelte es von modernen geputzten Herren und Damen , lustige Tanzmusik wirbelte Abends durch die hochgewölbten Säle und laute Freude hallte durch alle Gemächer . Die rückkehrenden Brunnengäste aus Böhmen stellten sich weit zahlreicher ein als man es erwartet hatte , jeder Tag führte neue Besuche herbei , während die früher Angekommnen sich wieder entfernten . Auch ältre Bekannte Gabrielens aus der nächsten Stadt fanden sich ein . Es war ein Leben , ein Treiben , ein Lachen , eine Lustigkeit unter den Leuten , über die Hippolit zuweilen von Sinnen hätte kommen mögen , der er aber auch in andern