ist nach dem Grabe gegangen , in das ihr eben eine Leiche getan habt . Ich sah alles vom Walde , und da ich zu Ihm wollte , Herr Johannes , so hab ich den Augenblick genutzt , hinter Seines Oheims Rücken in die Grotte zu schlüpfen . « - » Was untersteht sich der Schleicher ? « rief Zetteritz und packte ihn von neuem an . » Gnade , ihr Herren ! « heulte der Italiener , » seid nicht so streng mit einem armen Goldsucher . Oh ! Johannes ! sind wir nicht Kameraden ? Bedenk Er doch , wie wir vor 25 Jahren mitsammen den Schatz der Abendburg heben gewollt . Was folget daraus ? Ich hab ein Recht , hier zu sein ; damals haben wir ja den Pakt getan , das Gold zu teilen . So geb Er mir mein Teil , Johannes , ich bitte , ich flehe ! Dies Herz ist ausgedörrt vom Dürsten nach Golde . O wie hab ich gesucht und alles getan , nichts gescheut , den Schatz ausfindig zu machen . Vergebens ! Betrogen hat mich mein Hoffen ! Ich verschmachte , verzweifle . Rette mich , Johannes ! Du kannst es , du hast den Schatz ! Ja , leugne nicht ! Kein Goldmacher bist du , ein Schatzgräber bist du ! Und hier muß dein Gold stecken . Gib mir davon ! Wo ist es , wo ? « Und entschlüpft war er der Faust des Ritters . Wie eine schwarze Ratte rannte er im Felsendom umher . Plötzlich der steinernen Riesen vor sich gewahr , kreischte er vor Angst , und ihm schlotterten die Knie . Dann schoß er auf die steinerne Truhe los und griff hinein . Nur Gebeine aber hatten wir darin gelassen . Mit einem Laut des Abscheus warf er weg den Fund und wollte weitersuchen . Doch wieder packte ihn Zetteritz und schob ihn vor sich her dem Ausgange zu . Anfangs sträubte sich der Italiener , dann bat er , man solle ihn loslassen , ruhig werde er ja mit uns gehen . Wir wir an den Höhlenbach kamen , wich Giacomini vor der Steinbrücke zurück . » Ich werde fallen « , sprach er furchtsam . » Ratte ! « herrschte ihn Zetteritz an , » bist doch soeben herübergekommen , so mußt du auch wieder zurück . « » Seid still ! « antwortete lauernden Blickes der Mensch ; » schon gut , ich werde kommen , lasset mir nur Zeit , meinen Schwindel zu meistern . Zeiget mir , wie man hinüberschreitet . « - - » Vorwärts , Zetteritz ! Er wird schon nachkommen . « Und ich schreite mit der Laterne über die Brücke , Zetteritz folgt . Auf einmal hinter mir ein Schrei : » Schelm , verfluchter ! « Und wie ich mich wende , taumelt Zetteritz in die Felsenschlucht . Im Stürzen krallt er nach Giacominis Mantel und reißt den Aufkreischenden hinter sich drein . Mir ist , als solle mein Herz stillstehen . Es beben mir die Knie , ich hebe die Arme empor und schreie ... Wie es dann aber in mir ruft : Rette ! - so raff ich mich zusammen und leuchte hinunter . Da wälzt es sich dunkel und zappelt , umspült von Wassergischt , und ächzet , dann keucht Zetteritz halberstickt : » Ratte ! Zappele , schluck Wasser , krepiere ! « - » Zetteritz ! « ruf ich , » bist du heil ? « Dumpfes Stöhnen antwortet , und es röchelt , als halte der Tod hier Ernte . Vergebens suche ich nach einer Stelle , um die Steinwand hinabzuklettern . Ein Strick fehlt mir . Her einen Strick ! » Tobias ! Hilfe ! « Ins Felsenbett ruf ich : » Halt aus , Zetteritz , ich hole den Oheim ! « Und ich eile zum Höhlenausgang . O du scharfe Geißel des Schicksals ! Wie ich ans Tageslicht komme , liegt am Fuße des Felsens Tobias in seinem Blute . Ich rüttele ihn ; er ist unbewußt wie ein Sterbender . Am Hinterkopf hat er die Wunde , und wie ich sie befühle , ist da eine breitgedrückte Kugel , und ich hoffe nun , das Hirn werde nicht zerrissen sein . Den Wasserkrug hol ich , wasche die Wunde , unterbinde die blutende Ader und lege um den Kopf ein nasses Tuch . Dann haste ich wieder in die Höhle hinunter . Abermals leucht ich ins Felsenbett und rufe nach Zetteritz . Keine Antwort , keine Regung . Die dunkeln Menschenleiber sind vom reißenden Wasser stromabwärts getrieben zum Felsenloche , wo es in die Tiefe strudelt . Von Angst gepeitscht , will ich eine Stange oder einen Strick ausfindig machen . Da fällt mir jene Felsenkammer ob dem Höhlenbache ein , wo wir den Goldschatz geborgen und die angewandten Werkzeuge untergebracht hatten . Ich haste hinan zur Schatzkammer und finde einen starken Strick , auch eine hölzerne Rolle zum Hochwinden . An einem Steinzacken über dem Bachloche befestige ich Strick und Rolle und gleite ins Felsenbett hinab . Die mitgenommene Laterne zeigt mir die beiden Menschenkörper vom Tode erstarrt in der Umschlingung eines wütenden Kampfes . Der starke Zetteritz hat den buckligen Zwerg erdrückt , erwürgt , ersäuft , und noch immer hält seine Faust dessen Gurgel . Giacomini aber ist mit einem Dolche dem Ritter zwischen die Rippen ins Herz gefahren . Weder am einen noch am andern zeigt sich eine Spur von Leben . Ich trenne die aneinandergeklammerten Leichname und binde den Strick um Zetteritz . Emporgeklommen , mühe ich mich eine Weile , den schweren Mann heraufzuziehen . Von meiner Krankheit sind meine Kräfte noch schwach . Abermals begeb ich mich ins Felsenbett und schlinge den Strick um Giacomini , der ja leichter ist , den ich denn auch bald heraufbringe . Wie soll ich aber nunmehr Zetteritz holen , da doch niemand zu meinem Beistand vorhanden ?