ihn Gisela . » Der Minister « – es war ihr unmöglich , dem Verabscheuten noch einmal den Vaternamen zu geben – » hat mir kurz vor Beginn des Festes den Vorfall mitgeteilt ... Warum er mich zur Mitwisserin machte , sah ich nicht ein – jetzt weiß ich den Grund – aber Euer Durchlaucht werden mir erlauben , darüber zu schweigen ... Ich glaubte den Namen Völdern retten zu müssen , und wenn ich auch den Ausweg , den Baron Fleury mir vorschlug , entschieden zurückwies , so hielt ich doch wenigstens einen Teil seines Gedankens fest : Ich wollte mich für meine Lebenszeit nach Greinsfeld zurückziehen , die Einkünfte der erschlichenen Güter jährlich an die Armen des Landes verteilen und schließlich das fürstliche Haus zu meinem Erben ernennen . « Bei den letzten Worten stand sie plötzlich von Purpur übergossen da – ihr Blick hatte zum erstenmal , seit sie im Zimmer war , den des Portugiesen getroffen , der unverwandt auf ihr ruhte . Sie wurde sich in diesem Augenblick unter Schrecken und Beschämung wieder bewußt , daß der Gedanke , ihm anzugehören , vor kaum einer Stunde alle diese schönen Vorsätze aus ihrer Seele spurlos weggewischt hatte . Dem Fürsten war ihr tiefes Erröten entgangen . Er hatte während der Mitteilung der jungen Dame mit auf dem Rücken verschränkten Händen rastlos den Salon durchmessen . » Baron Fleury wollte Sie zur Nonne machen , nicht wahr , Gräfin ? « fragte er stehen bleibend . Gisela schwieg verlegen . » Der grausame Egoist ! « murmelte er zwischen den Zähnen . Er legte die schmale , fieberheiße Hand auf den tief gesenkten Scheitel des jungen Mädchens . » Nein , nein – Sie sollen nicht lebendig in Greinsfeld begraben werden « , sagte er gütig . » Armes , armes Kind , Sie waren in schlimmen Händen ! ... Nun weiß ich auch , weshalb Sie um jeden Preis krank sein sollten und mußten . Sie sind von lauter verräterischen Seelen umgeben gewesen – man hat Sie geistig und körperlich zu morden gesucht ... Aber nun sollen Sie wissen , was es heißt , jung und gesund zu sein – Sie sollen die Welt , die schöne Welt kennen lernen ! « Er ergriff ihre Hand und führte sie nach der Tür . » Für heute kehren Sie nach Ihrem Greinsfeld zurück ; denn hier ist Ihres Bleibens nicht – « Gisela blieb zögernd an der Schwelle stehen . » Durchlaucht « , sagte sie rasch entschlossen , » ich bin nicht allein hierhergekommen , um ein Bekenntnis abzulegen – « » Nun ? « » Das fürstliche Haus hat zu schwere Verluste durch den Raub erlitten , es sind ihm so viele Einkünfte verloren gegangen . Ich bin die einzige Erbin der Gräfin Völdern ; es ist meine heilige Pflicht , nach Kräften auszulöschen , was sie Schlimmes getan hat – nehmen Sie alles , was sie mir hinterlassen – « » Oh , meine liebe , kleine Gräfin , « unterbrach sie der Fürst lächelnd , » glauben Sie im Ernst , ich könnte Sie brandschatzen und Sie , das arme , schuldlose Geschöpfchen , für das Vergehen Ihrer Großmutter büßen lassen ? ... Hören Sie , mein Herr ? « wandte er sich schwer betonend und mit großer Genugtuung an den Portugiesen . » Sie haben mir mittels Ihrer Enthüllungen eine tiefe Wunde geschlagen , Sie haben die Axt an die Wurzeln des Adels gelegt , aber der liebliche Mädchenmund hier versöhnt wieder – er hat den Adel in meinen Augen gerettet ! « » Der Gedanke , den die Gräfin eben ausgesprochen hat , liegt allerdings nahe « – entgegnete der Angeredete ruhig – » auch Herr von Eschebach hat ihn gehabt . Er hat als Ersatz für die Einkünfte , die durch den von ihm unterstützten Betrug dem Fürstenhause während vieler Jahre entzogen worden sind , Euer Durchlaucht ein Kapital von viermalhunderttausend Talern vermacht . « Der Fürst fuhr überrascht empor . » Ah – war er in der Tat ein solcher Krösus ? « Er durchmaß das Zimmer einigemal mit raschen Schritten , ohne ein Wort zu sprechen . » Ich kenne Ihre Lebensgeschichte nicht , mein Herr « , sagte er , vor dem Portugiesen stehen bleibend . » Aber einige Ihrer Andeutungen , dem Baron Fleury gegenüber , ließen mich an einen erschütternden Vorfall denken – Ihr Bruder ist ertrunken , und Sie haben infolgedessen Deutschland verlassen ? « » Ja , Durchlaucht . « – Wie schmerzlich grollend klangen diese Töne ! » Sie trafen Herrn von Eschebach zufällig auf Ihren Streifereien durch die Welt ? « » Nein . Er war mit meinen Eltern befreundet gewesen ; er hat mich und meinen Bruder direkt aufgefordert , nach Brasilien zu kommen ; ich verließ Deutschland , um seinem Rufe zu folgen . « » Ah , dann sind Sie gewissermaßen sein Adoptivsohn , sein Erbe ? « » Er hat allerdings geglaubt , er müsse mir für ein wenig Liebe und Pflege , die er von mir empfangen hat , mit seinen Reichtümern dankbar sein ... Aber mir hat gegraut vor dem Mann und seinen Schätzen , als er mir auf seinem Totenbette jene Geständnisse machte . Ich kann es ihm noch nicht verzeihen , daß er bis an seinen Tod schweigen konnte , daß er in seinem ehemaligen Vaterlande viel Schlimmes hatte geschehen lassen , während es eines Wortes von ihm bedurfte , um den zu stürzen , der es verübte . Er war feig gewesen und hatte den Makel auf seinem Namen gefürchtet ... Ich habe das Erbteil öffentlichen wohltätigen Anstalten zugewiesen ... Das Glück hat meine Privatunternehmungen begünstigt – ich stehe auf eigenen Füßen ! « » Kehren Sie nach Brasilien zurück ? « Der Fürst sagte das mit einem eigentümlich lauernden Blick , indem er dem Portugiesen näher trat . » Nein – ich wünsche mich in meiner Heimat nützlich machen zu können