meinem Vater weiß , und es ist das einzigemal , daß mir es Mühe kostet , Ihnen bei Ihrem Buche zu helfen ; Sie werden mir daher verzeihen , wenn ich mich sehr kurz fasse ; überhaupt schreiben Sie ja meine und nicht meines Vaters Geschichte ; ich will Ihnen also nur einiges aus dem Leben meines Vaters , ehe er nach Deutschland kam , erzählen , und etwas von Josephs fernern Schicksalen , damit ich nachher frei bin , und Ihnen die wenigen Schritte noch aufschreiben kann , die ich von da , wo Sie mich im ersten Bande ließen , bis hierhin tat , von dem steinernen Bilde der Mutter bis hierher an Violettens Grabmal . Der Weg scheint lang von dem Denkmale einer Mutter bis zu dem eines Freudenmädchens ; er ist es nicht , aber er umfaßt dennoch mein Gemüt . Sie haben im ersten Bande das Lied von der Marmorfrau , mit dem das Buch hätte anfangen müssen , hätten Sie die Geschichte meines Lebens , das ist meiner Empfindungen , schreiben wollen , und mit dem , was Sie von Violetten sangen , mußten Sie aufhören . - In diesem Marmorbilde lag all mein Schmerz gefangen , ich lag wie das Kind in den kalten Armen des Bildes : was in dem Teiche sich bewegt , das ist dasselbe immer wieder , nur im beweglichen Leben gesehen ; aber was dort über den grünen Büschen in die Höhe strebt , das ist meine Freiheit ; in Marien lag der Schmerz und die Liebe gefangen , in Violetten ward das Leben frei . - Doch ich will die fatalen Geschichten , die nicht zwischen diesen zwei schönen Polen , diesem Aufgang und Untergang , liegen , schnell erzählen , damit Sie , lieber Freund , mit meiner Geschichte fertig werden , und wir miteinander eine bessere lebendige des eignen Lebens anfangen können . Mein Vater war früh elternlos und sein eigner Herr , leidenschaftlich und voll Enthusiasmus . Aber reich und frei gab er seinem Enthusiasmus keinen Zweck . Er ergriff alles mit ihm , was ihm in die Hände kam , die ganze Welt brannte ihm in einem reinen Feuer , so oft er sie auf einem neuen Punkte berührte , aber nur seine Leidenschaft berührte sie . Er liebte früh , und ward bewundert , nie geliebt ; es konnte sich kein Wesen an ihn hängen , denn er sprach im Arm der Liebe vom Universum , wo er es hätte sein sollen . Die armen Geschöpfe , die er fallen ließ , wenn sie sich an seine Brust gelegt hatten und er , des Mädchens vergessend , die Arme nach der Weiblichkeit ausstreckte , fielen unsanft , und mußten schmerzlich empfinden , daß er sie nur dann wieder erheben konnte , wenn er seine Arme eben zufällig nach dem Elend ausstreckte . - So ward ihm nichts , was ihn erquickte , denn der wird sich nie an einem kühlen Bronnen im einsamen schattichten Tale menschlich erfreuen , der immer die Idee der alten Philosophen im Kopfe hat , daß das Wasser das Erste und Höchste sei , von dem alles komme , zu dem alles kehre . - Er war daher sehr unglücklich , denn er sehnte sich nach Liebe und Freundschaft , aber nicht nach Menschen . - Es blieben ihm wenig Freunde , aber er hatte immer eine Menge ; er war nie ohne eine Geliebte , aber er hatte immer eine verloren - die armen unbefangenen Weiber sehnten sich nach dem Höchsten , wenn er einige Wochen hohe Worte vor ihnen gesprochen und alles , wovon sie lebten , klein gemacht hatte ; sie sehnten sich nach dem Höchsten , aber er zerbrach ihnen alle tiefere Sprossen der Leiter : da gaben sie sich hin , um mit ihm das Höchste zu erringen , aber sie gaben ihm ihr Höchstes hin - er machte sich ein Gedicht aus der Sache , sprach von der Göttlichkeit der Liebe so göttlich , daß die Menschen zu Idealen der Kunst zu werden strebten und die Bildsäulen sich begattet hätten , wenn sie es wie jene gehört hätten . - Wer ihn nehmen konnte wie ein Element , wie einen Sommer , dem konnte er wohltun , denn man konnte ihn durch mancherlei Arten von Verehrung dazu bringen , dies oder jenes Wetter zu erschaffen ; wer ihn aber nahm wie ein angewandtes Feuer , oder einen Gärtner , und sich von ihm in der Landwirtschaft unterrichten ließ , der konnte mit Weib und Kind verhungern . - Er wickelte sich bald mit sehr großmütigen Gefühlen von den Menschen los , und kam nach Oxford , um zu studieren : dort ergab er sich dem Skeptizismus , und sein Enthusiasmus , den er doch nun nicht mehr ablegen konnte , ward zu einem entsetzlichen , viel bösern Ding , zum schwärmenden Spotte . - Er zweifelte an allem ; doch schien dieses , durch seinen Enthusiasmus gemildert , lauter Bescheidenheit , und alle Menschen waren so lange von ihm entzückt , bis sie sich selbst an ihn verloren ; dann nahm er ihre von ihm begeisterten Körper in den Arm , hob sie zum Himmel , opferte sie der ganzen Natur , schlachtete sie mit seinem Spotte , mit der Träne der Rührung , daß es ihm verliehen sei , sie in so göttlichem Rausche ohne Schmerzen zu töten , verbrannte sie dann mit schönen Gebeten im reinen Feuer des Enthusiasmus , streute ihre Asche in alle vier Elemente , und verspottete sich hintennach selbst . Sein Enthusiasmus nahm nun immer mehr ab , und ebenso wuchs sein Spott . Vorher hatte er die Menschen zernichtet , weil er sie Engel nannte , jetzt zernichtete er sie , weil sich die schöne Täuschung gelöst hatte - er , der vorhin mit so großen herrlichen Wesen öffentlich war gesehen worden - wie konnte er nun mit den schlechten Menschen umgehen ! - Er