eine Pflanze — mir die Pflanze nicht weniger als ein Mensch ; beide sind uns das für unsere Forschungen unentbehrliche Objekt . “ „ Das glaube ich nicht von Möllner , “ hauchte Elsa vor sich hin . Der Botaniker zuckte mitleidig die Achseln und ließ sie stehen . Als er sich wieder zu seinen Kollegen wandte , schalten ihn diese weidlich aus : „ Man sieht , daß Sie erst kurze hier sind , sonst würden Sie sich nicht bemühen , der Elsa Herbert Vernunft zu predigen , “ hieß es . „ Wer wird überhaupt den Weibern so etwas begreiflich machen wollen ? “ Und es erhob sich ein schallendes Gelächter , von dem sich nur der ernste , junge Hilsborn ausschloß , dem diese Spöttereien zuwider waren . Wenn er auch selbst einen unüberwindlichen Widerwillen gegen Elsa hatte , so war er doch zu schonend , um ihm Worte zu leihen . „ Ei nun , man tut es sich ja selbst zu Liebe , wenn man die Dummheit ein wenig aufzuklären sucht , “ verteidigte sich der Botaniker gegen die Angreifer . „ Man kann doch solchen Unsinn nicht schweigend mit anhören ! “ „ Also , Fräulein Elschen , Sie finden , es ist ein schönes Los , von den Kühen gefressen zu werden ? “ rief ein junger Privatdozent , der die Studentenschuhe kaum vertreten hatte , herüber . Elsa war glücklich , so viel hatten sich die Herren lange nicht mit ihr beschäftigt . Sie hatte durch ihre geistvollen Einfälle wieder äußerst anregend und belebend gewirkt . Sie war heute in einer trefflichen Stimmung . Wie schade , daß Möllner nicht da war , ihren Triumph zu sehen . „ Ja , “ sagte sie heiter , „ was vergänglich ist wie eine Blume , kann nicht schöner sterben — als — “ „ In dem Magen einer Kuh , “ lachte der Skeptiker gerade heraus . „ Schade , daß Fechner diese poetische Auffassung nicht kannte , bevor er seine Nanna schrieb , er hätte sicher Nutzen daraus gezogen ! “ 67 „ O , auf diese Weise kann Alles travestieren , “ meinte Elsa . „ Ärgert mir die gute Elsa nicht , “ unterbrach Angelika das Gespräch und legte den weichen , schwellenden Arm um ihre spitzen Schultern . „ Schenke mir Deinen Strauß , liebe Elsa , “ bat sie . „ Da , stell ihn auf Deines Bruders Schreibtisch , “ flüsterte ihr diese in das Ohr . Angelika streifte sie mit einem mitleidigen Blick . „ Ich will es tun , Elsa , aber Du weißt , er macht sich nicht viel aus gepflückten Blumen . “ „ Ach , vielleicht gibt es ihnen Wert , daß eine so treue Freundeshand wie die Meine sie gebrochen . “ Ganz erschrocken nahm Angelika das Bouquet und sagte zögernd : „ Wenn er nur nicht böse wird , — er mag gar nichts auf dem Tische leiden , doch ich — ich will es versuchen . “ Rasch wie immer kam Moritz durch den Garten gerannt . Angelika stand noch über Elsa gebeugt , da fühlte sie einen brennenden Kuß in ihrem Nacken , und die blitzenden schwarzen Augen ihres Mannes sahen ihr ins Gesicht . „ Moritz , “ sagte sie mit Entzücken und lehnte ihre Wange an die seine , „ bist Du endlich da ? “ „ Ja , süß Weib , — ich mußte noch einen Krankenbesuch machen — aber jetzt gehe ich Dir nicht mehr von der Seite bis morgen früh um acht . Zwölf ganze Stunden ! Ist das recht ? “ „ Ob es recht ist ! “ wiederholte Angelika und die arme Elsa , die diese Herzensergüsse mitanhören mußte , denn das Paar stand dicht hinter ihr , fühlte sich heimlich durchbebt von der Ahnung solchen Liebesglückes . „ Na , “ sagte der alte Heim und zupfte Moritz am Rocke , — „ von Euren Liebkosungen werden wir nicht satt , die können uns höchstens den Appetit verderben . Deine Mama bittet Dich , den Wirt beim Abendbrot zu machen . “ „ Komm , Angelika , “ sagte Moritz und legte Angelikas Arm in den seinen , — er führte nie eine andere Dame zu Tisch als seine Frau . Nun nahte ein schwerer Moment für Elsa , denn sie hatte das ihr unerklärliche Schicksal , stets sitzen zu bleiben , wenn getanzt wurde und wenn man zu Tische ging . Heute war sie gewiß wieder gezwungen , sich als Nachtrab an irgend eine Leidensgefährtin zu hängen oder , wenn das Glück wollte , von einem der letzten Herrn , der schon eine Dame hatte , aus Mitleid an den linken Arm genommen zu werden . Ach , ihr < < Ritter > > , ihr Lohengrin war ja nicht da , — er , der sie einst von dem letzten , dem furchtbarsten Sitzenbleiben , dem für immer — erretten sollte ! Wo war er — wo blieb er ? Und in ihrer Herzensangst wandte sie sich an einen der Herren , welche sich jetzt dem Kreis der Damen näherten , um ihnen nach frischem Tabak duftende Galanterien in Nase und Ohr zu hauchen . „ Ach , wissen Sie denn nicht , wo Professor Möllner ist ? “ Der Herr war ein junger Assistent , den Moritz mit auf das Dorf genommen hatte . Der Letztere erreichte ihn noch rechtzeitig , um ihn zuzuflüstern , „ Sagen Sie ’ s es nicht ! “ Der Angeredete machte ein verlegenes Gesicht , als Herbert noch herzutrat und boshaft sagte : „ Sie waren ja heute in Hochstetten , wo Professor Möllner , wie immer , den barmherzigen Samariter machte ? Ich hörte , wie Sie es Ihrem Kollegen Hilsborn erzählten . Bitte , geben Sie uns die interessante Geschichte doch auch zum Besten ! “ Er legte seine Hand wie zufällig auf die Schulter seiner Schwester , aber