vormalen könne der stolzen Romeiro , und daß ja , trotz alles Widerstandes , doch alle Geister-Weissagungen einander eingreifend faßten und hielten . - - Das alles sagte sie nun , weil sie nur ihre Schmerzen , nicht ihre Hoffnungen verbarg , dem Grafen gar ins Gesicht . Welchen knirschenden Biß in sein weichstes Leben tat jetzt ein böser Genius ! - Diese glühende , ungeteilte , nicht teilende Liebe hatt ' er , nicht sie , - glaubt ' er . Er war recht nahe daran , sein wie von einem Gewitterschlag auf einmal in die Höhe brennendes Wesen auch so zu zeigen ; nur die schuldlose , weiße Stirn mit frohen Rosen in den kleinen Locken , der kindlich-helle Aufblick des reinen , blauen Augenpaars und das weiche Angesicht , das schon bei einem musikalischen Fortissimo und bei jeder Heftigkeit im fremden Bewegen oder Lachen kränklich durch das klopfende Herz errötet , und sein verschämter Haß der Leichtigkeit , mit der ein Mann seine Allmacht und sein Geschlecht zum Erschrecken des zarteren mißbrauchen kann , hielten ihn wie Schutzgeister ein , und er sagte bloß in jenem edeln Zorne , der wie eine Rührung klang : » O Liane , du bist heute hart ! « » Und ich bin ja so weich ! « sagte die Unschuldige . Beide waren bisher am Fenster vor dem aus Lilar herschwellenden finstern Gewitter gestanden . Sie kehrte sich schnell um - denn sie konnte seit ihrer Erblindung , wo eine dunkle Wolke gegen sie zu fliegen geschienen , keine mehr lange ansehen - , und Albanos hohe Gestalt mit dem ganzen glühend-lebendigen Gesicht und mit den Seelen-Augen stand vom Abendlicht erhellet vor ihr . Sie legte mit der spielenden Hand , die er frei ließ , sein dunkles Haar aus der trotzigen Stirn sanfter an die Seiten , strich die gedrängte Augenbrahme glatter und sagte , als sein Blick wie eine Sonne stach und sein Mund sich ernst schloß : » O freudig , freudig soll künftig einmal dies schöne Angesicht lächeln ! « Er lächelte , aber schmerzlich . » Und dann will ich noch seliger sein als heute ! « sagte sie und erschrak , denn ein Blitz fuhr über sein ernstes Gesicht wie über ein zackiges Gebürge und zeigte es wie das des Kriegsgottes von Kriegsflammen erleuchtet . Er schied schnell ; ließ sich nicht halten ; sprach von Wetterkühlen , ging ins Wetter hinaus und ließ Lianen in der Freude zurück , daß sie doch heute recht aus bloßer reiner Liebe gesprochen habe . Aus dem letzten Hause des Dorfs sprang ihm Rabette entgegen ; über sein Gesicht fielen die Wetterbäche der verhaltnen Tränen herab ; » was fehlt dir , was weinst du ? « rief sie . » Du träumest « , rief er und eilte vor allen Dingen ins Ungewitter hinaus , das sich plötzlich wie ein Mantelfisch erstickend über den ganzen Himmel hergeworfen hatte . Er suchte sich unter dem regnenden Blitzen zuerst die besten Beweise zusammen , daß Liane heilige Reize , göttlichen Sinn , alle Tugenden habe , besonders allgemeine Menschenliebe , Mutterliebe , Bruderliebe , Freundesliebe - nur aber nicht die glühende Einzigen-Liebe , wenigstens nicht gegen ihn . Sie wird nur - er schließet immer fort - von der Gegenwart so gänzlich gefasset und gefüllt , von meiner so gut als von der eines Armbruchs des kleinen Pollux , welche ihr Himmel und Erde verdeckt . - Darum wird ihr der Untergang des Lebens so leicht wie der eines Sternchens und alle Scheidungen dabei . - Darum stand ich so lange mit einer leidenden Brust voll Liebe neben ihr , und sie sah nicht in meine , weil sie keine in der ihrigen fand . - Und so ists so bitter , wenn der Mensch , unter den gemeinen Herzen der Erde verarmend , durch das edelste doch nichts wird als zum letztenmal unglücklich . Der Regen zischte durch die Blätter , das Feuer schlug durch den Wald , und der wilde Jäger des Sturms trieb seine unsinnige Jagd . Das erfreuete ihn als eine kühlende Hand , woran ein Freund ihn führte . Da er nicht durch die Höhle , sondern außen am Bergrücken zu seinem hohen Donnerhäuschen hinaufstieg : so sah er eine dicke , graue Regennacht das grüne Lilar belasten , und auf dem gebognen Tartarus ruhte unter dem Blitz der erleuchtete Sturm . Er fuhr zusammen bei dem Eintritt in sein Häuschen vor einem Schrei , den seine Äolsharfe unter den Griffen des Windes tat ; denn sie hatte einst , von der Abendsonne beglänzt , seine junge Liebe ätherisch wie Sterne eingekleidet und war ihr mit allen Tönen nachgefolgt , da sie hinausging über das leidende Leben . 70. Zykel Am Morgen darauf waren beide Gewitter aufgelöset in ein stilles Gewölke . - Und aus den größeren Schmerzen wurden nur Irrtümer . Wir Schwache ! wenn das Schicksal uns bei unserer Scheinhinrichtung mit der Rute berührt , nicht mit dem Schwerte : so sinken wie ohnmächtig vom Stuhle und fühlen das Sterben noch weit ins Leben hinein ! - Alle Fieber , so auch die geistigen , kühlt der neue , frische Morgen , so wie sie alle der bange Abend glühend schürt . Welcher von uns wickelte sich nicht an Abenden - dieser eigentlichen Geisterstunde der Plage- , Haus- und Poltergeister in den Faden , den er selber spann , den er aber für fremdes Fanggewebe hielt , immer enger durch Entfliehen und Wenden ein , bis er am Morgen seinen Schließer vor sich sah , nämlich sich ! Albano sah auf dem ganzen gestrigen Kriegsschauplatz nichts mehr stehen als eine blasse , gute Gestalt in Halbtrauer , welche nach ihm mit unschuldigen Mädchenaugen umherblickte , und wornach er doch ewig hinübersah , wenn sie auch mehr eine Braut Gottes als die eines Menschen blieb . Er fühlte jetzt freilich mehr , wie hoch seine Foderungen an wirkliche Freunde stiegen , als