ihm ein froher Schrei aus der Kehle : » Höia ! Mein Herr ist ledig ! Die Fall ist in Scherben geschlagen . « Das ferne Gemisch von Rauch und Wolken glutete wie Abendröte , die sich versäumt hat bis in die Nacht hinein . In der matt zerflossenen Farbe sah man kleine , hellere Glutflecken . Drei lagen dicht beisammen , die Feuermale von Marzoll , Piding und Aufham . Diese Dörfer gehörten dem Herzog Heinrich - da hatten wohl die von Salzburg , der Törring und die Chiemseer den heißen Gockel fliegen lassen . Und deutlich unterschied man unter dem Gewölk zwei lange Glutgassen : Die eine züngelte gegen die Lande des Törring hin - da war wohl Herzog Heinrich dem bayrischen Oberstjägermeister hinter den Waden und machte ihm die Lehensdächer warm ; die andere streckte sich gegen den Chiemsee - da peitschte der Seipelstorfer die Chorbrüder des heiligen Peter nach Hause und brannte die Steuerbüchsen der geistlichen Herren aus . Oder umgekehrt . Man konnte unter den rötlich angestrahlten Wolken an die dreißig von diesen kleinen , helleren Glutflecken zählen . So viel leuchtende Scheinkreise da droben am Himmel waren , so viele Dörfer brannten auf der Erde . Nur dieser rotgewordene Himmel erzählte . Den Brand in der fernen Menschentiefe verdeckten die waldigen Hügel . Aber die alte Bäuerin , deren Hausdach um der Fehden ihres gnädigsten Herzogs willen schon dreimal in Feuer aufgegangen war , sah auch diese unsichtbaren Flammen , sah tausend armgewordene , schreiende , verzweifelte Menschen und fing in Sorge und Barmherzigkeit zu klagen und zu beten an , zu fluchen und hilflos zu weinen . » Ja , Weibl ! Krieg ist in der Welt ! « sagte Malimmes hart . » Und übers Jahr ist das schöne Bayerland ein Wurmloch und Äschenhaufen . Da kannst du ein Menschenherz billiger haben als einen Hennendreck . « Er ging zur Scheune . Die jammernde Bäuerin hinter ihm her . Von ihrem gnädigsten Herzog sprach sie noch immer ehrerbietig ; doch dem Ingolstädter wünschte sie die übelsten Krankheiten an den Hals . » Sind Vettersleut , die zwei Herren ! Sollten wie Brüder sein ! « » Brüder ? So ? Brüder speien einander ins Gesicht . « Malimmes trat in den Stall , in dem die Laterne brannte . Der Burghausener Falbe und der Ingolstädter hatten sich leidlich erholt , standen auf steif gespreizten Beinen , lehnten sich mit den Schultern gegeneinander und kauten einträchtig ihr ungeteiltes Heu . » Sind Viecher nit gescheiter wie Menschen ? Guck her da ! So sollt man die gnädigen Vettern aneinander halftern , bis sie friedsam fressen lernen aus der gleichen Kripp . « Er tränkte die Gäule , wusch ihre Wunden und legte Spinnweben drauf , die ihm die Bäuerin aus den Winkeln des Stalles in reichlicher Menge herbeiholte . Dann nahm er die Laterne . » Hast du was Gutes im Haus ? Jetzt muß ich für den Buben kochen . « Die Bäuerin erbot sich gleich : Das wäre doch Arbeit für eine Weiberhand . Er lachte . » Ungekostet , ich kann ' s besser wie du ! Und mein feiner Gesell hat heut ein heikliges Mäglein . Mit dem Buben sei fürsichtig , Weibl ! Sein Vater ist so reich , daß man an seinem Erbgut den Zaun nimmer sieht . « Barfüßig trat Malimmes in die stille Stube und hängte über dem Herd die Laterne an einen Balkennagel . Lautlos ging er auf das Lager zu . Jul schlief , wie Kinder schlafen , mit den Fäusten vor den Augen . Gleich einem dicken Mäntelchen lag das schwarze Haar um die heiße Wange her . Unter den Decken machten die Beine manchmal eine zuckende Bewegung . Und die nackte Schulter hatte sich ein bißchen herausgeschoben . Malimmes zog sein Wams herunter und hüllte das linde Leder achtsam über die rosige Blöße . Dann ging er zum Herd , legte dünnes Astwerk übereinander und entzündete am Laternenlicht einen Span . Das Feuerchen züngelte . Und Malimmes schürte die Flamme nur mit Reisig . Weil die Scheite krachen . Auch die Bäuerin , als sie das Beste aus ihren Schränken : brachte , mußte barfuß gehen . Kein Wort durfte sie reden . Aber während sie zuguckte , wie geschickt und reinlich Malimmes kochte , mußte sie doch in ihrem Staunen flüstern : » Von dir kann ein Weibsbild lernen . Nit ein einzigsmal hast du beim Kochen die Näs mit der Hand geputzt . Allweil mit dem Ärmel . Und , den Kopf hast schön auf die Seit getan , daß kein Schweißtröpfel nit in die Supp fallt . « » Das hab ich dem Hofkoch des deutschen Königs abgeschaut . Der hat ' s allweil so gemacht , solang er nit allein in der Kuchl gewesen ist . « Malimmes machte es aber auch so , nachdem er die Bäuerin aus der Stube geschickt hatte . Und als der Würzwein dampfte und die reichliche Mahlzeit fertig war , ging er zum Lager hin , ließ sich etwas sperrig auf den Lehmboden nieder und schob seinen Arm unter den Nacken des schlummernden Gesellen . Jul tat die großen , blauen Augen auf und fragte : » Ist er schon da ? « » Noch nit . « Lächelnd verschluckte Malimmes einen Tag . » Ist ja noch allweil Nacht . Vor Abend kann der Bauer nit kommen . Der reitet im Häuf . Da geht ' s nit so geschwind wie bei uns . Auch mußt du dich richtig ausschlafen , eh du wieder in den Sattel kommst . Jetzt mußt du essen und trinken . Ist alles schon fertig . Und ich mein ' , nit schlecht . Ich selber hab aufgekocht . « Erschrocken fragte Jul . » Hast du denn nit geschlafen ? « » Ein lützel , freilich ! Wenn wir gegessen haben , streck ich mich gleich wieder auf die Haut . Jetzt hab ich